Google Fotos ist nun live – auch auf Deutsch

Der bei der Google I/O 2015 Entwicklerkonferenz angekündigte Fotospeicherdienst von Google ist nun live und unter https://photos.google.com/ erreichbar. Er ist unabhängig von Google Plus. Der Name des Dienstes ist „Google Fotos“, auch wenn der Domainname mit „ph“ geschrieben wird. Daran kann man sich gewöhnen. Was kann Google Fotos? Ein erster Eindruck.

Brücken zu Google Plus

Ich vermute, es war ursprünglich eine tiefere Integration geplant. Wer als neuer Nutzer zu Google Photos kommt, stellt eventuell fest, dass Fotos, die die mobile Google Plus Anwendung vielleicht schon über die Monate und Jahre zu Google Plus hochgeladen hat, nun bereits in Google Fotos vorhanden sind.

Die „Sammlungen“ und Geschichten, die Google Plus automatisch aus den Handyfotos generiert hat, sind ebenfalls vorhanden.

Mit Einschränkungen ist die Suche in Google Photos in der Lage, Bildinhalte zu erkennen. Hier das Ergebnis für das Suchwort „See“:

Abbildung einer Suche in Google Fotos
So funktioniert die Suche in Google Fotos: Der Algorithmus erkennt mit deutlichen Einschränkungen immerhin Wasserflächen. Personennamen werden nicht erkannt.

Die Benennung ist übrigens leicht verwechselbar mit „Google Bilder“, der  Bildersuche unter https://www.google.de/imghp:

Screenshot Google Bilder Startseite
Die Google Bildersuche heißt „Google Bilder“

 

Ich komme auf die Bildersuche, weil ich ausprobieren wollte, ob zum Beispiel das Kaiser Wilhelm Denkmal in Porta-Westfalica erkannt werden würde. Ergebnis: Negativ, es werden nur ähnliche Bilder gezeigt.

In der Webversion sind ein paar Filter eingebaut. Zusätzlich gibt es eine Funktion zum Beschneiden von Bildern und Share-Buttons zu Google Plus, Facebook und Twitter.

Abbildung der Filterfunktionen in Google Fotos
Die Bearbeitungsfunktionen befinden sich oben rechts (Menü)

Google Fotos und Yahoo! Flickr

Es drängt sich der direkte Vergleich zu Flickr von Yahoo! auf.

Das Look & Feel bei Google Fotos ist im Vergleich zu Flickr aufgeräumter. Zudem gibt es Flickr nicht mit einer eingedeutschten Version. Yahoo! erlaubt des Flickr Usern inzwischen 1 Terabyte an Bilddaten, Google Fotos hat keine Begrenzung. Google Fotos kann wie Flickr auch mit Videoclips umgehen.

In einem direkten Test fühlte sich Google Fotos flüssiger an. Bei Flickr spüre ich immer eine Latenz, egal, welche Aktion ich ausführe. Daher macht Google Fotos intuitiv mehr Spaß. Das ist der bessere Joy of use. Die Möglichkeiten, Bilder zu sharen erscheinen mir in Flickr jetzt etwas flexibler (es gibt mehr direkte Sharebuttons, zum Beispiel auch zu Tumblr und Pinterest). Bildbearbeitungstools fehlen in Flickr, dafür gibt es mehr kommerzielle Integrationen zu Bilder- oder Posterdruckdiensten.

Google Fotos ist keine Community

Flickr ist deutlich stärker als Community ausgelegt. Man kann Leuten folgen und anderer Leute Werke „entdecken“. Diese Features waren bei Google Fotos wohl nie beabsichtigt. Dies wäre ja eher schon  der Zuständigkeitsbereich von Google Plus.

Fotos nehmen auf der Festplatte viel Platz weg. Auch der Dropbox Speicher ist irgendwann voll, auch weil sich die Dropbox App beeilt, Bilder hochladen zu dürfen, sobald man eine Kamera an das Notebook anschließt.

Insofern ist ein unbegrenzter Bilderspeicher in der Cloud verlockend. Allerdings haben wir auch schon erlebt, dass Google auch mal Dienste wieder einstellt, wenn sie nicht gut laufen. Google Wave, Orkut sind nur zwei Beispiele.

Wie profitiert Google von Google Fotos?

Sicher ist ein Fotospeicher massentauglich genug, doch auf Dauer wird Google dran gelegen sein, den verschenkten Speicherplatz zu monetarisieren. Klar, es ließe sich kontextsensitive Werbung zeigen oder die Bilderdaten könnten die Bildersuche aufwerten. Objekte lassen sich besser algorithmisch erkennen (Deep Learning), wenn die Software mehr Lernchancen durch mehr Masse bekommt. Einige Bildeigenschaften (Metadaten wie GPS Kooerdinaten) ließen sich gur benutzen. Dafür müssen die Userbilder noch nicht mal anderen Usern gezeigt werden. Das kann alles im Hintergrund passieren. Es würde schon reichen, einen nicht ganz alltäglichen Gegenstand besser erkennen zu können.

Veröffentlicht von

Markus Käkenmeister

Interessiert an Technologie, Politik, Psychologie. Seit 2000 beruflich im Web (Internetbranche) als Marketing Manager und Product Manager Schwerpunkt Community/Dating, Hosting, Domains, Cloud

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