Das erste Berliner „Townhall-Meeting“ von Mark Zuckerberg

Screenshot Live Stream Townhall Meeting Mark Zuckerberg
Mark Zuckerberg im Townhall-Meeting in Berlin: 288.000 Facebook User sahen zu.

Das lang erwartete Facebook erste Townhall Meeting in Berlin ist vorbei. Registrierte Zuschauer mit offenbar vorher eingereichten Fragen kamen zu Wort. Per Livestream mit dem neuen „Facebook Live“ waren anfangs 233.00, gegen Ende dann 288.000 Zuschauer online dabei.

Screenshot iOS Facebook App auf iphone 6 ohne "live"
Angeblich soll der Live-Videostream-Service für iOS User schon ausgerollt sein. Stimmt nicht. Auf meinem Gerät gibt es den Menüpunkt nicht.

Bei der Gelegenheit kündigte Mark Zuckerberg an, dass „Live“ nun weiter ausgerollt werden würde, fast zeitgleich versendete Facebook eine Mail, die das Erscheinen von Live für Android ankündigte.

Angeblich soll es auf IOS in Deutschland schon für alle funktionieren. Allerdings stimmt das nicht. Bei mir zumindest ist noch kein Menüpunkt „Live“ im Statusupdate-Dialog. Der Rollout ist noch nicht beendet, ganz offensichtlich.

 

Hassreden und Inhaltskontrolle

Wie zu erwarten war, kam recht schnell eine Frage zu Hassreden auf Facebook. Zuckerberg bekräftigte, dass Hasskommentare keinen Platz hätten und bekam dafür Szenenapplaus.

Für das Entfernen von entsprechenden Beiträgen gibt es ja nun einen Dienstleister, dessen Mitarbeiter die Kommentare prüfen sollen. Offenbar, so konnte man heraushören, werden von Usern gemeldete Kommentare und Posts geprüft. Die Antwort fiel zwar ausführlich aus, offen blieb, ob das nun ein Modell für andere Ländern werden könnte, wo doch immer betont wurde, dass das Modell der „Counter Speech“ angewendet wird.

Privates

Einige Fragen drehten sich um rein private Dinge in Zuckerbergs Universum, um sein Kind, den Hund, seine neue Rolle als Vater und um sein persönliches Zeitmanagement. Die Fragen waren sicher vorbereitet, sollten wohl unterhaltenden und etwas auflockerenden Charakter haben. So wurde das Townhall-Meeting auch ein wenig zur Personalityshow, die allerdings keine großen Überraschungen bot.

Datenschutz und Datenautonomie der Facebook User

Auch bei Fragen zu Datenschutz und Datenautonomie waren die Antworten eher allgemein, wenn auch wortreich. Es gehe darum, jedem Nutzer möglichst weitreichende Kontrolle darüber zu geben, wer welche geteilten Inhalte zu sehen bekommt. Dies war auch Gegenstand einer anderen Frage, die sich um von Facebook kopierte Fotos drehte, die im Rahmen einer Berichterstattung von Unfällen auch mal in der gedruckten Presse auftauchen. Journalisten bedienen sich da wohl ab und an gerne, lassen aber zufällig anwesende Personen dadurch schon mal wie Gaffer aussehen. Zuckerberg verwies auf das Urheberrecht. Aber wer soll das gegen einen großen Verlag durchsetzen.

Es ginge mit Facebook eben darum, dass Dinge, die Menschen wichtig sind, geteilt werden können. denn jeder möchte sich verständlich machen. Das war in früheren Webzeiten vorrangig mit Text so, später seinen immer mehr Bilder hinzugekommen, dann Video, heute 360-Grad-Videos und virtuelle Realität.

Was würdest du mit Twitter machen?

Durchaus interessant war die Frage „Twitter – what would you do ?“ Zuckerberg antwortete ausweichend: „There is no right way for me to answer the question“. Viel lieber hat er dann über Instagram gesprochen, das ja von Facebook für viel Geld gekauft wurde und die Nutzerzahlen durch Abarbeitung der Roadmap vervielfachen konnte. So empfahl er den Instagramweg indirekt auch für Twitter.

Filterbubble

Eine Frage fiel zum Stichwort „Filter Bubble“. Eine „great question“, wie Zuckerberg befand, aber seiner Ansicht nach beruhe diese Idee auf einem Mythos: Nicht der Newsfeed generiere die Infoblase. Der Effekt ist das Ergebnis einer Eigenart der menschlichen Natur. Die die eigene Meinung und Ansicht bestätigende Information wird viel lieber aufgenommen und geteilt. Dadurch entstehe so ein Effekt.

Das Thema künstliche Intelligenz kam natürlich auch zur Sprache, vermutlich weil es gut zu der Europa-PR-Story passt. natürlich gibt sich Facebook hier optimistisch und Zuckerberg schwärmt von den vielen phantastischen Möglichkeiten, die sich ergeben werden.

Die künstliche Intelligenz

Bereits am Vortag hat facebook ja betont, wie wichtig die AI-Forschung für das Unternehmen sei. Klar, dass im Townhall-Meeting auch ein paar Fragen dafür vorgesehen waren. Offensichtlich muss Facebook in diesem Feld noch ein wenig investieren. So gut funktioniert das alles noch nicht. Das zeigt auch der Beitrag, den Facebook selbst über den Berlinbesuchstag gepostet hat.

 

Live from Berlin talking about the latest in AI — with Yann LeCun, director of Facebook AI Research.

Posted by Mark Zuckerberg on Thursday, February 25, 2016

 

 

Wieder kein Dislike-Button

Der Dauerbrenner Dislike button durfte natürlich auch nicht fehlen. Da passt es gut, dass gerade Reactions gelauncht wurde. Zuckerberg meint, es ginge Usern nicht darum, die Posts anderer User abzuwerten, sondern empathisches Empfinden auszudrücken.

In Sachen Marketing sieht Zuckerberg gerade für kleine, lokale Firmen den Vorteil, dass sie genauso wie die gleichen Tools und Möglichkeiten haben wie die großen.

Facebook und das Gute in der Welt

Wie wird Facebook die Welt in den nächsten fünf Jahren positiv beeinflussen, fragte ein Zuhörer im Saal. Große Probleme zu lösen fiele mit einer großen Community leichter, meinte Zuckerberg. Als Beispiele nannte er den Trend zu individuellem Lernen, das viele Lebensbereiche besser und wissenschaftlicher durchdringen könnte, so wie das etwa mit der Medizin passiert ist. Die Medizin sei ja auch erst seit etwa 100 Jahren eine Wissenschaft, so wie wir den Wissenschaftsbegriff heute verstehen.

Es gäbe weltweit viele Probleme, Klimaveränderungen, Krankheiten, Konflikte, Armut, Migration. Zuckerberg äußerte in diesem Zusammenhang Lob für die führende Rolle Deutschlands in der Flüchtlingspolitik. Das mag man im Kanzleramt gerne gehört haben. Solche Statements sind selten geworden.

Veröffentlicht von

Markus Käkenmeister

Interessiert an Technologie, Politik, Psychologie. Seit 2000 beruflich im Web (Internetbranche) als Marketing Manager und Product Manager Schwerpunkt Community/Dating, Hosting, Domains, Cloud

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