Im Affiliatemarketing wird nur dann eine Provision fällig, wenn ein Verkauf verzeichnet wurde

Soll man sich heute noch als Affiliatepartner engagieren?

Was man derzeit über die Affiliate-Thematik hört, ist recht widersprüchlich. Je nach Quelle hat Affiliatemarketing die besten Tage längst hinter sich. Andere sehen diesen Vertriebskanal im Aufwind.

Der Vertrieb über Affiliatepartner ist im Regelfall ausschließlich performanceorientiert. Das bedeutet, nur wenn es gelingt, aufgrund einer Empfehlung (meist mittels eines Links) einen interessierten User zu einem Kunden zu konvertieren, wird eine Vermittlungsprämie, auch Provision genannt, fällig. Für den Betrieb gibt es hochgradig automatisierte Systeme, Affiliatenetzwerke. Zanox, Tradedoubler, Affilinet gehören zu den bekanntesten und größten. Webseitenbetreiber platzieren diese Affiliatelinks auf ihren Seiten, ein User klickt und kauft beim Anbieter, dem Affiliateprogrammbetreiber und erhält im Rahmen einer monatlichen Abrechung dafür die im Programm festgelegte Summe.

Vertriebstechnisch sieht man im Affiliate-Marketing über die Jahre natürlich einen deutlichen Abwärtstrend, zumindest in zwei wichtigen Kennzahlen: Längst schüttet man nicht mehr die Höhe an Provisionen an zahlenmäßig so viele Affiliate-Partner aus wie noch 2010.

Über die Jahre war zu beobachten, dass die Anzahl der Publisher, also diejenigen, die einen Link zum zu vertreibenden Produkt setzten, stark zurück ging. Nicht grundsätzlich anders ist das bei der Gesamtsumme der Provisionen pro Abrechnungsperiode. Es gab also eine Konzentration auf weniger Publisher oder Werbepartner. Unter den verbliebenen Werbepartnern waren einige, die große Monatsbeträge erzielt haben.

Der Trend hat sich ab 2005 bis heute nach meiner Beobachtung fortgesetzt. Dass Affiliate als Vertriebskanal tot wäre, würde ich jedoch nicht sagen.

Affiliatemarketing im Abwärtstrend – aber nicht in jeder Beziehung

Es gab mehrere Faktoren, die die Wirkung möglicherweise verursacht haben:

  • Das Web hat sich weiter professionalisiert. Insgesamt ging man von einer experimentellen Phase in eine Phase über, in der man klare Metriken fand, um die Effizienz eines Webauftritts zu beurteilen. Man stellte Vergleiche mit Konkurrenzseiten an. Viele Hobbywebmaster konnten in diesem Professionalisierungsbestreben nicht mithalten. Anfangs war es nicht ungewöhnlich, seine Seiten selbst in HTML zu codieren. Das machte allerdings aufgrund des Aufwands immer weniger Sinn und die Stunde der Content Management Systeme war gekommen.
  • Seit 2005 wurde der Traffic im Web zunehmend stärker durch Suchmaschinen verteilt, nicht mehr über Verlinkungen in Portalen oder auf anderen Webseiten. Während in den früheren Zeiten die Websession eher mit einem Internetportal begann (T-online.de, Yahoo etc.) und man sich Informationen surfend von Link zu Link erschloss oder Seiten, die man schon kannte durch Direkteingabe des Domainnamens ansteuerte, nutzen immer mehr Webuser Google sobald sie den Browser öffneten. In dieser Phase wurde Suchmaschinenoptimierung das Erfolgsentscheidende. Mit teilweise hohem Aufwand wurden Links eingekauft, oft auch nur um den damals entscheidenden Pagerank-Algorithmus entsprechend zu beeinflussen. Auch hier waren Hobbyisten und Selfmade-Webmaster schnell aus dem Spiel.
  • Die Vormachtstellung von Google als wichtigster Trafficlieferant ist geblieben, wird aber zunehmend durch die wachsende Bedeutung von Social Media und mobiler Webnutzung mit Apps in Frage gestellt. Hier verliert die klassische monothematische Webseite an Bedeutung.
  • Google hat stark in die Verbesserung der Suchergebnisqualität investiert und sogenannte „Thin Affiliates“ mit wenig eigenem Content abgewertet, so dass diese nicht mehr so häufig in den Suchergebnissen erscheinen. Eine Affiliate-getriebene Webseite gut zu platzieren, wurde also aufwendiger.

Betreiber kleiner Webseiten blieben auf der Strecke

Unter dem Strich verloren die kleinen Webseiten, deren Betreiber versucht haben, ein wenig von Affiliatenetzwerken oder später auch Werbenetzwerken wie Google Adsense zu profitieren, an Bedeutung. Viele gaben auf. Heißt: Weniger Affiliatelinks, die ab und an ein interessierter Kunde klicken könnte.

Auf der anderen Seite haben sich einige große Player herausgeschält. Wir sehen viele Sales durch Gutschein- und Bonusseiten. Diese scheinen die Affiliateszene zu dominieren. Hier geht es nicht mehr um den Content, den ein User suchen könnte, sondern um einen finanziellen Vorteil. Die Betreiber der entsprechenden Seiten teilen die über das Affiliateprogramm ausgeschüttete Provision mit dem Endkunden, realisieren zum Beispiel eine Art Cashback.

Grafik, die die Entwicklung im Affiliatmarketing verdeutlicht: Weniger Partner, weniger Provisionen, aber mehr Provision pro verbliebenem Partner
Drei wichtige Key Performance Indikatoren im zeitlichen Vergleich: Sowohl die Gesamtsumme an ausgezahlten Provisionen als auch die Anzahl der Affiliatepartner ist gesunken, allerdings unterschiedlich stark. Große Sites haben profitiert. Entsprechend ist auch die durchschnittliche erzielte Provisionssumme pro Werbepartner stark gestiegen. Index von 2010 = 1

So hat sich nach meiner Beobachtung bei einer mittelgroßen Affiliatewebseite in einem Fünfjahreszeitraum die Anzahl der aktiven Affiliatepartner, die überhaupt eine Provision erzielen konnten, auf 20 Prozent reduziert, während sich die ausgeschütteten Provisionen auf 40 Prozent reduziert haben. Die durchschnittliche Provisionshöhe pro Affiliate stieg um 24 Prozent. Eine deutliche Konzentration.

Dazu trägt auch bei, dass viele Affiliateprogrammbetreiber die Konditionen im Laufe der Zeit angepasst und aus Sicht der Affiliate-Partner attraktiver gemacht haben. Zudem hat sich auch die Trackingtechnologie verbessert: Heute ist es möglich, den Weg des Kunden vom ersten Interesse über die Entscheidungsfindung bis zum finalen Kauf und darüber hinaus zu berücksichtigen.

Wie Affiliates heute Geld verdienen

Eine andere, immer noch gut funktionierende Art, an Affiliatenetzwerken zu profitieren, sind Vergleichsseiten, die viele Anbieter nebeneinanderstellen und im Content auf die jeweiligen Vorzüge eingehen. Diese Seiten werden heute mit teilweise großem redaktionellen und marketingtechnischen Aufwand betrieben. Insbesondere bei sehr vergleichbaren Produkten wie Strom- oder Gastarifen sucht der User nach Orientierung, die diese Seiten bieten wollen. Ähnlich ist das bei Reisen. Das Geschäft scheint gut zu laufen. Einige Preisvergleicher werben mit Millionenaufwand auch außerhalb ihres angestammten Mediums, dem Internet. Wir sehen recht viele Fernsehspots.

Die Vergleichsseiten agieren zunehmend thematisch global: Sie beschränken sich nicht mehr auf eine eng umrissene Thematik. Damit stehen viele in direkter Konkurrenz zueinander, so dass auch hier mit einer durch Konkurrenz getriebenen Weiterentwicklung zu rechnen ist.

Für den Anbieter, also denjenigen, der ein Affiliateprogramm betreibt, wird es zunehmend teuerer, sich eine gute Platzierung zu ergattern. Auf der einen Seite haben wir die Produktqualität und Attraktivität, bei sehr vergleichbaren Produkten (Commodity). Andererseits halten die Vergleicher natürlich die Hand auf, wenn es um eine attraktive Platzierung geht.

Veröffentlicht von

Markus Käkenmeister

Interessiert an Technologie, Politik, Psychologie. Seit 2000 beruflich im Web (Internetbranche) als Marketing Manager und Product Manager Schwerpunkt Community/Dating, Hosting, Domains, Cloud

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