Facebook startet Instant Articles – damit hosten Pubisher ihre Inhalte direkt bei Facebook

Heute ist der Tag, an dem das Instant Articles Programm startet. Das hat Facebook angekündigt. Auch deutsche Publisher sind von Anfang an dabei, zum Beispiel Spiegel Online oder Bild Online. Von beiden Medienhäusern habe ich heute keine Instant Articles gefunden, dafür aber ein schönes Beispiel auf der Facebook Seite der New York Times.

Warum machen die das? Die Publisher werden direkt an den Einnahmen aus der Werbung, die Facebook zeigt, beteiligt. Das ist augenscheinlich vielversprechender als mit einem Teaser als Post die User auf die eigene Seite zu holen, was nach Angaben von Facebook auf Mobilgeräten schon mal acht Sekunden dauert (Blog) und ihnen dann dort Werbung zu zeigen, die man selbst vertrieben hat.

Wenn die Publisher den Werbeplatz auf Facebook selbst vermarkten – auch das ist möglich – ist ihr Anteil (Revenue Share) höher oder sie dürfen sogar die ganzen Einnahmen behalten. Wenn Facebook die Ads vertrieben hat, ist der Anteil niedriger.

Zudem kann Facebook für Sichtbarkeit sorgen, das heißt die einzelnen Meldungen in die Timelines der Facebook User mischen.

Offensichtlich hat aber nur Facebook die Kontrolle darüber, welcher User welche Beiträge sieht. Der Publisher kann dies nur sehr indirekt beeinflussen, vielleicht über die Qualität der Inhalte oder durch entsprechende Überschriften- und Teasergestaltung wie bisher auch („und was dann geschah, schockierte alle“). Letzlich ist es die Klickrate, die entscheidend ist.

Facebook dürfte hier seine Bubble-Algorithmen einsetzen: Man sieht nur solche Contents, die man schon mal geliked hat oder in irgendeiner anderen Weise mit ihnen oder ähnlichen interagiert hat. Nur die Artikel, die gut genug geklickt werden, dürften es in die Sichtbarkeit bei der Masse der User schaffen: Keine Klicks – kein Aufruf – keine Adrevenue – kein Revenueshare.

Der User der mobilen App soll durch Features profitieren. Dazu gehören durch Neigung des Smartphones zoombare, hochauflösende Bilder, automatisch laufende Videos in Artikeln und Kommentierungen bzw. Likes an beliebigen Stellen im Artikel.

Ich habe noch nicht so viele per Instant Articles bereitgestellte Artikel gefunden, lediglich auf der New York Times Site habe ich einen entdeckt.

Tatsächlich hat man eine ganz gute Nutzererfahrung. Die Artikel sind schnell auf dem Schirm und man kann einzelne Bestandteile des Artikels liken und teilen, nicht nur den ganzen Artikel. Oben, unten, links und rechts ist nichts, was den Lesefluss stören könnte.

Auf der Desktopversion habe ich diesen Effekt nicht gesehen. Instant Articles kommt hier offensichtlich gar nicht zum Tragen. Hier wurde ich wie bisher auch zur Website der New York Times weitergeleitet (neuer Tab öffnete sich).

Die Publisher müssen also weiter alle Artikel auf einer eigenen Website unter eigener Domain veröffentlichen. Möglicherweise müssen sie aber eine extra Version für Instant Articles herstellen. Die Gefahr, dass sich alle Publisher nun auf Facebook verlassen und die eigene Site aufgeben, sehe ich bislang nicht, obwohl ich da sehr skeptisch war. Eine Bindung zur Publisher-Brand dürfte über Instant Articles schwerer werden, am ehesten noch über die Facebook Page.

Viele vergleichen Instant Articles nun mit Google News, zum Beispiel das Google Watch Blog und stellen Instant Articles als einen Angriff auf die Newssuche dar. Ich sehe das nicht so. Google News kann man zwar als Überblicksmedium nutzen, um einen schnellen Überblick über die Nachrichtenlage zu bekommen. Eine Newssuche, wie Google News sie darstellt, bietet Facebook aber nicht, von einer Übersicht ganz zu schweigen. Zudem ist Google News viel stärker von der Aktualität getrieben, Facebook eher durch Interessen der User auch an Artikel, die nicht unbedingt gerade erschienen sind.

Das Gegenteil ist der Fall: Man dürfte als User von Facebook nur einen Bruchteil der tatsächlich eingestellten Artikel zu Gesicht bekommen. Ähnlich wie andere Facebook Stream Elemente wird wohl nur der Publisher mit weiteren Artikeln wieder mal angeboten, auf dessen Artikel man mal Like geklickt hatte – oder einige Freunde Interaktionen ausführten.

Veröffentlicht von

Markus Käkenmeister

Interessiert an Technologie, Politik, Psychologie. Seit 2000 beruflich im Web (Internetbranche) als Marketing Manager und Product Manager Schwerpunkt Community/Dating, Hosting, Domains, Cloud

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