Weiter starkes Wachstum und Konzentration im E-Commerce – was wird aus den Innenstadthändlern?

Statista hat aus der E-Commerce Studie 2012 einige Fakten veröffentlicht. Sie basiert auf einer Analyse der Top 1000 E-Shops in Deutschland. Die Studie kostet 980 Euro, aber Dass E-Commerce Jahr für Jahr mehr Umsätze generiert, war zu erwarten. Internetworld hat einige Grafiken veröffentlicht. Die Wachstumsraten sind immer noch gigantisch und liegen im Vorjahresvergleich des Jahresumsatzes bis plus 13 Prozent. Fast 30 Milliarden Euro werden online umgesetzt. Natürlich sind das die Summen, die dem traditionelle Einzelhandel mit dem Shop vor Ort nicht mehr zur Verfügung stehen. In nahezu jeder Sparte werden händeringend Rezepte gesucht, um dem Trend wieder auszugleichen. Es wird wohl nicht nur Einzelhändler treffen. Innenstadtvermieter müssen wohl die Mieten senken, wenn sie Leerstand vermeiden wollen.

Was man zumindest in einigen großen und mittelgroßen Städten beobachten kann, ist ein ungebrochener  Trend zur Shoppinggalerie. Mit hohem Aufwand werden  an Top Standorten neue Galerien hochgezogen. Neben einem großen Retailer rekrutieren sich die neuen Mieter hauptsächlich aus  Ketten und Franchisenehmern. Der inhabergeführte Einzelhandel schaut oft in die Röhre. In nicht so attraktiven Umfelder verödet die Innenstadt einfach.

Selbst wenn kleine Einzelhändler einen Onlineshop aufziehen wollen, sind die Chancen begrenzt. Es ist heute einfacher, einen stationären Laden zu betreiben als einen Onlineshop mit den vielen Businessprozessen wie Bezahlung, Performance Marketing, SEO und SEM. An Amazon, Ebay und auch an Google  führt kein Weg vorbei. Selbst wenn man die Basics richtig macht, besteht kaum Chance auf große Sichtbarkeit in Googles Universal Search für lokaler Händler abschminken, selbst im regionalen Umfeld nicht. Wer nach „Addidas Laufschuhe Herren“ sucht, sieht selbst wenn man die Google-Option „Standort“ verwendet oder den Suchbegriff mit einer Ortsangabe ergänzt neben den bezahlten Suchergebnissen hochoptimierte Treffer von Preisvergleichssites und den üblicherweise angezeigten Onlineshops, darunter Sportscheck, Zalando, Otto.  Einen kompetitiven Onlineshop aufzuziehen, kostet heute viele Tausend Euro, selbst für Nischenprodukte. Da wird es schwer, ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwickeln.

Insofern ist es das Bemerkenswerteste an der E-Commerce-Studie, dass die Konzentration im Onlinehandel weiter voranschreiten kann, ohne dass Gegenwehr aus Politik und Verbänden zu erkennen wäre. Dem inhabergeführten Einzelhändler fehlt die Lobby. Die politischen Initiativen der großen Händler werden sich aktuell eher gegen Reglementiereungen im Sinne eines Verbraucherschutzes richten als gegen verödende Innenstädte. Für die Wirtschaftsförderungen der Städte und Kommunen könnte sich hier allerdings ein neues Aufgabenfeld auftun: Welche Initiativen könnte eine Verwaltung ergreifen, um vielleicht ein „buy local“ – Bewusstsein zu schaffen?

Veröffentlicht von

Markus Käkenmeister

Interessiert an Technologie, Politik, Psychologie. Seit 2000 beruflich im Web (Internetbranche) als Marketing Manager und Product Manager Schwerpunkt Community/Dating, Hosting, Domains, Cloud

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