In der spanischen Stadt Jun regiert die Stadtverwaltung via Twitter

Während wir uns hierzulande zaghaft ein paar „Bürgerportale“ ausprobieren, geht die spanische Stadt Jun viel weiter. Dort kommunizieren Stadtverwaltung und Bürger per Twitter, um typische Angelegenheiten in der Beziehung Verwaltung – Bürger zu regeln. Dies begann schon 2011. Der Bürgermeister der Stadt, José Antonio Rodríguez Salas, hatte am Aufbau dieses neuen Verwaltungssystems einen wichtigen Anteil. 
Darauf aufmerksam geworden bin ich dank eines Beitrags im Socialmediawatchblog. Der Originalbeitrag auf medium.com findet sich hier (engl.): 
Während in Deutschland viele Bürgermeister oft noch nicht mal einen Twitteraccount haben und manchmal noch nicht einmal wissen, was das ist und wofür man ihn einsetzen könnte, entwickelte Bürgermeister Salas eine technologiegetriebene Vision mit dem Ziel, die Gesellschaft weiter zu entwickeln und für gegenseitige Transparenz zu sorgen. Twitter Tweets sind im allgemeinen für jeden sichtbar. Kommunikation findet offen statt und lässt sich mit Tweets schneller abwickeln als per Telefon oder E-Mail. Damit ist Twitter nicht nur ein PR Kanal, wie sonst gerne missbraucht, sondern echtes Kommunikationstool im öffentlichen Raum. Dort regiert man mit Social Media und reagiert nicht nur. 
Es ist wohl überhaupt nicht so, dass Protestwellen und Shitstürme über die Verwaltung und die Mitarbeiter niedergehen. Städtische Mitarbeiter erhalten im Gegenteil positives Feedback für gute Arbeit. Natürlich mischen sich Bürger nun in lokale Belange ein – das tun sie heute aber sowieso. 
Ob mit der deutschen Technophobie ein solches Projekt hierzulande machbar wäre, bezweifle ich ernsthaft. Wir verpixeln lieber unsere Häuser, wenn der Google Fotowagen vorbeigefahren ist und vergraben uns hinter Datenschutzbedenken. Zudem würde ich auch Lokalpolitiker und öffentliche Verwaltung als eher technologie- und internetfern einschätzen. Die Vorbehalte sind riesig, manchmal vordergründig rationalisiert, manchmal offen irrational. Wenn da „was mit Internet“ gemacht wird, dann ist es immer teuer und ohne großen Nutzen – Stichwort „Bürgerportal“. 

Veröffentlicht von

Markus Käkenmeister

Interessiert an Technologie, Politik, Psychologie. Seit 2000 beruflich im Web (Internetbranche) als Marketing Manager und Product Manager Schwerpunkt Community/Dating, Hosting, Domains, Cloud

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