Tatstaur schmutzig Update Button

Komponenten updaten, so ganz ohne Tools? Wer will das schon noch.

Wir alle, die Open Source Software auf einem mit dem Internet verbundenen Server einsetzen (wie etwa WordPress), kennen den technischen Druck, der immer wieder Updates erforderlich macht. Es vergeht kaum ein Tag, an dem WordPress oder eines der ständig mehr werdenden Plugins nicht nach einem Update schreit. Treiber sind neben tatsächlichen Innovationen und neuen Features oft Sicherheitsaspekte durch neu entdeckte Lücken und Schwächen im Code der Anwendungen.

Das setzt sich „unter der Haube“ fort: Auch Betriebssysteme, Webserversoftware oder Module wie PHP entwickeln sich weiter, selten in einer Roadmap aufeinander abgestimmt. Derzeit scheint mit Ubuntu als Linuxvariante für Server sehr in Mode zu sein. Das galt aber auch schon mal für Debian oder CentOS.

Im Bereich Managed Hosting (klassisches Webhosting oder Managed Server)  reicht es, wenn man sich um die Anwendung kümmert. Im Serverbereich wird das Updaten diffiziler und zeitaufwändiger. Gut, dass es einige Tools gibt, mit den man sich das Leben etwas erleichtern kann. Arbeit macht das trotzdem.

Unmanaged, also Update-yourself

Mein ungemanagter virtueller Server wurde seinerzeit, im Mai 2015, mit Debian 7 („Wheezy“) und Plesk 11 installiert. Beim Anbieter konnte ich mir das entsprechende Template aussuchen. Die Neuinstallation war einfacher als der Versuch, alles von Debian 6 auf 7 zu migrieren. Nach den Updates, die ich versucht habe, lief Plesk nicht mehr. Ich hätte also eine neue Plesk Version gebraucht, die sich wohl nur auf einem sogenannten Minimalsystem installieren ließ. Die mitinstallierte PHP-Standardversion war PHP 5.4.

Inzwischen, nicht mal ein Jahr später, ist Debian 8 (Codename „Jezzy“) die „nicht veraltete, stabile Version“, während das neue Debian, Codename „Stretch“ schon am Horizont auftaucht.

Updates von Komponenten wie PHP von 5.4 auf 5.5 ohne Automation oder Unterstützung von Plesk 11

Manche Software setzt zur Installation inzwischen PHP 5.5 voraus, zum Beispiel die aktuelle Long-Term-Service-Version von Typo3 6.2. Nun konnte ich mir also aussuchen, den kompletten Server neu aufsetzen zu lassen, um ein Template mit Debian 8 und Plesk 12 zu nutzen. Dies ist aber noch gar nicht verfügbar. Plesk 12 wiederum kann mit dem Autoinstaller neue PHP-Versionen einspielen, bei Plesk 11.5 kann man zwar mehrere Versionen nebeneinander über da Panel auswählbar machen, aber nicht automatisch installieren. Man muss also unter die Haube und mit SSH die PHP-Version aktualisieren. Wie man das macht, beschreibt diese Seite sehr übersichtlich: http://www.sysadminslife.com/linux/php-5-5-installation-unter-debian-wheezy-und-upgrade-von-php-5-4/

Damit im Plesk 11 – Panel auch PHP 5.5 (in meinem Fall konkret 5.5.33) angezeigt wird, muss man den „php_handler“ verwenden, um die Einträge zu aktualisieren. Es gibt die Kommandos –list und –reread. Letzteres reichte in meinem Fall. Es lief danach alles. Ein Neustart war offensichtlich nicht nötig.

Wie man weitere PHP-Versionen neben einer Standardversion zur Verfügung stellt, ist hier beschrieben:
http://adminforge.de/control-panel/plesk/plesk-multiple-php-versionen-installieren-debian-ubuntu-centos/

Vorher Snapshot anlegen

Solche Eingriffe sind immer etwas gefährlich. Man sollte vorher einen Snapshot anlegen.

Mit Plesk 12 soll es möglich sein, den Autoinstaller für solche Sachen zu verwenden. Auch an diesem Punkt müsste man überlegen, ob man nicht auf Ubuntu umsteigen will. Dafür wäre es erforderlich, den Server neu aufzusetzen, wobei die Nutzdaten aufwendig umgezogen werden müssen. Möglicherweise hilft der Plesk Migration Manager, was ich aber noch nie probiert habe.

Das Update der PHP Version gelang mir einigermaßen zügig. Die Hauptarbeit war für mich, nachzurecherchieren, wie man das macht, insbesondere mit Plesk 11.5 und Debian 7. Zudem war die Entscheidung Neuaufsetzen versus Update nicht leicht. Rückblickend betrachtet war das Update schneller, aber ich schätzte das Risiko höher ein, besonders im Hinblick auf Datenverlust und der Notwendigkeit, wieder zurückzurollen (einen alten Snapshot einzuspielen). Das dauert auch immer ewig.

Locked-in Syndrom durch Panelsoftware

Admin Panels wie Plesk sind Gold wert, legen einen aber auch fest. Grundsätzlich darf man ja gespannt sein, wie sich Plesk nach der Version 12 weiterentwicklet. Viele Hoster haben nun diese „Cloud-Automation-Software“ im Einsatz. Von einer 13er-Version redet momentan niemand. Hintergrund: Plesk ist ein Produkt von Parallels.

Dieser Teil von Parallels wurde in Odin umbenannt und vor nicht langer Zeit an das Distributionsunternehmen Ingram Micro verkauft. Eine Entwicklungsabteilung soll es aber nach wie vor geben. Die Virtualisierungssoftware für Macs names Parallels ist übrigens davon nicht betroffen. Für Parallels Desktop gab es kürzlich ein Update. Mit diesem Virtualisierungtool kann man Windows auf Macs parallel zum Mac OS ausführen und so native Windowsoftware nutzen.

Wo ist die neue Roadmap?

Odin beziehungsweise Ingram Micro sollte schnell klarstellen, wohin die Reise mit der Plesk-Linie geht. Die Panel-Software ist weit verbreitet. Firmen, die sie einsetzen, brauchen Kenntnis über die Visionen, sonst müssen sie sich umsehen. Es gibt ein paar Alternativen wie etwa das deutsche LifeConfig oder CPanel, Open Panel, Kloxo, ISPConfig. ().

Keine Frage, eine Roadmap muss her. Auch viele Foristen im offiziellen Odin-Forum stellen entsprechende Fragen.

Die Rede ist nun von „Odin Automation Essentials“, aber auch „Plesk Automation“ soll noch aktiv entwicklet werden. Gibt es also neue Major Releases?

Auch als Anwender fragt man sich, welche Zukunft Plesk nun hat. Ich jedenfalls möchte nicht im Betriebssystem rumstochern, um ein paar Dinge zu ändern, die sich in einem Control Panel mit ein paar Klicks erledigen lassen können. Zudem kommen ja neue Herausforderungen wie DNSSEC, DANE, DMARC und so weiter, die geradezu nach Automatisierung schreien. Dazu kommen noch Backupkontrolle und Applikationsmigrationen bzw. Migrationen der Payloaddaten in Datenbanken und Konfigurationen. Auf die Terminalfensterebene wollen wir nicht zurück. Es hat sich schon mal einer totgetippt.

Zudem macht auch die technische Entwicklung Richtung Cloud nicht halt. Hier gibt es Lösungen von OnApp oder Jealastic, die wesentlich weitergehen, aber eine Alternative bieten, wenn man sich ohnehin neu orientieren muss.

Veröffentlicht von

Markus Käkenmeister

Interessiert an Technologie, Politik, Psychologie. Seit 2000 beruflich im Web (Internetbranche) als Marketing Manager und Product Manager Schwerpunkt Community/Dating, Hosting, Domains, Cloud

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