Plesk oder Webmin?

Plesk ist so weit verbreitet, dass dieses graphische Administrationstool fast schon als Standard gilt. Viele Betreiber von Servern, die zur Bereitstellung von Websites oder anderen Webanwendungen eingesetzt werden, nutzen Plesk zur Administration, weil sich viele Administrationsaufgaben damit schneller oder effizienter erledigen lassen als per Konsole.  

Admin-Tool Plesk für eigene Server: Bei vielen Providern oft nur als zusätzliche Lizenz

Bild von Colossus Cloud auf Pixabay

Inzwischen gibt es drei Versionen der aktuellen Version 17 („Onyx“) von Plesk. Scheinbar hat sich auch die Lizenz- und Vertriebspolitik geändert. Bei vielen Hosting- und Cloudserviceprovidern kostet die Plesk-Lizenz nun extra. Es gibt aber Ausnahmen und einige Tarife, in denen Plesk nach wie vor enthalten ist.

Die erste Version von Plesk wurde einst in Novosibirsk (Russland) programmiert und 2001 veröffentlicht. 2003 übernahm SWSoft das Unternehmen. 2008 entstand daraus Parallels. 2015 übernahm Oakley Capital den Teil von Parallels, der das Serverpanel herstellt und betreut. Wenig später verkaufte die Investmentfirma Plesk an Corel. Mittlerweile existiert eine Hauptversionsnummer 17, Produktname „Onyx“.  

Mit der Übernahme durch Corel scheint sich auch die Vermarktungsstrategie von Plesk verändert zu haben. Bei einigen Providern, die dedizierte Server anbieten, ist Plesk seit kurzem nur noch optional verfügbar und kann als Lizenz dazu gebucht werden. Dies ist neuerdings bei Server4You der Fall, ebenso bei Hetzner. Bei Strato, Ionos und Host Europe ist Plesk Onyx aktuell in verschiedenen Tarifen inklusive.  

Macht des Zufalls

Plesk verwende ich schon jahrelang, seitdem ich eigene Server verwende. Durch Zufall bin ich auf die veränderte Vermarktung von Plesk aufmerksam geworden: Nach einem misslungenen Upgradeversuch der Serversoftware (Debian 8) war das darauf laufende Serveradministrationssystem Plesk nicht mehr lauffähig. Zunächst bockte wohl der PHP-Handler, dann war die Paneloberfläche nicht mehr erreichbar. „502 – Bad Gateway“, schöne Grüße von NGINX.  

Nachdem ich die NGINX-Proxy-Funktion per Konsole deaktiviert hatte, liefen die Websites zwar wieder. Plesk an sich ließ sich aber nicht starten. Ich hatte Backups, auch in Form von Container-Snapshots (Virtuozzo). Leider liefen die aber auch nicht mehr. Der Server (auf dem auch diese Website hier liegt) läuft bei Server4You (Intergenia), was zur Host-Europe-Gruppe gehört.  

Rettungsversuche

Ich habe viele Stunden damit verbracht, die Plesk-Installation irgendwie zu retten. Plesk hat eine ausgedehnte Knowledgebasis, eine Art aufgebohrtes Wiki und eine Mischung aus Community-Wiki und Forum, in dem sehr viele Menschen sehr viele technisch komplexe Fragen stellen.

Auch die Symptomatik, die ich in meinem Szenario erlebte, war oft thematisiert, allerdings trafen keine Beschreibung und kein Lösungsansatz mein Problem zu einhundert Prozent. Mein Problem war, dass der NGINX Proxy sich nicht an den Socket binden konnte. Das passiert in anderen Szenarien offenbar, wenn Caches nicht groß genug sind, so dass manchmal das Problem mit der Erhöhung der Werte in einer Konfigurationsdatei erhöht werden können.  

In dieser Phase wunderte ich mich über drei Zeilen Infotext im Panel des Anbieters, mit dem Hinweis, dass die Plesk-Applikation von nun an mit 9,90 Euro extra berechnet werden würde, das heißt zusätzlich zu den Kosten für den virtuellen Server. Damit überstieg der monatliche Lizenzpreis für Plesk die Serverkosten. Für Bestandskunden steigen die monatlichen Kosten um etwa 100 Prozent. Kundenorientierung sieht anders aus, zumal Bestandskunden nicht darauf vorbereitet wurden.   

Neues Lizenzmodelle

Seit einiger Zeit gibt nun drei Versionen von Plesk Onyx zu unterschiedlichen Preisen, die monatlich oder jährlich abgerechnet werden:

  • Web Admin Edition

Dies ist eine Panelversion, mit der man als Webseitenbetreiber Applikationen wie WordPress, Joomla, Drupal oder eigene Skripte auf dem Webspace betreiben kann. Diese Version unterstützt zehn Domainnamen. Seit einiger Zeit hat Plesk auch einige Features für WordPress-Installationen, die sich damit auf dem aktuellen Stand halten lassen, Plugins inklusive.

  • Web Pro Edition

Mit der Web Pro Edition sind schon dreißig Domains handhabbar. Das WordPress-Toolkit ist inklusive und man kann Unteraccounts anlegen, so dass man Kunden, die man als Agentur oder Freelancer betreut, verwalten kann. Man kann diesen Nutzern individuell Webspace und andere Ressourcen zuordnen und deren Abos definieren.

  • Web Host Edition

Zusätzlich zur Pro Edition verfügt die Web Host Edition noch über ein Reseller Modul, so dass sich auch Kunden von Kunden verwalten lassen können. Abrechnungen übernimmt Plesk nicht. Dafür bräuchte man dann WHMSC oder ein ähnliches Produkt. Mit dieser Lizenz, die keine Domainanzahlbegrenzung mehr kennt, gelingt es, ein eigenes Webhosting-Geschäft zu etablieren.

Aus dem Komfort gerissen

Ich finde es grundsätzlich völlig okay, für die Lizenz zu bezahlen, allerdings lief Plesk auch auf einem per „Restore“-Funktion frischinstallierten Debian 9 oder Ubuntu 16 nicht ohne Fehlermeldungen auf dem Server von Server4You. Es konnten, sagte die Fehlermeldung, Konfigurationsdateien nicht geschrieben werden. Im Protokoll ist dann von Fehlern in Zusammenhang mit php-fpm die Rede.  Man könnte an ein einfaches Rechteproblem denken, aber nein, das war es nicht.

Wenn ich allerdings extra Geld für Komfort ausgeben soll, müsste das Produkt schon funktionieren. Das tat es nicht. Ich suchte nach Alternativen.  

Webmin statt Plesk – die Folgen  

Natürlich kann man, solange wenigstens der SSH-Server läuft alles per Kommandozeile erledigen. Das ist zeitraubend, unübersichtich, umständlich. Man muss fit an der Konsole sein und es hält sehr auf, wenn man die Befehle und deren Syntax immer erst nachschlagen muss. Früher hat man das so gemacht, aber: Hey, es ist 2019. Ein wenig GUI wäre schon gut und produktiv.  

Im Open-Source-Bereich gibt es schon seit langem Webmin. Das ist die Open-Source-Entsprechung für Confixx oder Plesk. Nun setze ich persönlich auch Webmin ein. Leider bleibt es nicht aus, dass man über die Konsole Konfigurationen vornehmen muss, aber zumindest einige Routineaufgaben lassen sich sehr gut mit Webmin ausführen, gerade wenn es um das Aufsetzen neuer virtueller Hosts geht.  

Natürlich merkt man sofort, dass man Komfort und Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Aufgaben einbüßt. Zumindest hilft Webmin auch dabei, Softwarepakete für den Server nachzuinstallieren, wenn es neue Versionen gibt. Es zeigt auf dem Dashboard einige Informationen wie die Systemauslastung (CPU-Load), Speicherbelegung und Diskspace. Man kann Backupprozeduren anlegen, User anlegen, Vhosts definieren und Routinedinge wie Mail-, SSH-, Domain (BIND)-,Serveraufgaben erledigen. Weitere Module kann man hinzufügen und administrieren. Auch Webmin hat einen integrierten Filemanager, so dass man für Kleinigkeiten nicht immer erst den SFTP- oder SSH-Client bemühen muss. Auch Firewalleinstellungen lassen sich definieren. Also: Auch Webmin ist recht funktional, allerdingsdeutlich basaler als Plesk. Webmin hilft nicht beim Einrichten typischer Webhostingaccounts, zum Beispiel. Es ist ein Tool zum Verwalten eines oder mehrerer Server in einem Cluster.

Fokussierung und eine andere Vermarktungsstrategie

Ganz offensichtlich hat Plesk die Vermarktungs- und Lizenzpolitik geändert. In früheren Zeiten war Plesk in den meisten Server- oder V-Server-Angeboten inklusive, zumindest in Deutschland.

Nun, da das Produkt in drei Ausbaustufen vertrieben wird, von „Web Admin“ über „Web Pro“ bis „Web Host“. sind die monatlichen Kosten oder Zusatzkosten unterschiedlich hoch. Diese Lizenzen lassen sich auch auf der Seite von Plesk.com selbst erwerben und sind dort ähnlich hoch.  Man bekommt Stack, in denen Plesk bereits enthalten ist, auch auf den typischen Marktplätzen, zum Beispiel bei AWS oder Google in Kombination mit diversen Betriebssystemen. Bitnami hat wohl noch keinen fertigen Stack.

Plesk hat inzwischen eine recht turbulente Geschichte hinter sich und ist inzwischen im Hafen von Corel gelandet. Plesk wurde aus Parallels herausgelöst. Mac-User kennen Parellels als Tool, mit dem man neben – oder besser auf Mac OS – komfortabel andere Betriebssysteme aufsetzen und betreiben kann, zum Beispiel Windows.  

Noch unter Parallels wurde ein Cloud-Produkt entwickelt, das als Odin gelauncht wurde. Damit ging auch eine Umbenennung der Unternehmung einher. Dieses Cloud-Produkt ging 2015 an die IT-Vertriebsfirma Ingram Micro. Parallels, das Mac-Produkt, wurde weitergeführt. Das Serveradmin-Produkt wurde dann weiter als Plesk vertrieben. Plesk wurde eigenständig. 2017 übernahm die Investmentgruppe Oakley Capital Plesk.  

Dynamische Produktentwicklung

Während all der Jahre erschien Parallels bzw. Plesk immer sehr agil. In schneller Folge kamen neue Versionen mit neuen Möglichkeiten und Features heraus. Die Liste der Partnerfirmen, die Plesk integriert haben, ist lang. Seit Plesk 12 sind User der Plattform in der Lage, Docker Container zu verwenden, wenn die Virtualisierungstechnologien, die der Provider verwendet, das unterstützt. Ältere Virtuozzo-Versionen bieten diese Möglichkeiten nicht. Notfalls bleibt eine Anbindung externer „Docker-Nodes“, die allerdings kostenpflichtig sind. Manche Ansätze sind aber auch eingestellt worden, wie etwa der hauseigene „Webpresence“-Pagebuilder.

Das System ist über Extensions sehr erweiterbar. Über den Shop kann man Funktionen erwerben, manche aus kostenlos wie etwa ein Migrationstool zum Serverumzug. Dort findet man auch Lösungen von Zweitanbietern für Backup und Recovery, Security, Sitebuilder (Homepagebaukästen) etc. Man kann so recht einfach Google Page Speed Insights einbinden, externe Cloudspeicherdienste, Antivirenlösungen, SEO-Toolkits.

Ende 2018 kaufte Corel (bekannt von Corel Draw) die Softwarefirma, die im schweizerischen Schaffhausen firmiert. 

Zu Parallels gehörte auch das Unternehmen Virtuozzo, das hinter der gleichnamigen Virtualisierungslösung Virtozzo steht. Dies ist inzwischen auch eigenständig und produziert und vertreibt neben der Virtualisierungslösung auch Infrastruktur-Plattformen für Datacenter und softwaredefinierte Storage-Produkte als Alternative zum weiterverbreiteten Ceph.

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