Bild mit Handreichung: Eine menschliche Hand schüttelt einen Roboterhand

Experten: So ändert die Digitalisierung die Arbeitswelt von morgen

Wissenschaftler der Universität St. Gallen haben 60 strukturierte Interviews mit Experten befragt, die entweder Wirtschafts- oder Beratungsunternehmen oder Gewerkschaften angehören oder in der Forschung tätig sind – allesamt Spezialisten im Bereich Arbeit. Sie sind danach befragt worden, wie wohl die Arbeitswelt von morgen aussehen könnte, welche Folgen das für die arbeitende Bevölkerung hat und auf welche Veränderung sich die Gesellschaft einstellen muss.

Auftraggeber beziehungsweise Organisator war die Telekom mit ihrer Innovationsplattform Shareground (http://www.telekom.com/medien/konzern/285970) .

Industrierelle Revolution: Maschinen haben das Denken gelernt, lösen Probleme selbständig

Die vierte Industrielle Revolution ist da, nach Mechanisierung, Taylorismus und Facharbeit. Einen zentralen Begriff dafür gibt es noch nicht, aber ein charakteristisches Merkmal. Maschinen unterstützen den Menschen nicht mehr nur, sie ersetzen ihn, denn Maschinen haben das Denken gelernt.

Nicht nur das, Maschinen verstehen unsere Sprache, können selbst in der Welt interagieren und Probleme lösen. Reale Beispiele aus dem echten Arbeitsleben gibt es schon viele.

So verändert sich die Arbeitswelt

Grenzen, die eine Organisation ausmachen, so berichtet Telekom, lösen sich auf, damit auch Hierarchien. Unternehmen verkaufen nicht einfach etwas an Konsumenten, sondern müssen den Kunden beim Produktdesign miteinbeziehen.

Das hat extreme Auswirkungen auf die Arbeitswelt von Morgen. Ein Effekt ist, dass die Devise „Beauftragen statt Einstellen“ das zentrale Merkmal der Beschäftigungspolitik werden könnte.

Was sollen Arbeitskräfte morgen überhaupt noch arbeiten?

Dabei wird sich auch die Rolle des Menschen verändern. Er führt nicht mehr aus, er überwacht, wobei auch Maschinen nicht nur Kollegen oder Kooperationspartner sein werden, sondern gegebenenfalls auch Kontrolleure des Menschen sind.

Was wir heute als Cloud- oder Crowdworker kennen, mag – so eine These der Experten – ein Übergangsphänomen sein, auch wenn dadurch flexible und ortsunabhängige Arbeitsverhältnisse möglich sind.  Jeden Morgen um 8 oder 9 Uhr im Büro zu sein, wird nicht mehr nötig sein. Führungskräfte müssen lernen, auf Distanz zu arbeiten, mehr zu motivieren als zu kontrollieren. Arbeitnehmer werden dann eher an Ergebnissen gemessen als an ihrer Präsenz. Was heute die Stechuhr an Kontrollarbeit ermöglicht, übernehmen System, die permanent Ergebnisse beurteilen und Optimierungen empfehlen.

Es wird darauf hinauslaufen, dass die Fähigkeit, große Datenmengen zu erschließen, diese analysieren zu können und Daten entsprechend zu kombinieren eine Schlüsselqualifikation wird. Und dies, ohne vorher Hypothesen zu bilden, wie es heute der Fall ist. „End of Theory“ heißt dann das Buzzword.

Möglicherweise wird personenbezogene Arbeit wie sie in der Pflege- oder Sozialarbeit gefragt ist, wichtiger als heute und bekommt einen höheren Stellenwert.

Orts- und zeitunabhängig arbeiten? Wir haben einfach nicht die Netze, die das leisten können

Dafür ist es dann auch egal, wo man gerade ist, um seine Arbeit zu erbringen. Berufliches und Privates lassen sich kaum mehr trennen.

Doch was sollen Arbeitsnehmer von morgen überhaupt noch arbeiten, wenn Maschinen alles Jobs substitutieren können? Möglicherweise ist es das nichtlineare Denken, das am schwersten von maschineller Intelligenz ersetzt werden kann. Kreativität, zum Beispiel, gehört dazu.

Man fragt sich nur, wie man diese Arbeitswelt rein pragmatisch abbilden soll. Wo haben wir in Deutschland genügend leistungsfähige Netze. Sicher haben wir einige „Hot Spots“, in denen man mit genügend Bandbreite rechnen kann. Die allermeisten Hausanschlüsse mit DSL-Technik laufen über den alten Klingeldraht aus Kupfer. Vielerorts wird diese Alttechnologie auch noch auf Jahre zementiert (Stichwort Vectoring).

Das heißt: So ortunabhängig wird die Arbeitswelt von Morgen eben nicht werden. Es ist obligatorisch, in Gegenden zu wohnen, in denen das Internet schnell genug ist, um damit ernsthaft arbeiten zu können. So wie heute die „verkehrsgünstige Lage“ als übliches Kriterium in den Immobilienangebotstexten zu finden ist, wird man bald die maximal mögliche Bandbreite des Hausanschlusses erfahren.

Digital abgekoppelte Landschaften

Das wird ganze Landstriche vom neuen Arbeitsleben abkoppeln, weil Kleinstädte und Dörfer einfach nicht schnell genug angebunden wurden, so wie seinerzeit die Städte verloren, die ihre mittelalterlichen Schutzmauern nicht schnell genug abtrugen, um an der industriellen Revolution zu partizipieren. Der Effekte: Junge hochqualifizierte Arbeitskräfte (andere gibt es gar nicht mehr) migrieren der Bandbreite entgegen.

Screenshot des Breitbandatlas der Bundesregierung mit Filter 50 MBit/S
Der Breitbandatlas der Bundesregierung. 50 Mbit/Sekunde an vielen, vielen Stellen in Deutschland verfügbar? Leider sieht es vor Ort ganz anders aus

Von der Politik ist derzeit nicht viel zu erwarten. Man erstellt lieber einen Breitbandatlas, der zeigen soll, dass fast ganz Deutschland in den Genuß von schnellem Internet kommen kann. Vor Ort sieht es allerdings ganz anders aus.

Imm Osten wird die Verfügbarkeit mit schnellen Verbindungen ohnehin dünn, allerdings gibt es auch im Westen große Probleme, besonders abseits der bekannten Ballungsgebiete.

Veröffentlicht von

Markus Käkenmeister

Interessiert an Technologie, Politik, Psychologie. Seit 2000 beruflich im Web (Internetbranche) als Marketing Manager und Product Manager Schwerpunkt Community/Dating, Hosting, Domains, Cloud

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