1

1&1 Ionos startet Kubernetes as a Service

Mit „Enterprise Cloud Managed Kubernetes“ startet 1&1 Ionos einen neuen Cloud-Service.

Kubernets spielt inzwischen eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung und Implementierung von Anwendungen auf einem oder mehreren Servern. Es ermöglicht Anwendungen, die als sogenannte Container zur Verfügung stehen, automatisch bereitzustellen, zu verwalten und auch zu skalieren.



Das Kubernetes-System stammt ursprünglich von Google, unterliegt der Apache.2.0-Open-Source-Lizenz und wird mittlerweile von der Cloud Native Computing Foundation betreut.

Der Ansatz von Kubernetes geht über den der virtuellen Maschine (vm) und Docker hinaus.

Während man mit Images für vms oder Docker lediglich die gepackte Anwendung angepasst liefert, bringt Kubernetes auch das Management für das Cluster mit. Die Anwendungen können bedarfsmäßig angepasst werden. Es können damit auch die Ressourcen verwaltet werden, wobei die Vermittlung zu der technischem Umgebung, also zu Servern, Clustern oder allgemein der Cloud (man sagt auch: Orchestrierung) mit dem Kubernetes-System bewerkstelligt wird. Dies erleichtert den Alltag der Operationteams in Unternehmen (DevOps als Teams zwischen Entwicklern und Servermanagementleuten), die sich um die Bereitstellung, Pflege und Anpassungen der technischen Infrastruktur für Softwareanwendungen oder –umgebungen kümmern müssen. Das senkt Kosten und beschleunigt die Abläufe bei Updates oder Versionsmigrationen.

Bei Ionos ist das Managed-Kubernetes-Produkt in die Ionos Enterprise Cloud integriert. Damit kann der Kunde auch den „Data Center Designer“ von Ionos nutzen. Der Vorteil ist, auf eine große Sammlung an Anwendungen zurückgreifen zu können, die als Kubernetes bereitgestellt sind. Diese Art der Bereitstellung entwickelt sich immer mehr zum Standard.

Auch VMWare, deren Domäne bisher im Bereich der Virtuellen Maschinen lag, schwenkt auf Kubernetes, wie aus Anlass der firmeneigenen Veranstaltung VMWorld bekannt wurde. Auch mit der aufgekauften Firma Bitnami stellt VMWare viele Kubernetes-Anwendungen und Plattformen bereit.

Bei Ionos kostet 1 Core (egal ob AMD oder Intel) ab 2 Cent die Stunde. Für 1 GB RAM werden 45 Cent / Stunde fällig und für 1 GB HDD- oder SSD-Speicherplatz 4 Cent pro 30 Tage. 1 GB Traffic ist kostenlos, danach kostet das GB ab 3 Cent.

1&1 Ionos ist nach eigenen Angaben der erste deutsche Anbieter einer „Enterprise Cloud“ mit selbstentwickelter IaaS-Plattform. Wie bei einigen anderen Cloud-Produkten von Ionos können Verbraucher im gesetzlichen Sinn den Kubernetes-Service nicht buchen: „Verkauf nur an Unternehmer. Kein Verkauf an Verbraucher i.S.d. §13 BGB“ , heißt es auf der Website. Nicht-Verbraucher erhalten ein Startguthaben von 500 Euro, womit man den neuen Dienst 30 Tage lang kostenlos testen kann. Ionos verspricht, laufend Kubernetes Versions-Updates zur Verfügung zu stellen, ohne dass das jeweilige Update verwendet werden muss. Dazu gibt es einen Rund-um-die-Uhr Support auf „Enterprise-Level“, wie es heißt.












US Finanzinvestor KKR holt sich Corel

Derzeit macht das in New York ansässige Private Equity – Unternehmen KKR (Kohlberg, Kravis, Roberts) in Deutschland von sich vor allem als Investor im Medienbereich von sich reden. Zuletzt sorgte das Kaufangebot für Springer-Aktien im Streubesitz für einige Überraschung.

Heute wird bekannt, dass KKR das Unternehmen Corel gekauft hat. Meldungen sprechen von einer Kaufsumme in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar. Dies ist also kein ganz kleines Engagement. Die Firma wird dabei von einer anderen Kapitalinvestmentfirma übernommen, Vector Capital.,

Corel ist vor allem durch die Grafiksoftwaresuite Corel Draw einem größeren Publikum bekannt. Seit einiger Zeit gehört auch die Serververwaltungslösung Plesk zu Corel.




WordPress Wordcamp Europe 2019

Estrel Hotel Berlin, hier fand WordCamp Europe 2019 statt.
Veranstaltungsort des WordPress WordCamps Europe 2019: Das Estel Hotel in Berlin, Sonnenallee. Bild By Sebastian Rittau – Own work, CC BY 4.0,

Es war wohl der bislang besucherstärkste WordCamp-Event in Europa. Nach Belgard fand das überregionale Europaevent in Berlin statt.



Vor einiger Zeit hat die WordPress-Organisation damit begonnen, regelmäßigen Austausch mit Nutzern und Entwicklern zu professionalisieren.

Schließlich ist WordPress heute mehr als nur ein Blogging-Skript in PHO unter Open-Source-Lizenz. Man kann die Software als Contentmanagement System bezeichnen, man kann sie als Plattform betrachten und die WordPress-Welt auch als Ökosystem sehen.

Entscheidend ist bei WordPress – neben der kostenlosen Nutzung, der Offenheit des Quellcodes – die Möglichkeit, das Aussehen mit fertigen Themes zu ändern oder eigene Themes herzustellen. Die Offenheit für Erweiterungen, die bei WordPress Plugins heißen, gestatten es, den Kern der Software um alle denkbaren Funktionen zu erweitern. In diesem Bereich gibt es viele unabhängige Entwickler und auch größere Unternehmen, die Designs und neue Funktionen als Theme beziehunsgweise Plugin bereitstellen.

Daneben setzen Agenturen, Verbände und Vereine und Unternehmen ebenfalls auf WordPress, neben der Kernnutzergruppe der Blogger. Zu den prominentesten Websites gehört sicher seit einiger Zeit www.whitehouse.gov. Das ist die offizielle Website des Weißen Hauses, Sitz und Residenz des Präsidenten der USA.

Screenshot Website Whitehouse.gov Startseite
Codefragment von Whitehouse.gov, das zeigt, dass WordPress das Content Management dafür ist.
https://www.whitehouse.gov läüft auf WordPress.

Das Estrel Hotel an der Sonnenallee in unmittelbarer Nähe des gleichnamigen S-Bahnhofs ist ein für solche Zwecke gut geeignetes großes Konferenzhotel. Es verfügt über entsprechend geräumige Säle die auch großen Bühnen genug Platz und Zuschauerraum bieten.

Keynotes, Tracks und Workshops

Dieser Platz war zumindest für die wichtigste Keynote dieser mehrtägigen Veranstaltung nötig. Die einflussreichste und bestbesuchte Keynote dürfte die von Matt Mullenweg gewesen sein. Seine „State of the Word, Summer Update“-Keynotes sind mittlerweile Tradition und fester Bestandteil der größeren WordCamps in den USA, in Europa und Asien. Für Asien ist Bangkok im Gespräch. Das nächste europäische WordCamp soll 2020 in Porto (Portugal ) stattfinden.

Estrel Konferenz Hotel Berlin Sonnenallee mit Matt Mullenweg auf der Bühne
Freut sich über den Erfolg von ‚Gutenberg‘ und kündigt mehr Features und Funktionen an: Matt Mullenweg.

Mullenwegs Keynote drehte sich erwartunsgemäß stark um Gutenberg, den in diesem Jahr neu mit WordPress standardmäßig ausgelieferten Eingabeeditor, der in Bälde noch mehr können soll als heute. Mullenweg zeigte einige Kunstgriffe, die mit Gutenberg möglich sind und möglich sein werden.

Bis auf die Eingangsfrage war die Q&A-Runde wenig kritisch. Ich persönlich hätte erwartet, dass das Verhältnis Automattic und WordPress.org mehr hinterfragt wird. Oftmals stehen jedoch die WordPress-eigenen Tools für Zusammenarbeit, Ticketing und Tracking in der Kritik. Für Austausch auf Entwicklerebene kommt heute schon das kommerzielle Slack zum Einsatz. Die Versionierung und das Releasemanagement werden aber mit eigenen Tools realisiert.

In der Eingangsfrage beschwerte sich ein Fragesteller über die seiner Meinung nach fehlende Unterstützung eines Marktplatzes für Design und Themes wie von Envato. Nun bietet WordPress aus der Anwendung heraus Zugriff auf einige Ressourcen wie Plugins oder Themes, demnächst auch fertige Gutenberg-Blöcke. Diese Themes sind auch von Anbietern, die kostenlos nutzbare Versionen bereitstellen, allerdings einige Premiumversionen anbieten, in einer Art in-app-pruchase-Angebot. Grund sei, dass man auf keine proproetären Elemente verweisen möchte. Das ist schon der Fall, wenn ein Theme ein urheberrechtlich geschütztes Bild beinhaltet und keine offene Lizenz vorliegt.

Thema Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit von agil arbeitenden, aber geographisch weit voneinander entfernten Teams scheint eine der größeren Herausforderungen bei WordPress zu sein. Anfang des Jahres wurde viele, die die Entwicklung von WordPress beobachten aufmerksam, als einige neue Funktionen und Personalien in der WordPress-Welt angekündigt wurden.

Da WordPress heute bereits die Basis von etwa einem Drittel aller existierenden Websites darstellt und im Segment der Content Management Systeme auf einen Marktanteil von 60 Prozent kommt, ist es durchaus angebracht, zu beobachten, wie sich WordPress entwickelt und wie die Geschäftspolitik gestaltet wird.

Das Verhältnis zu Automattic – wer macht die Produktpolitik und wie wirkt sich das für User aus?

Schließlich ist Matt Mullenweg, der die Rolle des Entwicklungschefs bei WordPress.org innehat auch Chef seiner Firma Automattic, die zum einen einen unter wordpress.com einen WordPress-as-a-Service-Dienst als Freemium-Modell anbietet, andererseits aber auch eine Reihe von fast esssentiellen Plugins kostenlos, aber nicht als Open-Source-Software bereitstellt.

Dazu gehört Jetpack mit einer Sammlung an Services wie Statistik, Webanalyse sowie Backup und Caching/Contentdelivery-Netzwerk gegen Aufpreis. Ein anderes Beispiel ist Akismet, ein Sicherheitsplugin, das geeignet ist, um Kommentarspam auszufiltern. Im Grunde wird die kostenlos offeriert, fast schon aufgedrängt. Wer aber auch nur einen Werbebanner auf die Website stellt, erhält eine Mail und fortan soll 5 Euro im Monat für das Akismet-Abo zahlen, sonst werde der Lizenzschlüssel deaktiviert.

Nicht auszuschließen also, dass die zugekauften und noch kostenloses Plugins und Features bald ähnlich kreative Wege finden, um die Nutzung zu monetarisieren. Grundsätzlich ist nichts gegen kostenpflichtige Abomodelle einzuwenden, solange eine entsprechende Leistung dahinter steht, doch sollte dies von Anfang an deutlich gemacht werden und nicht erst massenhaft User angelockt werden, die dann in einen Upsellingkanal gezwungen werden.

Quelloffen und transparent, nicht demokratisch

Interessant, dass die zweitkritischste Frage das Demokratieverständnis in der WordPress-Welt hinterfragt hat. WordPress ist als Stiftung organisiert, produziert und veröffentlicht die Basisanwendung unter GPL, eine Open-Source-Lizenz. So wäre es naheliegend dass quelloffene Software auch von einer Organisation betreut wird, die wie ein deutscher Verein etwa sich demokratischen Spielregeln unterwirft. Dies ist im Falle WordPress nicht der Fall.

Die Antwort Mullenwegs bezog sich auch nur auf einen Grundsatz der Transparenz: Entscheidungen würden möglichst ausführlich veröffentlicht, erklärt und diskutiert, hieß es. Ganz sicher ist aber die Entscheidung, einen neuen Editor einzuführen, Gutenberg, nicht demokratisch gefallen. Ganz im Gegenteil scheinen die Widerstände dagegen in der Community groß gewesen zu sein.

Entsprechen hellhörig wurden Beobachter bei Mullenwegs Ankündigung vor einiger Zeit, einen neuen Posten zu etablieren, nämlich den des Executive Directors, und diesen mit Jospeha Haden zu besetzen, die vorher beim kommerziellen WordPress-Arm Automattic tätig war.

Auch Haden hielt eine Keynote, wie schon in einigen WordCamps zuvor. Sie ist also keine Unbekannte. Ihr Thema war Change-Management. Auf ihren Job bei WordPress und wie sie diesen ausgestalten möchte, ging sie gar nicht ein.

Estrel Konferenz Hotel Berlin Sonnenallee mit Josepha Haden auf der Bühne
Noch fast in der Rolle des Executive Directors von WordPress, aber der Community schon bekannt: Josepha Haden.

Die Worte richteten sich an Besucher im Businessumfeld, die vor der Aufgabe stehen, größere Veränderungen in ihrer Organisation anstoßen, begleiten oder leiten zu müssen. Die Anmerkungen sollten so eine Art Erfahungsbericht und best practise liefern.

Die Rolle der erfolgreichen Change-Managerin kauft man ihr durchaus ab.
Bei gleicher Gelegenheit, als Jospeha Haden in ihrer neuen Rolle bei WordPress.org angekündigt wurde, gab Mullenweg seinerzeit auch bekannt, dass es einen Marketing Director-Posten geben wird, der mit dem CEO des in den Niederlanden ansässigen SEO-Plugin-Herstellers Yoast besetzt werden würde. Damit ergab sich eine recht enge Verbindung zu WordPress. Augenscheinlich hat die Community diese Personalie wohlwollend aufgenommen. Offenbar war aber ein kleiner Kommunikationsfehler unterlaufen. Es gab in der Organisation bereits Personen, die in der Rolle des Marketingmanagements für WordPress.org agierten. Dies erfuhren wohl erst mit einem Blogpost von der neuen Position, bei der dieser Rolle angedockt wird.

Yoast und das semantische Web

Entsprechend neugierig habe ich daher die Präsentation von Osmar Reiss, CTO und Partner von Yoast, verfolgt, seines Zeichens Philosoph und Software Architekt. Sein Thema: Structured Data. Structured Data im Sinne von semantischen Auszeichnungen von Inhalten gemäß schema.org wird ja schon seit langer Zeit von verschiedenen Organisationen promotet, unter anderem von Google.

Offensichtlich hat Google schon des öfteren Anläufe gemacht, Inhalte gemäß ihrer Bedeutung zu klassifizieren, was bislang nach Ansicht von Experten suboptimal gelingt. Eine großflächige Auszeichnung könnte der Suchmaschine helfen, Inhalte zu „verstehen“. Dies ist bislang daran gescheitert, dass es viel zu mühselig erscheint, die passenden Tags im Ordnungssystem von schema.org zu finden und dem HTML-Code hinzuzufügen.

Our Brains are pattern matching machines. Aufnahme aus einer Keynote beim WordCamp 2019 in Berlin, Thema Semantisches Web
Semantische Auszeichnungen hinzuzufügen soll mit dem Yoast-Plugin einfacher werden.

Yoast habe nun mit seiner Software, so hieß es, einen Weg gefunden, Inhalte, die mit WordPress generiert wurden mehr oder weniger automatisch semantisch korrekt auszuzeichnen. Hier ist beschrieben, wie Yoast sich das vorstellt.

Die „Tracks“, wie die Vorträge hießen, waren thematisch nach Zielgruppen und Interessen klassifiziert: Business, Design, Development, Content. So gab es längere und auch recht kurze Beiträge zu den verschiedenen Themen, die im weiteren WordPress-Kosmos bei Nutzern eine Rolle spielen. Pricing gehörte dazu, Strategien für Agenturen, Conversion Optimierung.

 Aleyda Solis gab konkrete SEO-Tipps beim WordCamp Europe 2019 in Berlin
Wie mache ich heute SEO? Aleyda Solis gab konkrete Tipps.

Das Thema Semantic Content wurde zudem auch von WordPress-Core-Entwickler Joe McGill aufgegriffen. Sein Credo: Inhalte gehören sich nicht eingesperrt, wir bräuchten ein semantisches Web, ein offenes Web. Gegenbeispiel wäre eben ein Contentelement wie das Facebook-Like. Dieses hätte nur in der abgeschlossenen Welt von Facebook Bedeutung. Mit entsprechender Gestaltung auf Codeebene, eben mit semantischer Auszeichnung, käme man der Vision des Word-Wide-Web-Ideengebers Berners-Lee näher. Siehe https://www.researchgate.net/publication/307845029_Tim_Berners-Lee’s_Semantic_Web oder https://www.w3.org/2000/Talks/0906-xmlweb-tbl/text.htm .

WordPress-Core-Entwickler Joe McGill spricht sich für mehr offen zugänglichen Content aus.
Spricht sich für mehr offen zugänglichen Content aus. So werde Tim Berbers-Lee Vision des semantischen Webs möglich: WordPress-Core-Entwickler Joe McGill

Partyeklat

Am Samstag Abend gab es auch eine Party für die WordCamp Besucher. Offensichtlich haben die Showacts nicht jedem gefallen. Es gab wohl Beschwerden und die Organisatoren sahen sich zu einer Entschuldigung veranlasst.

Es handelte sich um eine Show, in denen Darsteller kostümiert wie bekannte Altstars, etwa Tina Turner aufgetreten sind und einige Oldies zum Besten gaben, aber eben so dass die Darstellung von Frauen objektivierend und und zu sexistisch empfunden werden konnte.

Beim Probeauftritt hatten wohl alle genügend Kleidung an, der Livegig jedoch “..included images of women that were sexualised and objectifying“, heißt es im Entschuldigungspost. Einige Kommentatoren konnten das nicht verstehen, andere bedankten sich für die Transparenz.

Zu viel nackte Haut, die angeblich so auch nicht geplant war. WordPress ist, hier merkt man es, nun einmal eine amerikanische Organisation. Deren puritanische Probleme mit Nacktheit kennen wir auch von Facebooks Bildersperr-Politik (Aufrufe zu einem Holocaust sind okay, weibliche Brüste nicht).




John Maeda wechselt von Automattic (WordPress.com) zur Marketingberatungsfirma Publicis Sapient

Automattic, der kommerzielle Teil der WordPress-Welt verliert John Maeda, der dort als Global Head of Computational Design + Inclusion fungierte (LinkedIn). Vorher war er Partner bei der Venture-Capital-Firma Kleiner Perkins im Silicon Valley (die Firma ist in der breiteren internetaffinen Öffentlichkeit recht bekannt wegen des Mary Meeker Reports, der bislang immer bei Kleiner Perkins schienen ist).



Weil Maedas neuer Arbeitgeber Publicis Sapient, das sich seit einiger Zeit „Digitale Business Transformation“ auf die Fahnen geschrieben hat, aber auch in der traditionelleren Marketingwelt verwurzelt ist, sprangen auch etablierte Media-Magazine wie Horizont und W&V auf die Meldung über Maedas Wechsel an. Sapient mit Sitz in Boston, USA, berichtete 2013 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar und wurde 2015 von der französischen Publicis-Gruppe übernommen. Als Marketingnetzwerkschwergewicht hat Publicis Sapient Kunden aus vielen Branchen weltweit. Die Mitarbeiterzahl wird mit über 20.000 angegeben.

Wie sich aus den Statements und Ankündigungen herauslesen lässt, geht es womöglich um eine stärkere Verschmelzung von Media im Sinne von Medieninhalten und Technologie bei der Entwicklung diverser Plattformen, oder wie es W&V vereinfacht ausdrückt, um die „Verschmelzung von Design und Technik“. Zudem ist Maeda auch als Autor von Fachbüchern bekannt. Zu seinen neusten Werken gehört „How to Speak Machine: Laws of Design for a Computational Age„, das es für 25€ bei Amazon gibt (Affiliate Link).



Meada Fokus liegt stark auf der Experience, also Erlebnis, das der Nutzer oder die Nutzerin mit einem informationstechnologischen System erfährt. Aktuelle Beiträge benennen den Ansatz als inclusive design. Was er damit meint, findet man in Beiträgen wie diesen hier bei automattic.design.

Auf seinen eigenen Blog oder in seinen zahlreichen Social Media Accounts hat sich Meada selbst nicht zu dem Schritt geäußert. Auf Twitter finde ich nur die Retweets der WordCamp 2019 Berlin Ankündigung und die der Sapient-Postings, dazu einige Kommentare von Gratulanten. Vielleicht folgt ja noch ein Statement, so wie 2016 beim Wechsel zu Matt Mullenwegs Automattic.

Beim WordCamp Europe 2018 in Belgrad hat er noch zu Inclusive Design gesprochen.

John Maeda 2018 in Belgrad (WordCamp Europe) zu Inclusive Design.



Studie: Maschinenlern-Verfahren können Psychosen erkennen

Per Inhaltsanalyse der gesprochenen Worte lassen sich offensichtlich Anzeichen dafür finden, dass eine Person mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu einem späteren Zeitpunkt eine Psychose entwickelt.

Angeblich erzielten Wissenschaftler mit Hilfe von Deep-Learning-Algorithmen eine Trefferwahrscheinlichkeit von 93 Prozent. Ein entsprechendes Paper von Neguine Rezaii, Elaine Walker und Phillip Wolff mit dem Titel „A machine learning approach to predicting psychosis using semantic density and latent content analysis” ist offen zugänglich. Wenn Algorithmen Auffälligkeiten finden, die menschlichen Beobachtern verborgen blieben, ist das immer einen Blick wert.



Der Ansatz ist, die verwendeten Worte in der alltäglichen Sprache der Probanden mit automatisierten Inhaltsanalysemethoden zu untersuchen. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen zwei Variablen und der Wahrscheinlichkeit, dass die Person schizophrene Symptome zeigt. Die eine Variable ist die Häufigkeit, mit der Worte verwendet werden, die mit Klängen, Tönen, auditiven Signalen in Zusammenhang stehen. Die andere Variable ist, dass die Aussagen der Person vage sind, die Sätze semantisch wenig dicht sind, wie es heißt.

Dass sich psychotische Tendenzen einer Person in ihrer Sprache niederschlagen, ist seit längerem bekannt. Mentale Zustände wie Ärger und Wut lassen sich in der Stimme erkennen. Allerdings sind offenbar einige linguistische Marker bisher verborgen geblieben. Auch geübten Diagnostikern, die mit psychotischen Patienten zu tun haben, fiel der Zusammenhang in der verwendeten Sprache bisher nicht auf.

Als Material verwendeten die Forscher allgemeine Kommunikation in einer Social Media – Plattform (Reddit.com). Mit in Anwendung implementierten Word2Vec-Modellen wurden große Mengen an Text vektorisiert, so dass mit diesem Datamining-Prozess ein Korpus an Charakteristiken aus „normaler“ Sprache entstand.

Damit konnte man dann Unterschiede zu verwendeter Sprache finden, wie sie in diagnostischen Interviews von Personen verwendet wurden, die als Schizophrenie-Risikopersonen gelten. Diese transkribierten Diagnosegespräche entstanden im Rahmen einer breiter angelegten Studie in den USA, der North American Prodrome Longitudinal Study (NAPLS). In dieser Studie hat man es mit Probanden zu tun, die auf Schizophrenie hin untersucht worden sind. Diese Texte wurden ebenfalls mit Word2Vec analysiert.

Diese Studie zeigt, dass es latente Auffälligkeiten in Sprachmuster und Sprachgebrauch gibt, die selbst erfahrenen Diagnostikern bislang nicht aufgefallen sind. Angeblich, so das Ergebnis dieser Studie, nutzen Betroffene, die an Schizophrenie leiden oder von Psychosen geplagt werden, mehr als der Durchschnitt Begriffe, die sich um Geräusche oder Laute drehen. Zudem ist ihre Sprache weniger dicht an Fakten. Die Forscher gaben Trefferwahrscheinlichkeiten jenseits von 90 Prozent an, was erstaunlich hoch wirkt. Daher sei es naheliegend, dass man mit der „digital phenotyping“ genannten Methodik mentale Krankheiten erkennen kann, auch wenn diese als solche bei einem Individuum noch nicht diagnostiziert sind.

Allerdings finde ich zwei Dinge beachtenswert beziehunsgweise kritisch: Die Studie vergleicht „normale Sprache“ mit „besonderer Sprache“. Zum einen nutzt man geschriebenes Wort aus einem sozialen Netzwerk, zum anderen, um Kontraste zu finden, verbale Sprache, die in schriftliche Sprache umgesetzt worden ist. Dass in der „besonderen Sprache“ vermehrt Begriffe auftauchen, die mit Lauten und Geräuschen zu tun haben, könnte auch damit zusammenhängen, dass die Diagnosegespräche waren. Es ist gut möglich – zumindest sollte man das untersuchen -, dass es mehr als die „normale Sprache“ aus der sozialen Plattform um ein Artefakt handelt, da die diagnostischen Interviews strukturiert sind, und zwar gemäß der Anleitung „Structured Interview for Prodromal Syndromes“ (PDF). Das heißt: Der Diagnostiker, der das Interview typischerweise führt, fragt gezielt nach Auffälligkeiten in der Wahrnehmung, was das Hören mit einschließt. Schließlich möchte er ja kennzeichnende Auffälligkeiten finden, um einen Patienten zu diagnostizieren.

Die Autoren thematisieren neben der auffällig häufigen Verwendung von Begriffen rund im Geräusche oder Töne auch eine gewisse Armut im Ausdruck, bezeichnet als vage Aussagen, was typisch für die Gruppe der von Psychosen oder schizophrenen Symptomen Betroffenen sei. ich denke, hier müsste man diskutuieren, inwieweit die Art der Datenerhebung entsprechende Effekte generieren kann: Die strukturierten Interviews werden zu Diagnosezwecken mündlich geführt. Schriftlich drückt sich der Durchschnittsmensch womöglich faktenreicher und gezielter aus als mündlich. Schriftlicher Text ist anders strukturiert als transskribierte Sprache.

Womöglich sind die Probanden zurückhaltender, da ihnen die Testsituation bewusst ist, was bei den Usern auf Reddit nicht der Fall war. Die wussten zwar, dass sie sich gewissermaßen öffentlich äußerten, schrieben ihre Texte aber nicht im Bewusstsein, damit auf Psychosen getestet zu werden.

Der zweite Punkt ist, dass hier eigentlich eine klassische Unterschiedhypothese getestet wird, ohne dass eine Theorie vorgelagert wurde, die erklärt, weswegen von Schizophrenoe betroffene Patienten in ihrer Sprache vermehrt Begrifflichkeiten rund um Hören, Töne, Geräusche verwenden. Die Fallzahl liegt wohl bei 30 bis 40 Probanden, was für Unterschiedshypothesentests wiederum gering erscheint. Zehn Probanden waren als Kontrollgruppe definiert. Der Maschinenlernansatz bezieht sich auf die Anwendung eines neuronalen Netzes zur Klassifizierung von Sprache beziehungsweise Text.




PricewaterhouseCoopers will Domain-Whois für Rechteinhaber, Anwälte und Strafverfolger realisieren

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers hat unter der Bezeichnung „TieredAccess“-Platform einen Dienst vorgestellt, mit dem nicht-öffentliche Domaininhaberdaten von einem eingeschränkten Kreis an Personen und Institutionen abgerufen werden können.



Mit der Einführung der Datenschutzgrundverordnung in Europa ist die Veröffentlichung der Inhaberdaten von Domainnamen schwierig geworden. Die Internetverwaltungsorganisation ICANN musste hastig neue Prozesse einführen, um nicht gegen das neue europäische Datenschutzrecht zu verstoßen.

Erst Anfang Dezember 2017 hat der Präsident/CEO der ICANN Goran Marby via Blogbeitrag das Thema mit hoher Priorität auf die Tagesordnung für 2018 gesetzt. Zeitgleich erschien ein Memorandum der beauftragten schwedischen Rechtsberatung Hamilton, in der ein sogenanntes Layered Access Model vorgeschlagen wird: Es sollte noch öffentlich zugäbgliche Informationen zu einer Domain geben, weitergehende Informationen sollten aber denjenigen Gruppen und Personen vorbehalten sein, die ein nachzuweisendes Interesse daran haben, diese Daten zu bekommen. Eine technische Lösung gab es nicht.

Mittlerweile gibt es kaum noch öffentlich zugängliche, konkrete Informationen, wem eine Domain gehört (Inhaberdaten mit Anschrift, admibnistrativer Kontakt ect.) und wer die gegebenenfalls zugeordneten Server betreibt. Eigentlich war dies eines der vertrauensbildenden Elemente, wenn man es als Webseitenbesucher oder E-Mail-Empfänger mit Domainamen zu tun hatte, die man nicht kennt und ein wesentlicher Vorteil gegenüber Freemailern oder Kommunikation über Social Communities.

Insofern gab es im Domainbereich eine Art „Klarnamenpflicht“, wie sie in der Politik in Zusammenhang mit Social Media immer mal wieder gefordert wird, um bei Hassrede und Drohungen Ross und Reiter benennen zu können. Zwar schreibt das deutsche Telemediengesetz (TMG) vor, eine Impressum auf einer Website zu haben, im Falle einer E-Mail greift dies aber nicht, da das Gesetz den Mediencharakter von Webangeboten im Auge hat.

DSGVO machte offenes Domain-Whois rechtlich unmöglich

Obwohl nun keine Inhaberdaten über Whois-Dienste mehr abgefragt werden können, gibt es immer noch viele durchaus berechtigte Interessen, die Inhaberdaten zu einem Domainnamen zu erfahren. Zwei wesentliche Pressuregroups, die ihr Interesse an solchen Informationen aufgrund vorhandener Ressourcen auch durchsetzen können, sind Inhaber von Urheberrechten und Marken.

So können Strafverfolgungsbehörden und Anwälte, die Verstöße gegen Urheberrechte und Markenschutzverletzungen verfolgen diese Domaininhaberdaten bekommen. Wie Domainincite.com berichtet, hat die hierzulande als Wirtschaftsberatungsunternehmung bekannte Firma Pricewaterhouse Coopers (PwC) eine Plattform vorgestellt, die als „TieredAccess Platform“ benannt wird. Kunden können über diesen Dienst nichtöffentliche Domaindaten anfordern, wobei PwC die Prüfung übernimmt, ob die anfragende Person oder Institution eine entsprechende Berechtigung hat oder ein berechtigtes Interesse nachweisen kann.

Gatekeeperfunktion für Domain-Whois-Daten

PwC sieht zwei Kundenzielgruppen für den neuen Service: Registries und Registrare für gTLDs und ccTLDs können mit der TieredAccess-Platform Informationen DSGVO-kompatibel öffentlich bereitstellen und gleichzeitig weitergehende und nicht-öffentlich zugängliche Informationen und Daten für berechtigte Requestors anlegen.

Die andere Nutzergruppe sind eben diese Requestors, die nicht öffentliche Daten zu Domainnamen abfragen wollen. Aktuell fährt PwC eine Testphase und begrenzt die Nutzergruppe auf Anwaltskanzleien, Rechtsvertreter, Markeninhaber und Sicherheitsexperten.

Die Nutzer müssen sich registrieren und werden, wie es heißt, manuell oder automatisch, verifiziert, mittel “ state-of-the-art and trusted methodologies and tools“ (PwC Website Text). Danach können Anfragen an das System gestellt werden. Die Begründung, weswegen die Anfrage berechtigt ist, kann, wie es bei Domaincite heißt, aus 43 Vorlagen ausgewählt werden. Die Abfragen werden automatisch ohne menschliches Zutun abgearbeitet und als Vorgang gespeichert, nicht jedoch die personenbezogenen Daten. Diese werden angeblich nur kurzzeitig gespeichert.

Kauft ICANN den TieredAccess-Service von PwC?

Damit wird PwC eine Art „gatekeeper“ für Daten und Informationen, die eigentlich zum Betrieb des Internets notwendig sind und allgemein verfügbar sein sollten. Eine lange Zeit waren entsprechende Informationen fast schon Open Data, wenn auch – aus Datenschutzgründen – nicht Public Data. Sicher wird dieser Service von PwC nicht kostenlos sein, auch wenn auf der zugehörigen Website noch keine Preise genannt werden. Möglicherweise wird die ICANN den von PwC entwickelten Dienst aber auch zu einem passenden Zeitpunkt einfach kaufen.

Werbung




Mobility as a Service

Die Public Transportation – Community traf sich gerade in Stockholm beim UITP Global Public Transportation Summit 2019. Alle, die mit ÖPNV zu tun haben, also Vertreter von Herstellern, Anbietern und Aufgabenträgern fanden sich hier ein.

Zentrale Frage: Wie bewältigt man heute und morgen den täglichen Transport von Menschen in Metropolen und kleineren Großstädten?

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

„All Paths lead to Stockholm“ #Stockholm Sweden The Art of Public Transport, as presented by: © Håkan K., Project manager, SL Discover more at the UITP Global Public Transport Summit, Stockholm, June 2019! #UITP2019

Ein Beitrag geteilt von UITP (@uitpofficial) am




Die Veranstaltung in Stockholm hat das Motto „The Art of Public Transportation“. Im technologisch verschnarchten Deutschland gilt die Organisation des ÖPNV den Verantwortlichen eher wie „Pain in the Ass“. Hierzulande assoziiert man Busse und Bahnen eher mit dreckigen Waggons, Verspätungen, Ausfällen, hohen Preisen und schlechten Service. Credo: Öffentlicher (Nah-)Verkehr ist almosenhafter Behelf für alle, die sich keine schickes Auto leisten können, also für Schülerinnen und Schüler, Rentner und Rentnerinnen und andere ungewollte Mittel- und Führerscheinlose. In manchen Regionen wird ÖPNV immer noch politisch gewollt und gezielt zerstört, wie offenbar in Mühlheim an der Ruhr. Kein Wunder, dass der Trend zum Zweit-SUV geht.

Andererseits tut man sich in diesem Land auch besonders schwer, über Alternativen nachzudenken, wie das Lobby-/Polit-Hickhack um die „Elektrokleinstmobilität“, sprich: E-Scooter zeigte. Kein Witz: Ein Berliner Wirtschaftrechtler konstruierte in einem Gutachten in der Zulassung von E-Scootern einen Verstoß gegen das Grundgesetz.

Auf jeden Fall sieht man in Stockholm Technologien, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Deutschland nie das Licht der Welt erblicken werden.

Dazu gehört sicher auch die Verfügbarkeit von Internetzugängen in Light Rails, also in U- oder S-Bahnen oder in Bussen im Nahverkehr. In einigen ICE-Verbindungen der Deutschen Bahn existiert stückweise Mobilfunkverbindung. Weil aber das deutsche Mobilfunknetz so löchrig ist, sollte man im Zug darauf verzichten, wichtige Telefonate führen zu wollen oder online zu arbeiten. Abschnittsweise wird man eine E-Mail versenden oder empfangen können, aber eigentlich kann man sich nur mit den Serien der Netflix-Copycat Maxdome zerstreuen lassen. Die Inhalte werden von einem Server im Zug abgerufen und per „WifionICE“ auf die Endgeräte der Passagiere gestreamt.

Abgesehen von einigen Testprojekten in machen Städten (wie in Wuppertal), in denen Stadtbusse mit WiFi ausgerüstet worden sind, ist mobiler Internetempfang im öffentlichen Nahverkehr die seltene Ausnahme.

10 Millionen Personenkilometer gesurft: 250.000 Fahrgäste nutzen WLAN in Wuppertaler Bussen
Wuppertal will als eines der ersten ÖPNV-Unternehmen in Deutschland die gesamte Busflotte mit WLAN auszustatten Jeder der 300 Busse ist mit kostenlosem W-LAN ausgestattet. Quelle: obs/WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH

Man könnte zwar sich per 4G/LTE, in fernerer Zukunft vielleicht per 5G, verbinden, aber dank der irrsinnigen Vergabepraxis per Auktion bleibt mobiles Datenvolumen in Deutschland knapp und teuer. Gerade jubeln viele über die 6,6 Milliarden Euro an Erlösen aus der 5G-Frequenzauktion, aber die gewinnenden Netzbetreiber werden hohe Preise aufrufen oder so knapp es nur geht mit Antennenstandorten haushalten. Folge: Deutschlands Funklöcher werden bleiben, vielleicht nicht in Berlins Regierungsviertel, aber an der Milchkanne, wie uns Forschungs- und Bildungsministerin Karliczek schon androhte.

Technisch geht im Nahverkehr schon noch einiges mehr. Analog zu den Cloud-typischen Akronymen IaaS, Saas oder PaaS wurde in Stockholm die Abkürzung MaaS eingeführt: Mobility as a Service.

Screenshot aus dem „Policy Brief: Ready for MaaS? Easier Mobility for Citizens and better data for Cities“

If whatever you give the citizen is not of quality, he will return to his old habits and take the private car. MaaS needs to be simple, impartial, personal, and creating extra value.”

Moderator David van Kesteren, Chair of UITP Combined Mobility Committee and CEO of Cambio Taxistop

So präsentierte auch der bislang beweislos und faktenfrei in Spionageverruf geratene chinesische Hersteller Huawei seine Urban Rail Light Cloud-Lösungen, Next-Generation-LTE-R (eine für den Bahnverkehr adaptierte LTE-Variante) und 5G Digital Indoor System (kurz: DIS). Diese adressieren Anforderungen für Operationen wie die der Abfertigung von Bussen, der Überwachung, Ankündigungen an Bushaltestellen, mobile Zahlungen, eine Stärkung der Monitoring des Busbetriebs und Verbesserung der Servicequalität und der Zufriedenheit von Fahrgästen.

Dahinter stehen cloudbasierte Dienste und Breitbandkonnektivität für besser vernetzten, digitalen Schienenverkehr mit dem Ziel Lokführer zu unterstützen, sicherere und effizientere Schienentransportsysteme aufzubauen und Serviceinnovationen zu ermöglichen.

Screenshot, Huawei-Keynote

Offensichtlich hat Huawei im Personentransport bereits einige Erfahrungen generiert und berichtet ein Schienennetz mit 120.000 Kilometer Länge informationstechnisch zu betreuen sowie Services „in mehr als 100 städtische Schienenverbindungen zur Verfügung“ zu stellen.




Wer bekommt .amazon?

Seit Jahren schon schwelt ein Streit um die Zuteilung der Top Level Domain .amazon. Gerne hätte Jeff Bezos Konzern diese Top Level Domain. Doch der Begriff Amazon steht auch für den Regenwald und den Fluss in Südamerika.



Seit einiger Zeit sind sogenannte Dot-Brand-Domains möglich. Damit können Unternehmen ihren Namen oder einen Produktname als Top Level Domainname in das Domain Name System zu bringen.

Einige weltweit agierende Unternehmen mit entsprechenden Marken nutzen dies, wenn auch nur in sehr geringem Maß. Google zählt dazu, Microsoft, McDonalds, Visa und viele andere, wie die Seite www.makeway.world dokumentiert. Auch Amazon ist vertreten, allerdings nicht mit dem vollen Namen, sondern mit „AWS“ (Amazon Web Services“.

Politisches Hickhack: Länder und Regionen gegen wirtschaftliche Interessen eines US-Unternehmens

Es verwundert, dass gerade der Internetgigant keine eigene Top Level Domain verwendet. Am Geld scheitert es bei Amazon nicht. Es geht um Politik: Besonders zwei Länder sind dagegen, die Top Level Domain .amazon als DotBrand-Domain für Amazon zu delegieren: Brasilien und Peru weisen darauf hin, dass „amazon“ ein geographischer Begriff sei und .amazon doch besser für die Amazonas-Region in Südamerika reserviert bleiben sollte.

Man könne, so hieß es von beiden Staaten, „.amazon“ und „Amazona“ – gemeint ist das verwechseln. Diese Begründung klingt nicht hundertprozentig plausibel. Der Widerstand südamerikanischer Staaten, dem großen US-Konzern Amazon die Domain .amazon zukommen zu lassen, kann damit zusammenhängen, dass im Zuge der Snowden-Enthüllungen amerikanische Spionageaktivitäten gegen brasilianische Bürger aufgedeckt worden sind. Das hat vielleicht für Verstimmung gesorgt.

Ein Ausschuss (der Independent Review Process Panel, kurz: IRP hat vor einigen Jahren schon über die vorgebrachten Bedenken befunden und diese als unbegründet zurückgewiesen. Das Governmental Advisory Committee der Internetverwaltungsorganisation ICANN, in dem die Länder der Erde vertreten sind, hat beschlossen, dass Amazon die Top-Level-Domain nicht haben soll.

Amazon hat weitere Vorstöße unternommen. Man möge doch handeln, schrieben Amazon-Manager in einem Brief an ICANN, schließlich habe man versucht, mit Peru und Brasilien Einigungen zu finden. Zudem hätten auch andere Marken Namensähnlichkeiten mit Regionen, Ländern oder Städten.

Werbung



Big Discounts for Domains, Hosting, SSL and more

Marketingeffekte

Die Einrichtung einer DotBrand-Domain für Amazon hätte sicher Vorteile, abgesehen von den Marketingmöglichkeiten: Wenn das Unternehmen konsequent unter dieser Adresse im Netz kommunizieren würde, hätten es Phisher deutlich schwerer. Dann könnte man die Echtheit einer Mail oder einer Landeseite besser überprüfen.

Außerdem dürfte eine Dot-Brand-Domain .amazon den anderen neuen Top Level Domains einen gewissen Schwung verleihen. Internetuser scheinen die neuen Top Level Domain, die inzwischen gar nicht mehr so neu sind, nicht zu mögen. Teilweise werden Domainnamen, die mit anderen Top Level Domains als die altgewohnten enden, wie etwa .de, .com, .org argwöhnisch betrachtet und manchmal auch nicht einmal als Domain erkannt.

Noch stehen Dot-Brand-Top-Level-Domains nicht so hoch im Kurs. Selbst Inhaber solcher Domains gehen zögerlich damit um und nutzen sie, wenn überhaupt nur um auf Unterseiten oder Länderversionen des Gesamtauftritts zu redirecten. So verweist ai.aws auf https://aws.amazon.com/de/ai, wo die KI-Dienste der AWS-Coud promotet werden.

Insgesamt scheinen sich Inhaber der Dot-Brand-Domains informationsarchitektonisch damit schwer zu tun, ihren multilingualen Content zu präsentieren. Zu den wenigen, die mehr oder weniger intensiv die Dot-Brand TLD einsetzen, gehört die Deutsche Post mit DHL. Unter logistics.dhl findet man dedizierten Webcontent und nicht nur eine Weiterleitung. Die regionalen Sprachversionen werden als Verzeichnis abgebildet, zum Beispiel so: www.logistics.dhl/de-de/home.html .

Canon verfährt ähnlich mit global.canon. Andere internationale Konzerne, die erst euphorisch dabei waren, haben ihren Antrag auf Zuteilung einer eigenen Top Level Domain wieder zurückgezogen.

ICANN hat entschieden, südamerikanische Staaten geben noch nicht auf

Im Mai 2019 sah es so aus als würde Amazon die begehrte Top Level Domain nun bekommen. Man habe seitens Amazon zugesichert, keine Domainnamen unter .amazon zu nutzen, die einen klaren geographischen Bezug herstellen würden. Einige könnten verwendet werden, um der Amazonasregion mehr „Sichtbarkeit“ zu verleihen. Nun berichtet domain-recht.de von einer Beschwerde südamerikanischer Staaten gegen die jüngste ICANN-Entscheidung in dieser Sache. Noch läuft die 90-tägige Frist, während der die ICANN-Entscheidung kommentiert werden kann.




Wenig Tech in Europa: Hier machen amerikanische und asiatische Unternehmen Umsatz- und Gewinnrekorde

Eine neue Analyse von ey ( Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ), die die Entwicklung der 1.000 umsatzstärksten Unternehmen der Welt untersucht, sieht europäischen Konzerne hinter US-amerikanischen und asiatischen.



Nach der ey-Studie seien US-Konzerne führend, was Umsatz- und Gewinnwachstum angeht. Im Schnitt stiegen deren Umsätze im vergangenen Jahr um 9,0 Prozent. Europäische Großunternehmen schafften etwas weniger als die Hälfte, nämlich 4,3 Prozent. Asiens Großunternehmen verbuchten ein Wachstum von im Schnitt 8,4 Prozent.

„Digitalisierung“: Deutsche und europäische Konzerne in Umbruchphasen – aber investieren sie genug, um aufzuholen?

Und auch beim Gewinnwachstum verlieren Europas Top-Konzerne den Anschluss: Sie konnten 2018 den operativen Gewinn nur um 3,9 Prozent erhöhen, während die US- und asiatischen Konzerne mit 8,1 bzw. 9,8 Prozent mehr als doppelt so stark zulegten.

In der ey-Liste der 1.000 weltweit umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen befinden sich 44 deutsche. Ihren durchschnittlichen Umsatz konnten sie nur um 1,2 Prozent steigern. Zum Vergleich: Französische Unternehmen legten 6,8 Prozent im Umsatz zu und italienische 5,8 Prozent. Auffällig: Keine andere größere Wirtschaftsnation verzeichnete im vergangenen Jahr einen Gewinnrückgang bei ihren Top-Konzernen, so ey.

Abgehängt: Unternehmen wie Apple, Google, Samsung gibt es in Europa einfach nicht

Offenbar profitieren amerikanische Konzerne vom Heimatmarkt und der Entwicklung im Technologiesektor. Dem habe Europa zurzeit wenig entgegenzusetzen, heißt es bei ey. Deutsche und europäische Konzerne würden zudem unter dem US-chinesischen Handelsstreit leiden und sich in Umbruchphasen befinden (Stichwort Digitalisierung). Auch der Dieselskandal, der die wichtige Autobranche betrifft, trägt negativ bei.

Bei den Gewinn- und Umsatztrends wurden die Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche allerdings herausgerechnet (als Grund nennt ey die starke Verzerrung durch orbitantes Gewinn- und Umsatzwachstum in diesem Segment).

Beim Blick auf die Wirtschaftsstruktur fällt auf, dass sieben der zehn Unternehmen mit dem höchsten operativen Gewinn haben ihren Sitz in den USA haben. Herausragendes Beispiel ist Apple mit dem größten Gewinn (60 Milliarden Euro). Samsung mit Sitz in Südkorea belegt Platz zwei (45 Milliarden Euro). Der Anteil der IT- und Telekommunikationsunternehmen ist in den USA hoch und beträgt 18 Prozent (Vergleich mit Europa: 11 Prozent).

Europa und auch Deutschland beheimaten eher klassische Industrien. Umsatz- und Gewinnrekorde werden aber in der IT gemacht. Und Unternehmen wie Apple, Google, Amazon, Samsung gibt es in Europa nicht. Die Technologie-Branche ist die Leitbranche. USA und China geben da derzeit den Takt vor. Die gewinnstärksten europäischen Unternehmen waren im vergangenen Jahr drei Ölkonzerne: Royal Durch Shell, BP, Rosneft. Volkswagen belegt im Umsatzranking Rang sieben.

Im Tech- und Medienbereich hat Europa es nie geschafft, einen einheitlichen Markt herzustellen

Die Frage ist, wie man in Deutschland oder Gesamteuropa dagegen steuern möchte. Woraus soll ein Konzern wie Amazon, Apple oder Google „plötzlich“ entstehen? Die Signale, die Europa sendet, deuten eher auf den gegenläufigen Trend hin: Europa wird eher kleiner und nationalistischer, die Regulierung nimmt zu. Datenschutz, eprivacy, Digitalsteuer sind hier auf der Agenda.

Vertane Chancen

PC- und Handyhersteller in Deutschland gab es einst, diese sind im internationalen Wettbewerb aber schon in den Nullerjahren verschwunden: Siemens Mobile hat, später mit BenQ in Deutschland Handies hergestellt, ebenso früher auch PCs, PDAs, Tablets und Notebooks („Lifebook“) mit Nixdorf und Fujitsu. Davon ist leider nichts übrig geblieben. Im Medien- und Telekommunikationssektor wurde Europa nie eins. Spanisches ISDN war anders als deutsches ISDN. Geräte waren so nicht kompatibel.

Auch bei den frühen Onlinediensten hat Europa versagt: Es gab es allein in Deutschland (BTX), Frankreich (Minitel) und England (Prestel) drei unterschiedliche Onlinedienste-Systeme mit komplizierten und überteuerten Übergängen ohne gemeinsame Klammer oder Inhalte. Das globale Internet hat diese dann vom Markt gefegt.

Der Medienmarkt wurde über die Fernsehrichtinie reglementiert, die u.a. Quoten für europäische Produktionen in TV-Programmen und Werbeeinschränkungen mit sich brachte. So entstanden zwar lokale Biotope, in jedem Land freuten sich Provinzpolitiker über ihre regional bedeutsamen subventionierten Produktionsstätten und national eingehegten Konglomerate, die oft als Machtbasis lokal agierender Politiker (Mediaset, Berlusconi) genutzt wurden. Ein gemeinsamer, großer Markt entstand so aber nicht. Die agierenden Unternehmen versuchten, eher durch Beteiligungen und Übernahmen an Größe zu gewinnen, weniger durch Innovation oder Neuentwicklung.