Was tun gegen die Content-Verödung im Web?

Ich habe ja hier in meinem Blog schon öfter mal gefragt, woher denn nun demnächst eigentlich qualitativer Content im Web kommen soll.

Content im Web ist mehr und mehr nur das Ergebnis von Content Marketing. Das ist auch nichts Schlimmes. Dennoch glaube ich, dass sich eine Content Krise auftut:

Private Blogger schaffen es höchstens  – wenn überhaupt – auf 50 bis 70 Euro pro Monat an Erlösen aus ihrer manchmal zeitraubenden Tätigkeit. Adblocker blockieren ihnen auch diese Möglichkeit. Otto Normaluser, der seit jeher sowieso alles aus dem Web umsonst haben will, TV-Serien, Filme, Spiele, Textinhalte sowieso, frohlockt.

Auch Zeitschriften spüren den Druck und müssen das Angebot an frei zugänglicher Information reduzieren: http://www.theatlantic.com/business/archive/2014/05/what-the-death-the-homepage-means-for-news/370997/ : Statt seriöser Infos auf der Zeitungswebsite postet man zunehmend  klickstarken und viralen Schwachsinn auf der Facebookpage oder über Twitter.

So sehr nun die europäischen Verlage und nationalen Telekom-Multis versuchen, Google EU-gerichtlich anzuschießen, Google verteilt den Traffic, produziert selbst aber wenig Content.

Der Weg für Printleute, hauptberufliche Journalisten und Redakteure, die an ihre Chronistenpflicht und Pressefreiheit glauben, wird noch steiniger werden, droht auch Zillah Byng-Maddick, CEO von The Guardian, zitiert nach turi2.de: „Die Zukunft besteht nicht aus Inhalten sondern aus Jobkürzungen und Werbung.“ Man gibt sich also gar nicht mehr die Mühe, auf das Prinzip Hoffnung zu setzen oder die Leute pragmatisch nach vorne denken zu lassen.

Was allerdings soll Google dann noch als Ergebnistreffer anzeigen, wenn es nur noch interessensgetriebenen Content und Like-Klick-affine Bildchen gibt? Nur noch Wikipedia? Oder Usergenerated Content wie die Amazon Rezensionen? Nur noch Idealo-Preisvergleichlinks? Was aber, wenn man gar nicht nach Produkten sucht?

Leute, die Content ins Web stellen, müssen einen Teil des Kuchens abbekommen. Ein paar Ansätze gibt es, schreibt auch Internet World Business (allerdings zur Zeit nur in der nichtverlinkungsfähigen Printausgabe). Der Journalist Richard Gutjahr ist der Meinung, die Leute würde für Inhalte auch bezahlen:  http://www.internetworld.de/e-commerce/medien/leute-bereit-inhalte-zu-zahlen-468298.html. Beweise dafür gibt es allerdings zur Zeit noch nur wenige, etwa das von Sascha Pallenberg mit seinem mobilegeeks.com. Angeblich fahren er und seine Mitarbeiter damit pro Jahr eine halbe Million Dollar ein.

Vielleicht wäre es doch an der Zeit, Programme wie Adsense profitabler werden zu lassen. Die Produzenten müssen mehr verdienen, sonst verödet das Web.

Veröffentlicht von

Markus Käkenmeister

Interessiert an Technologie, Politik, Psychologie. Seit 2000 beruflich im Web (Internetbranche) als Marketing Manager und Product Manager Schwerpunkt Community/Dating, Hosting, Domains, Cloud

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