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Corona sorgt für Wachstum bei Cloud-Unternehmen

Die Coronakrise hat den Druck, die Geschäftsprozesse online abzubilden, beflügelt. Dies ist ein weltweiter Effekt. Sichtbar wird dies anhand der Geschäftsberichte von Unternehmen, die in den Sparten Domains, Server, Hosting und Applikationen tätig sind. Wix, GoDaddy, Ionos und AWS (Amazon) zählen dazu.



Website-Building im Aufwind

Wix.com ist ein israelisches Unternehmen mit Sitz in Tel Aviv. Produkt der Firma ist ein Webseitenbaukasten, der mit dem Browser bedient wird. Ähnlich wie beim deutschen Jimdo ist die Nutzung im Freemium-Modell kostenlos. Eine Website mit Wix zu erstellen, ist zunächst gratis. Einige unverzichtbare Funktionen kosten als Premium Features Geld. Dafür schließen die Kunden ein Abo ab.

Für das zweite Quartal des Krisenjahres 2020 berichtet Wix einen enormen Zuwachs an Usern.

https://www.nasdaq.com/press-release/wix-reports-outstanding-second-quarter-2020-results-2020-08-06

Der Umsatz bei Wix stieg von 236,1 Million US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es 185,4 Millionen. Das entspricht 27 Prozent mehr.

Wix unterteilt das Geschäft sin „creative subscriptions“ und „business solutions“. Im Quartalsvergleich sind nach Angaben von Wix 9,3 Millionen registrierte User dazugekommen. Nun befinden sich 182 Millionen registrierte User in der Nutzerdatenbank.

Applikationsgeschäft wächst bei GoDaddy am stärksten

Damit hat Wix den amerikanischen Branchenprimus GoDaddy ausperformt. Zwar berichtet Godaddy ebenfalls gestiegenen Umsatz, nämlich 806 Millionen US-Dollar. Das entspricht nur einem Plus von 9.4 Prozent im Vergleich zu Q2 im Jahre 2019.

https://aboutus.godaddy.net/newsroom/news-releases/press-release-details/2020/GoDaddy-Reports-Second-Quarter-2020-Earnings-Results/default.aspx

GoDaddy ist der weltgrößte Domainregistrar. Mit dieser Sparte berichtet das Unternehmen in Scottsdale, Arizona (USA) einen Umsatz von 369,66 Millionen Dollar (plus 10,5 Prozent). Die Hostingsparte, in der auch ein mit Wix vergleichbarer Webseitenbaukasten integriert ist, wuchs um 4,4 Prozent auf 292,2 Millionen Dollar.

Das größte Wachstum ist bei GoDaddy offensichtlich die Applikationssparte: Hier berichtet GoDaddy für Q2 einen Umsatz von 144,6 Million (plus 17,6 Prozent). In diesem Geschäftsbereich bündelt GoDaddy den Vertrieb von E-Mail- und Kollaborationsprodukten wie Open eXchange und Microsoft Office 365.

Recht verhalten entwickelte sich das internationale Geschäft. Das macht bei GoDaddy in Q2 266,1 Millionen US-Dollar aus (plus 7,4 Prozent), bereinigt man Wechselkursschwankungen, kommt man auf ein Plus von 9,9 Prozent.

Ionos wächst um 5,2 Prozent in Q2 2020

Die deutsche United Internet – Gruppe, die in diesem Geschäftsfeld mit der Marke IONOS auftritt, berichtet für Q 2 des Jahres 2020 einen Umsatz in „Business Applications“ (Hosting, Server, Domains, Webbuilder) von 234,6 Millionen Euro. Verglichen mit Q2 des Jahres 2019 (223,1 Millionen Euro) entspricht dies einem Plus von 5,2 Prozent.

https://www.united-internet.de/fileadmin/user_upload/pdf_meldungen/Q2_2020/United_Internet_Key_figures_H1_2020.pdf

AWS erstmals mit weniger als 30 Prozent Wachstum

Gegen das übermächtige AWS klingen die Umsatzzahlen von Wix, GoDaddy oder IONOS wie Makulatur. Für AWS berichtet Amazon in Q2 2020 einen Umsatz von 10,8 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 29 Prozent entspricht. Zwar wäre fairer, AWS mit den entsprechenden Sparten bei Google (Google Cloud) oder Microsoft (Azure) zu vergleichen, doch   Bemerkenswerterweise liegt in diesem Quartal bei AWS das Wachstum zum ersten Mal unter 30 Prozent seitdem Amazon diese Sparte extra ausweist. Branchenbeobachter sehen hier Zeichen für ein Ende des übermäßigen Wachstums.




Twitter mit Quartalszahlen Q1 2015

Eigentlich ist Twitter ein schönes soziales Tool, kommt aber finanziell nicht auf die Beine. Vor etwa einer Woche hatte ich gefragt, ob man noch Twitter-Aktien kaufen sollte. Die Übernahmegerüchte durch Google waren auf dem Höhepunkt. Nun wissen wir: Gut, wenn man keine gekauft hat.

Heute, als nun die neuen Finanzdaten (Quartal 1 / 2015) öffentlich wurden, verlor die Aktie an Wert.

Twitter-Chart bereitgestellt von finanzen.net

Dabei gab es am Dienstag, 28.4.2015 bei der Präsentation der Zahlen eine peinliche Panne. Schon vor Börsenschluss wurden die Daten unabsichtlich bekannt.

Natürlich macht Twitter weiter Verluste. 148 Millionen Dollar im ersten Quartal, wird berichtet. Zudem werden die Umsätze geringer ausfallen, es gab eine Gewinnwarnung. Natürlich gefällt das den Anlegern nicht. Die deutsche Presse (jeder schreibt vom anderen ab), titelte unisono relativ undifferenziert etwas von Enttäuschungen und dergleichen.

Mit Werbung tut sich Twitter schwer 

Twitter erlöste im ersten Quartal 388 Millionen Dollar aus Werbung, eine weitere Einnahmensäule sind Datennutzungslizenzen, die aber nur 48 Millionen Dollar ausmachten. Zum Vergleich: Facebook hat nach eigenen Angaben im gleichen Zeitraum 3.3317 Millionen Dollar aus Werbung erlöst, also mehr als drei Milliarden.

Umgelegt auf die Userzahlen sind das 2,48 Dollar pro aktivem User (weltweit), betrachtet man nur den amerikanischen Markt (USA und Kanada) sind das sogar 7,81 Dollar pro aktivem User. Dagegen erscheint dieser Kennwert für Twitter bescheiden: Das wären gerade mal 1,44 Dollar pro aktivem User (weltweit, ohne Nur-SMS-Twitter-Nutzer). Die Charts mit dem Quartalsbericht für Facebook befindet sich hier, Quartalszahlen von Twitter befinden sich hier.

Positive Signale

Aber es gibt auch positive Signale: Die Anzahl der aktiven Nutzer wächst weiter, im Stammland USA genauso wie international.

Betrachet man das jährliche Wachstum, besteht eigentlich kein Grund, die Enttäuschungen zu übertreiben. Q4 2015 fiel besser aus, allerdings ist Q4 traditionell das stärkste Quartal in werbegetriebenen Geschäftsmodellen. Im Vorjahresvergleich hat Twitter im Umsatz 74 Prozent Wachstum gezeigt.

Auch der Kennwert CPE (Cost per Engagement) verbesserte sich sehr, nach Twitterangaben mit einem Plus von 30 Prozent.