F8: Messenger mit Bots und große Sprünge bei Videocontent (Update zweiter Tag)

Bei der Entwicklerkonferenz von Facebook, der F8 im April 2016, drehte sich am Dienstag Abend der erste Teil hauptsächlich um die neuen Funktionen im Facebook Messenger.Am zweiten Tag drehten sich viele Präsentationen um 360 Grad Videos und 3D-Videos, die Facebook sehr pusht.

So soll der Messenger eine Art zentrale, interaktive  Auskunfts- und Shoppingplattform werden und so funktionieren wie Siri auf dem iPhone. Per API lassen sich externe Anwendungen anbinden. Das können Shopangebote sein oder auch eine Flugauskunft (als Beispiel für die ersten Anwender wurde die Fluggesellschaft KLM genannt). Als Shoppingbeispiel diente Zalando.

Screenshot der Präsentation der Facebook Messenger Platform
Mittels der Facebook Messenger Platform soll man in der Lage sein, interaktive Elemente in das Messengerfenster einzusteuern.

Wichtig sind Facebook die sogenannten Bots. Diese Messages mit automatisierten, interaktiven und reaktiven Elemente, vielerlei Call-to-actions etc., die sich im Messenger Fenster zeigen. Im einfachen Fall sind dies Textdialoge, die der User mit einer Antwortmaschine führt. Das kann unterhaltend sein oder unterstützend. Eine typische, heute schon mögliche Anwendung ist die Reaktion auf eine Useranfrage außerhalb der Geschäftszeiten. Solche Messages lassen sich individuell vorprogrammieren. Die Zugänge der Messenger Platform sind offengelegt, so dass jedermann etwas dafür entwickeln kann.

Der Messenger soll demnächst also viel mehr können als nur das Fenster für den Nachrichtenaustausch zu sein. Typische Dinge, die passend zur Situation des Users zugesteuert werden könnten wären der Wetterbericht oder die aktuelle Verkehrslage.

Auch die Pages sollen eine Aufwertung erfahren. Es gibt verschiedene Buttons, Sektionen und alles ist auf die mobile Nutzung hin optimiert. Anwender, die Seiten erstellen, haben nun – besser gesagt, bald – viel mehr Möglichkeiten.

Grafik mit Nutzungszahlen
Beeindruckende Nutzerzahlen, für Facebook typisch in Millionen- und Milliardenhöhe.

Weitere Ankündigungen waren:

  • Live API: Künftig sollen sich Videoinhalte auch per API steuern lassen. Viele Beobachter werten dies als einen Angriff auf Youtube.
  • Facebook Surround 360: Auch Facebook möchte ein 3D-360 Grad Kamerasystem mit 17 Cams bringen. 16 davon sind im Ring angeordnet, dazu kommt noch eine Fisheyekamera.

 

facebook 17 Kamera Array
Das neue Videokamera Array von Facebook mit 17 Kameras

 

Aber auch andere Kameras (Consumer-3D-Cams) werden unterstützt.

Facebook 360 Grad Video Unterstützung
Facebook möchte viele Kameras für 360 Grad Videos unterstützen, bringt aber auch ein eigenes Kameragrid mit 17 Kameras

Die Verrechnung der einzelnen Videostreams der 17 Kameras oder zumindest der zwei Kamera (für 3D-Aufnahmen) erfolgt durch Facebook.

Video im Web - die Entwicklung
Facebook zeigt die Entwicklung von Videos im Web. Lichtfeldkamera sind dabei derzeit die Königklasse, der „Heilige Gral“ der 360 Grad Videos.

6K werden im Dynamic Streaming schon angeboten, 8K sind demnächst bei Facebook möglich, „one day“, wie der Sprecher sagte, auch 10K.

Dynamic Streaming Facebook
6K Bildqualität sind bei Facebook schon möglich, 8K sind bald im Angebot.
  • Mit dem Profile Expression Kit soll man Profilvideos einfach einbinden können (soll schon mit Boomerang by Instagram, Lollicam, BeautyPlus, Cinemagraph Pro by Flixel, Lollicam, MSQRD und Vine funktionieren). Die Apps für die Smartphones dürften sich also bald schnell verändern.
  • Free Basics Simulator & Demographic Insights soll das Entwicklerleben einfacher machen und Informationen über die Nutzerstruktur geben.
  • Das Account Kit ermöglicht den Login in Apps per Handynummer oder E-Mailadresse. Das soll helfen, dass Apps schneller relevante Userzahlen erreichen. Man braucht also keine webseiten- oder anwendungsspezifischen Zugangsdaten mehr. Dies ist eine Erweiterung des Facebook Logins und funktioniert mittels einer per (kostenloser) SMS übermittelten Zahlenfolge.
  • Mit Quote Sharing soll man Zitate im Web einfacher teilen können.
  • Der Save Button soll es ermöglichen, einen Verweis auf Artikel, Produkte, Videos, die man im Web findet in Facebook zu speichern, so dass man von seinen verschiedenen Geräten später schnell wieder darauf zugreifen kann. Das ist eine Art Share Button, den man demnächst wohl auf vielen Webseiten sehen wird.
Die Facebook Video Pyramide
Auch die Oculus Rift spielte in der Präsentation eine Rolle, da sie ein zentraler Teil der Facebook Produktstrategie werden soll.

Insgesamt lag der Fokus der F8 stark auf der Einbindung von Shops und Firmen, die via Facebook Kundenservice leisten wollen. Ob die Einbindung der vielen Elemente den Messenger für den Anwender nutzwertiger werden lässt, muss man sehen. Für Alerts und standortbezogene Dienste gibt es ja schon Lösungen in Android und IOS. Nicht selten wird der Lockscreen des Smartphones mit allerlei nützlichen oder auch irrelevanten Angeboten überschwemmt.

Interessant könnte die 360 Grad-Videounterstützung werden. Dies funktioniert mit Facebook zwar jetzt auch schon, doch die Bereitstellung soll einfacher werden und die Bildqualität soll je nach Endgerät deutlich steigen. Facebook pusht das Thema sehr. Videocontent ist wohl extrem wichtig. Auch Youtube unterstützt 360-Grad Videos.

Für Marketer wird es jetzt die Priorität geben, sich mit der Messenger Plattform auseinanderzusetzen und zuzusehen, dass man möglichst schnell eigene nutzbringende Chatdienste anbietet. Vermutlich wird man als Nutzer verschiedene Bots in seine Kontaktliste nehmen, sich sich dann hin und wieder bemerkbar machen und ungefragt Informationen in den Messenger einblenden. Sicher könnte man sich auch Dienste wie Siri oder Cortana vorstellen.

Diese Funktionalität, die man von Siri kennt, liefert Facebook noch nicht. Sicher braucht man über kurz oder lang eine Spracherkennung. Und: Facebook kann immer noch keine gute Suche ausführen. Dahingehend, gemeint ist die Verbesserung der Facebook-weiten Suche,  gab es bei dieser F8 auch überhaupt keine Signale. Doch diese Inhalte oder Services sollen, so stellt sich Facebook das vor, die Entwickler beitragen. Vermutlich wird es bald ein mit der Ad-Plattform verbundenes Angebot geben, um Nutzer über den Messenger erreichen zu können.

 

Veröffentlicht von

Markus Käkenmeister

Interessiert an Technologie, Politik, Psychologie. Seit 2000 beruflich im Web (Internetbranche) als Marketing Manager und Product Manager Schwerpunkt Community/Dating, Hosting, Domains, Cloud

2 Gedanken zu „F8: Messenger mit Bots und große Sprünge bei Videocontent (Update zweiter Tag)“

  1. Stellt facebook denn irgendwelche Tools zur Erstellung von 360° Viedeos bereit? Hast Du schon Erfahrungen (gleich welche Software) damit gesammelt?

    Viele Gruesse, Axel

    1. Auch wenn Youtube schon seit einiger Zeit 360 Grad Videos unterstützt, ist es gar nicht so einfach, welche herzustellen. Ein Array aus 16 beziehunsgweise 17 Kameras wie Google oder Facebook sie gezeigt haben, erreichen schnell Kosten um 15.000 bis 30.000 Euro. Zunächst brauche ich erst einmal eine Oculus Rift 🙂 und dafür dann einen neuen PC 🙂 🙂

      Gestern habe ich eine Pressemitteilung gelesen: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Adobe-Premiere-Pro-CC-gibt-VR-Inhalte-aus-3173468.html. Das sollte man sich wahrscheinlich mal ansehen.

      Ausserdem muss man nun noch etwas differenzieren:
      Es gibt 360 Grad und es gibt 3D. Und es gibt 360 Grad in 3D. Letzteres kann man nur praktischerweise mit einer VR Brille ausspielen – notfalls mit der Google Cardboard Brille 🙂

      360 Grad ohne 3D ginge auch auf dem Smartphone (da gibt es ja viele Beispiele wie den Star Wars Clip). Für 3D zuhause reicht der Fernseher oft schon.

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