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BBC unter Beschuss – mal wieder

Es gibt einige Kreise in Groß Britannien, die die staatliche Rundfunkorganisation BBC mal wieder schlachten wollen. BBC ist die Abkürzung für British Broadcasting Corporation und ist für uns in Deutschland deswegen von Bedeutung, da die BBC sozusagen das Modell der Alliierten für die Rundfunkorganisation in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg war.

https://www.rnd.de/medien/tantchen-bbc-in-der-krise-nach-enthuellungen-um-diana-interview-geht-es-der-anstalt-noch-schlechter-7CGDC2F375EC3HSQPXJDOPMKBU.html





Die Idee dabei war, um den durch die NAZIs gleichgeschalteten deutschen Rundfunk, was hauptsächlich Radio war, so zu organisieren, dass dieser nicht wieder so schnell als Propagandainstrument für radikale politische Kräfte eingesetzt werden kann. Man organisierte den Rundfunk – was damals eigentlich nur Hörfunk war – öffentlich-rechtlich. Das heißt: Eben nicht staatlich, statt dessen dezentral. Der Rundfunk soll in eigener, aber öffentlich kontrollierter Trägerschaft funktionieren. Finanziert wird der Rundfunk nicht mit Steuern, sondern mit einem Beitrag, den früher die GEZ, die Gebühreneinzugszentrale, abbuchte, wenn man sein Radio- oder Fernsehgerät angemeldet hat, was aufgrund eines Gesetzes Pflicht war. Heute wurde die GEZ in „Beitragsservice“ umgetauscht. Klingt immerhin etwas netter. Dafür muss inzwischen jeder Haushalt und jede Firma zahlen.

Das öffentlich-rechtliche System in Deutschland ist ähnlich unter politischem Druck wie das im Vereinten Königreich. Zu teuer, zu bürokratisch, zu unausgewogen – die Vorwürfe gleichen sich sehr. Speziell die kritische Brexitberichterstattung hat der BBC in der Regierung Johnson keine Freunde gebracht.

2022 soll das Modell überprüft werden, 2027 muss es Verhandlungen mit der Regierung geben. Einige Spar- und Entlassungsrunden hat die BBC bereits hinter sich. Nun steht die Umstellung auf ein Abomodell statt auf Beiträge zur Diskussion.

https://www.wuv.de/medien/internationale_expansion_koennte_die_bbc_retten

Dennoch: Die BBC ist eine Institution, die nicht so schnell fallen wird.

Es gab schon viele Angriffe, meist aus politischem Interesse heraus, oft auch aus wirtschaftlichem.

In den 80er und 90ern des letzten Jahrhunderts waren einige Pop-Produzenten wie Stock, Aitken und Waterman mit der Präsenz ihrer Werke in BBC-Radioprogramm nicht so ganz zufrieden und produzierten ein längliches Propagandavideo im 80’s-Trash-Popsongformat: „Who needs Pink Floyd, Dire Straits, it’s not our music, it’s out of date…“

Aus Sparmaßnahmen und aufgrund von öffentlichem Druck musste die BBC einige Assets auslagern, das Sendenetz zum Beispiel, das nur noch gemietet wird. Auch einige Radiosender standen zum Verkauf. Die Sparks haben das in einem Song verarbeitet.

Ist schon etwas her, aber bei einer Tour damals mit einem Journalistenverein durch diverse BBC-Organisationen gewann ich den Eindruck, dass das, was die BBC macht, sie schon ziemlich gut macht. Private stört die Konkurrenz natürlich, allen voran BSkyB. Vor der BBC hatte man Respekt. Sie haben viele Angestellte, Zugriff auf große Ressourcen und sind in Sachen Rundfunk- und Produktionstechnologie ganz vorne und weltweit gut vernetzt.

Seinerzeit stieg BBC, besonders der Auslandsdienst, in eine neue Form der Nachrichtenverbreitung aus britischer Sicht ein. Man produzierte sendefertige Newsbeiträge, die jede Station, die sie haben wollte, unentgeltlich verwenden konnte.

Im Web ist die BBC weniger prominent, aber doch reichweitenstark. Der Analyseservice Alexa sieht die Domain BBC.co.uk auf Platz 70 bis 80 unter den zehn Millionsten Websites weltweit.

Und das, obwohl das Internet, speziell das Web für einen mitteilungsbedürftiges und als ehemalige Kolonialmacht geprägtes Land wie gerufen zu sein scheint. Möglicherweise könnte ein Abomodell bei einer weltweiten Expansion durchaus erfolgreich werden. Erfahrungen sind vorhanden.




WordPress Wordcamp Europe 2019

Estrel Hotel Berlin, hier fand WordCamp Europe 2019 statt.
Veranstaltungsort des WordPress WordCamps Europe 2019: Das Estel Hotel in Berlin, Sonnenallee. Bild By Sebastian Rittau – Own work, CC BY 4.0,

Es war wohl der bislang besucherstärkste WordCamp-Event in Europa. Nach Belgard fand das überregionale Europaevent in Berlin statt.



Vor einiger Zeit hat die WordPress-Organisation damit begonnen, regelmäßigen Austausch mit Nutzern und Entwicklern zu professionalisieren.

Schließlich ist WordPress heute mehr als nur ein Blogging-Skript in PHO unter Open-Source-Lizenz. Man kann die Software als Contentmanagement System bezeichnen, man kann sie als Plattform betrachten und die WordPress-Welt auch als Ökosystem sehen.

Entscheidend ist bei WordPress – neben der kostenlosen Nutzung, der Offenheit des Quellcodes – die Möglichkeit, das Aussehen mit fertigen Themes zu ändern oder eigene Themes herzustellen. Die Offenheit für Erweiterungen, die bei WordPress Plugins heißen, gestatten es, den Kern der Software um alle denkbaren Funktionen zu erweitern. In diesem Bereich gibt es viele unabhängige Entwickler und auch größere Unternehmen, die Designs und neue Funktionen als Theme beziehunsgweise Plugin bereitstellen.

Daneben setzen Agenturen, Verbände und Vereine und Unternehmen ebenfalls auf WordPress, neben der Kernnutzergruppe der Blogger. Zu den prominentesten Websites gehört sicher seit einiger Zeit www.whitehouse.gov. Das ist die offizielle Website des Weißen Hauses, Sitz und Residenz des Präsidenten der USA.

Screenshot Website Whitehouse.gov Startseite
Codefragment von Whitehouse.gov, das zeigt, dass WordPress das Content Management dafür ist.
https://www.whitehouse.gov läüft auf WordPress.

Das Estrel Hotel an der Sonnenallee in unmittelbarer Nähe des gleichnamigen S-Bahnhofs ist ein für solche Zwecke gut geeignetes großes Konferenzhotel. Es verfügt über entsprechend geräumige Säle die auch großen Bühnen genug Platz und Zuschauerraum bieten.

Keynotes, Tracks und Workshops

Dieser Platz war zumindest für die wichtigste Keynote dieser mehrtägigen Veranstaltung nötig. Die einflussreichste und bestbesuchte Keynote dürfte die von Matt Mullenweg gewesen sein. Seine „State of the Word, Summer Update“-Keynotes sind mittlerweile Tradition und fester Bestandteil der größeren WordCamps in den USA, in Europa und Asien. Für Asien ist Bangkok im Gespräch. Das nächste europäische WordCamp soll 2020 in Porto (Portugal ) stattfinden.

Estrel Konferenz Hotel Berlin Sonnenallee mit Matt Mullenweg auf der Bühne
Freut sich über den Erfolg von ‚Gutenberg‘ und kündigt mehr Features und Funktionen an: Matt Mullenweg.

Mullenwegs Keynote drehte sich erwartunsgemäß stark um Gutenberg, den in diesem Jahr neu mit WordPress standardmäßig ausgelieferten Eingabeeditor, der in Bälde noch mehr können soll als heute. Mullenweg zeigte einige Kunstgriffe, die mit Gutenberg möglich sind und möglich sein werden.

Bis auf die Eingangsfrage war die Q&A-Runde wenig kritisch. Ich persönlich hätte erwartet, dass das Verhältnis Automattic und WordPress.org mehr hinterfragt wird. Oftmals stehen jedoch die WordPress-eigenen Tools für Zusammenarbeit, Ticketing und Tracking in der Kritik. Für Austausch auf Entwicklerebene kommt heute schon das kommerzielle Slack zum Einsatz. Die Versionierung und das Releasemanagement werden aber mit eigenen Tools realisiert.

In der Eingangsfrage beschwerte sich ein Fragesteller über die seiner Meinung nach fehlende Unterstützung eines Marktplatzes für Design und Themes wie von Envato. Nun bietet WordPress aus der Anwendung heraus Zugriff auf einige Ressourcen wie Plugins oder Themes, demnächst auch fertige Gutenberg-Blöcke. Diese Themes sind auch von Anbietern, die kostenlos nutzbare Versionen bereitstellen, allerdings einige Premiumversionen anbieten, in einer Art in-app-pruchase-Angebot. Grund sei, dass man auf keine proproetären Elemente verweisen möchte. Das ist schon der Fall, wenn ein Theme ein urheberrechtlich geschütztes Bild beinhaltet und keine offene Lizenz vorliegt.

Thema Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit von agil arbeitenden, aber geographisch weit voneinander entfernten Teams scheint eine der größeren Herausforderungen bei WordPress zu sein. Anfang des Jahres wurde viele, die die Entwicklung von WordPress beobachten aufmerksam, als einige neue Funktionen und Personalien in der WordPress-Welt angekündigt wurden.

Da WordPress heute bereits die Basis von etwa einem Drittel aller existierenden Websites darstellt und im Segment der Content Management Systeme auf einen Marktanteil von 60 Prozent kommt, ist es durchaus angebracht, zu beobachten, wie sich WordPress entwickelt und wie die Geschäftspolitik gestaltet wird.

Das Verhältnis zu Automattic – wer macht die Produktpolitik und wie wirkt sich das für User aus?

Schließlich ist Matt Mullenweg, der die Rolle des Entwicklungschefs bei WordPress.org innehat auch Chef seiner Firma Automattic, die zum einen einen unter wordpress.com einen WordPress-as-a-Service-Dienst als Freemium-Modell anbietet, andererseits aber auch eine Reihe von fast esssentiellen Plugins kostenlos, aber nicht als Open-Source-Software bereitstellt.

Dazu gehört Jetpack mit einer Sammlung an Services wie Statistik, Webanalyse sowie Backup und Caching/Contentdelivery-Netzwerk gegen Aufpreis. Ein anderes Beispiel ist Akismet, ein Sicherheitsplugin, das geeignet ist, um Kommentarspam auszufiltern. Im Grunde wird die kostenlos offeriert, fast schon aufgedrängt. Wer aber auch nur einen Werbebanner auf die Website stellt, erhält eine Mail und fortan soll 5 Euro im Monat für das Akismet-Abo zahlen, sonst werde der Lizenzschlüssel deaktiviert.

Nicht auszuschließen also, dass die zugekauften und noch kostenloses Plugins und Features bald ähnlich kreative Wege finden, um die Nutzung zu monetarisieren. Grundsätzlich ist nichts gegen kostenpflichtige Abomodelle einzuwenden, solange eine entsprechende Leistung dahinter steht, doch sollte dies von Anfang an deutlich gemacht werden und nicht erst massenhaft User angelockt werden, die dann in einen Upsellingkanal gezwungen werden.

Quelloffen und transparent, nicht demokratisch

Interessant, dass die zweitkritischste Frage das Demokratieverständnis in der WordPress-Welt hinterfragt hat. WordPress ist als Stiftung organisiert, produziert und veröffentlicht die Basisanwendung unter GPL, eine Open-Source-Lizenz. So wäre es naheliegend dass quelloffene Software auch von einer Organisation betreut wird, die wie ein deutscher Verein etwa sich demokratischen Spielregeln unterwirft. Dies ist im Falle WordPress nicht der Fall.

Die Antwort Mullenwegs bezog sich auch nur auf einen Grundsatz der Transparenz: Entscheidungen würden möglichst ausführlich veröffentlicht, erklärt und diskutiert, hieß es. Ganz sicher ist aber die Entscheidung, einen neuen Editor einzuführen, Gutenberg, nicht demokratisch gefallen. Ganz im Gegenteil scheinen die Widerstände dagegen in der Community groß gewesen zu sein.

Entsprechen hellhörig wurden Beobachter bei Mullenwegs Ankündigung vor einiger Zeit, einen neuen Posten zu etablieren, nämlich den des Executive Directors, und diesen mit Jospeha Haden zu besetzen, die vorher beim kommerziellen WordPress-Arm Automattic tätig war.

Auch Haden hielt eine Keynote, wie schon in einigen WordCamps zuvor. Sie ist also keine Unbekannte. Ihr Thema war Change-Management. Auf ihren Job bei WordPress und wie sie diesen ausgestalten möchte, ging sie gar nicht ein.

Estrel Konferenz Hotel Berlin Sonnenallee mit Josepha Haden auf der Bühne
Noch fast in der Rolle des Executive Directors von WordPress, aber der Community schon bekannt: Josepha Haden.

Die Worte richteten sich an Besucher im Businessumfeld, die vor der Aufgabe stehen, größere Veränderungen in ihrer Organisation anstoßen, begleiten oder leiten zu müssen. Die Anmerkungen sollten so eine Art Erfahungsbericht und best practise liefern.

Die Rolle der erfolgreichen Change-Managerin kauft man ihr durchaus ab.
Bei gleicher Gelegenheit, als Jospeha Haden in ihrer neuen Rolle bei WordPress.org angekündigt wurde, gab Mullenweg seinerzeit auch bekannt, dass es einen Marketing Director-Posten geben wird, der mit dem CEO des in den Niederlanden ansässigen SEO-Plugin-Herstellers Yoast besetzt werden würde. Damit ergab sich eine recht enge Verbindung zu WordPress. Augenscheinlich hat die Community diese Personalie wohlwollend aufgenommen. Offenbar war aber ein kleiner Kommunikationsfehler unterlaufen. Es gab in der Organisation bereits Personen, die in der Rolle des Marketingmanagements für WordPress.org agierten. Dies erfuhren wohl erst mit einem Blogpost von der neuen Position, bei der dieser Rolle angedockt wird.

Yoast und das semantische Web

Entsprechend neugierig habe ich daher die Präsentation von Osmar Reiss, CTO und Partner von Yoast, verfolgt, seines Zeichens Philosoph und Software Architekt. Sein Thema: Structured Data. Structured Data im Sinne von semantischen Auszeichnungen von Inhalten gemäß schema.org wird ja schon seit langer Zeit von verschiedenen Organisationen promotet, unter anderem von Google.

Offensichtlich hat Google schon des öfteren Anläufe gemacht, Inhalte gemäß ihrer Bedeutung zu klassifizieren, was bislang nach Ansicht von Experten suboptimal gelingt. Eine großflächige Auszeichnung könnte der Suchmaschine helfen, Inhalte zu „verstehen“. Dies ist bislang daran gescheitert, dass es viel zu mühselig erscheint, die passenden Tags im Ordnungssystem von schema.org zu finden und dem HTML-Code hinzuzufügen.

Our Brains are pattern matching machines. Aufnahme aus einer Keynote beim WordCamp 2019 in Berlin, Thema Semantisches Web
Semantische Auszeichnungen hinzuzufügen soll mit dem Yoast-Plugin einfacher werden.

Yoast habe nun mit seiner Software, so hieß es, einen Weg gefunden, Inhalte, die mit WordPress generiert wurden mehr oder weniger automatisch semantisch korrekt auszuzeichnen. Hier ist beschrieben, wie Yoast sich das vorstellt.

Die „Tracks“, wie die Vorträge hießen, waren thematisch nach Zielgruppen und Interessen klassifiziert: Business, Design, Development, Content. So gab es längere und auch recht kurze Beiträge zu den verschiedenen Themen, die im weiteren WordPress-Kosmos bei Nutzern eine Rolle spielen. Pricing gehörte dazu, Strategien für Agenturen, Conversion Optimierung.

 Aleyda Solis gab konkrete SEO-Tipps beim WordCamp Europe 2019 in Berlin
Wie mache ich heute SEO? Aleyda Solis gab konkrete Tipps.

Das Thema Semantic Content wurde zudem auch von WordPress-Core-Entwickler Joe McGill aufgegriffen. Sein Credo: Inhalte gehören sich nicht eingesperrt, wir bräuchten ein semantisches Web, ein offenes Web. Gegenbeispiel wäre eben ein Contentelement wie das Facebook-Like. Dieses hätte nur in der abgeschlossenen Welt von Facebook Bedeutung. Mit entsprechender Gestaltung auf Codeebene, eben mit semantischer Auszeichnung, käme man der Vision des Word-Wide-Web-Ideengebers Berners-Lee näher. Siehe https://www.researchgate.net/publication/307845029_Tim_Berners-Lee’s_Semantic_Web oder https://www.w3.org/2000/Talks/0906-xmlweb-tbl/text.htm .

WordPress-Core-Entwickler Joe McGill spricht sich für mehr offen zugänglichen Content aus.
Spricht sich für mehr offen zugänglichen Content aus. So werde Tim Berbers-Lee Vision des semantischen Webs möglich: WordPress-Core-Entwickler Joe McGill

Partyeklat

Am Samstag Abend gab es auch eine Party für die WordCamp Besucher. Offensichtlich haben die Showacts nicht jedem gefallen. Es gab wohl Beschwerden und die Organisatoren sahen sich zu einer Entschuldigung veranlasst.

Es handelte sich um eine Show, in denen Darsteller kostümiert wie bekannte Altstars, etwa Tina Turner aufgetreten sind und einige Oldies zum Besten gaben, aber eben so dass die Darstellung von Frauen objektivierend und und zu sexistisch empfunden werden konnte.

Beim Probeauftritt hatten wohl alle genügend Kleidung an, der Livegig jedoch “..included images of women that were sexualised and objectifying“, heißt es im Entschuldigungspost. Einige Kommentatoren konnten das nicht verstehen, andere bedankten sich für die Transparenz.

Zu viel nackte Haut, die angeblich so auch nicht geplant war. WordPress ist, hier merkt man es, nun einmal eine amerikanische Organisation. Deren puritanische Probleme mit Nacktheit kennen wir auch von Facebooks Bildersperr-Politik (Aufrufe zu einem Holocaust sind okay, weibliche Brüste nicht).




WordPress Hosting – wer braucht das?

WordPress ist, glaubt man einschlägigen Untersuchungen, das beliebteste Content Management System, zumindest im Open-Source-Bereich. Mehr als 30 Prozent aller Websites sollen damit betrieben werden, Tendenz steigend (Quelle: w3techs.com).

Einige Hostingprovider haben diesen Trend aufgegriffen und bieten Produkte wie „Manged Hosting für WordPress“ oder „WordPress-Hosting“ an. Was steckt dahinter? Für wen sind solche Produkte interessant und was bekommt man als Kunde dafür an Mehrwert?



Die Antwort auf die Frage, ob sich ein spezifischer WordPress-Hosting-Tarif lohnt, kommt sehr auf den Preis und den Nutzen an, d.h. es kommt darauf an, was der Managed Service alles umfasst und wie einschränkend der Dienst dann wirkt, wenn es um die Umsetzung vielleicht besonderer Anforderungen geht. Diese entwicklen sich im Betrieb weiter und sind anfangs manchmal gar nicht absehbar.

Marktanteile Content Management Systeme in balken dargestellt. Stand Mai 2019. WordPress: 33,9%, Joomla 2,9%, Drupal 1,9%, Shopify 1,5%, Squarespace 1,5%, Wix 1,1%, Magento 1,0% ("Usage", Quelle w3techs).
Mehr als 60% aller neuen Websites weltweit werden mit WordPress erstellt. Dies ist das Ergebnis einer periodischen Erhebung, die auf den laut Alexa Analysedienst trafficstärksten Websites basiert. Aus einer Zählung ergibt sich der Anteil „Usage“ (grauer Balken), der bei WordPress um die 33% liegt, Tendenz steigend. Bei der Betrachtung nur der neu entstandenen Websites ergibt sich der Wert „Market Share“ (Marktanteil), grüner Balken. Stand: Mai 2019, Quelle: w3tech.com.

Es gibt keine allgemeine Definition von WordPress Hosting. Jeder Provider beschreibt den Service anders, wobei die Software keinen besonderen Anspruch an die Basistechnologie stellt. WordPress möchte etwas Serverspeicherplatz, PHP ab 5.6, eine Datenbank wie MySQL. Allerdings kann man das System durch die zur Verfügung gestellte Hardware oder entsprechende virtuelle Ressourcen optimieren. WordPress wurde als Blog-System angelegt. Inzwischen entstehen alle möglichen Seitentypen damit. Allerdings wurde WordPress nicht auf Geschwindigkeit programmiert.

Es basiert auf einer großen Anzahl, durch includes in sich greifender PHP-Skripte und vielen Datenbankzugriffen. Jede an den Browser gelieferte Webseite wird dynamisch nach Anforderung vom Server erzeugt. Dies schafft Geschwindigkeitsprobleme, die bei reichweiten Webangeboten oder Onlineshops inakzeptabel sind.

Zudem unterliegt WordPress einer stetigen Weiterentwicklung, die Updates nötig macht. Nicht nur der Kern des Systems muss ständig erneuert werden, auch die vielen Plugins (Erweiterungen) und Themes müssen mit der Zeit gehen, erkannte Fehler und Sicherheitslücken sollten schnell entfernt werden. Angesichts der immensen Verbreitung bietet WordPress für Hacker ein lohnendes Angriffsziel.

Diese Anforderungen haben diverse Provider adressiert und unterschiedliche Produkte in einigen Tarifvarianten definiert. Als Zielgruppe stehen meist Personen im Fokus, die aus Effizienzgründen oder aufgrund mangelnden technischen Know Hows im Team oder beim Webseitenbetreiber auf die Administration der Webanwendung verzichten wollen. Setup, Updates und Backup werden als Service angeboten, allerdings in unterschiedlicher Form und mit unterschiedlichen Features.

Entsprechend variieren auch die Preise: Beim Dortmunder Provider Dogado gibt es drei Tarife, die sich im Umfang der Zusatzservices unterscheiden. Im kleinsten Paket für 3,99 Euro im Monat bekommt man ein vorinstalliertes WordPress, dazu nicht näher definierte Sicherheitschecks und Updates. Das nächstgrößere Paket für 9,99 Euro im Monat bietet zusätzlich eine „Speedoptimierung“. Leider ist nicht näher beschrieben, wie diese Performanceoptimierung erreicht wird, Meist erreicht man dies mit mehr Arbeitsspeicherreservierung oder mehr Prozessorkapazität, wobei auch der Einsatz von NGINX als Alternative zum weit verbreiteten Apache-Webserver in Frage kommt und als Performance-Chance gewertet wird. Generell liegen den Tarifen bei Dogado technisch der Apache-Webserver und Speicher auf SSDs zugrunde. Möglicherweise wird ein Cache verwendet.

Erst im größten Paket für immerhin 19,99 Euro monatlich ist auch SSL-Unterstützung und Mehrsprachenfähigkeit dabei.

Bei Strato scheinen die WordPress-Pakete eher eine Ergänzung der normalen Hosting-Pakete zu sein. Ansonsten kosten diese Pakete, die sich hauptsächlich wie Hostingpakete im allgemeinen in der Anzahl an Inklusivdomains, Webspace, Mailboxes und Anzahl der MySQL-Datenbanken unterscheiden ab 1 Euro im Monat für einige Zeit ab Bestellung, wobei die regulären Kosten nach der 1-Euro-Phase von einigen Monaten bei 4, 8, 10 und 20 Euro pro Monat liegen.

Die WordPress-Tarifvarianten kosten ebensoviel wie die normalen Hosting-Varianten. SSL-Zertifikate sind hier schon dabei. Bei Ionos sind die Preise und die Leistungen ähnlich (wobei ja Strato wie auch 1&1 Ionos inzwischen zur gleichen Firmengruppe gehören, zu United Internet). Es ist nicht erkennbar, dass die Hostingpakete in der Geschmacksrichtung WordPress Performancevorteile bieten.

In einer Aktion bis August 2019 ist in den Strato-WordPress-Paketen eine .blog-Domain von KnockKnockWhosIsThere inklusive. Diese Domain-Registry gehört übrigens zu Automattic, dem kommerziellen Arm von Matt Mullenweg, Mitbegründer von WordPress.org, der Stiftung, die die Open-Source-Software WordPress herausgibt).

Deutlich mehr kostet WordPress-Hosting bei Raidboxes, einem Provider in Hannover, der sich als Spezialist für WordPress-Hosting positioniert hat. Die Tarife starten bei 15 Euro im Monat und reichen bis 300 Euro im Monat. Zudem wird WordPress auch auf virtuellen Maschinen installiert, so dass über die Ressourcen auch die Performance der mit WordPress generierten Websites bestimmt wird. Bei Raidboxes sind Core-Updates inklusive, Plugin- und Themepdates kosten extra oder sind erst in teureren Tarifen inklusive. SSL-Zertifikate sind in allen Tarifstufen dabei.

Die Spanne der Tarifkosten pro Monat ist sehr groß, allerdings wenden sich die Tarife offensichtlich auch an unterschiedliche Zielgruppen. In der höchsten Tarifstufe sind 32 GB RAM RAM, 12 vCores und 40 GB auf SSD zugeordnet. Damit dürfte auch WooCommerce sehr performant zu betreiben sein. WooCommerce ist das Shopping-Plugin für WordPress, herausgegeben von Automattic (die auch das Plugin Jetpack herausgeben), also von der schon oben erwähnten Firma von Matt Mullenweg.

Hier muss man, wenn man die Frage nach den Mehrwertkosten gegen reine Hostingkosten stellt, untersuchen, was denn die Miete virtueller Maschinen kosten würde. In vergleichbaren Serverleistungsdaten müsste man hier mit um die 50 bis 100 Euro im Monat rechnen. Eine WordPress-Installation mit Shop-Plugin könnte man auch gut auf einer Cloud-Instanz abbilden und hätte dann auch noch eine gewisse Flexibilität durch die Skalierung nach oben und unten. Allerdings – und das könnte für viele der Showstopper sein – braucht man etwas mehr Know How, um eine entsprechende Installation sicher online zu bringen. Dies ist machbar, vor allem, da Stacks mit Apache oder NGINX, WordPress und WooCommerce fertig zu haben sind.

Übrigens betreibt Automattic auch selbst einen managed WordPress-Service, und zwar unter wordpress.com. Die Server dafür dürften in den USA stehen. Hier findet der User ebenfalls ein schlüsselfertig nutzbares WordPress vor, allerdings mit einer anderen Backend-Verwaltungsoberfläche. Will man unter WordPress.com einen Blog betreiben, ist dies grundsätzlich auch kostenlos möglich, wobei sich die Performance sehr in Grenzen hält und man mit einem individuellen Domainnamen erst auf dritter Ebene leben muss. Außerdem darf WordPress.com dann Werbung in die Seiten der User einblenden. Erst wenn man in den Premiumdienst wechselt, ist eine eigene Domain möglich. Auch extern registrierte Domains lassen sich dann nutzen.

Gemessen an der Anzahl an Usern, die Blogs und Websites unter wordpress.com besuchen, gehört Automattic zu den größten Internetunternehmen:

Unique User monatlich
(nur USA)
Anzahl
Mitarbeiter
Google.com 256 Mio 98.771
Facebook.com 216 Mio 35.587
Amazon.com 206 Mio 647.500
Twitter.com 144 Mio 3.920
WordPress.com 142 Mio 887
eBay.com 107 Mio 14.000
Quelle: comScore und Automattic,
zitiert nach Automattic-Website
Stand Mai 2019

Inzwischen bietet wordpress.com fünf Tarife im Premiumbereich an. Sie reichen von 3 bis 45 Euro im Monat, wobei in den Tarifen Premium, Business und E-Commerce auch Bezahlfunktionen integriert sind. Allerdings kann man im Premium-Tarif (8 Euro/Monat) noch keine eigenen Plugins installieren. Man ist auf die beschränkt, die WordPress.com vorinstalliert hat.

Was bekommt man in der Regel an Zusatzservices bei einem speziellen WordPress-Hosting-Tarif?

Setup

Die meisten entsprechenden Produkte dürften beinhalten, dass WordPress bereits in einer aktuellen Version aufgesetzt ist. Einige User stellt die Installation möglicherweise tatsächlich vor eine Hürde. Diese kann aber durchaus überwunden werden. Dafür ist aber die Bereitschaft nötig, sich mit einigen grundlegenden Technologien und Funktionsweise auseinanderzusetzen. Zudem bieten viele Provider ein automatisches Setup als Service an, auch für WordPress, neben viele anderen populären Webanwendungen wie Drupal, Joomla, ownCloud, TYPO3 etc.

Updates

Man muss als Seitenbetreiber, der WordPress nutzt, mit häufigen Updates von Komponenten oder dem Gesamtsystem rechnen. In der jüngeren Vergangenheit sind die Takte schneller geworden. Manchmal muss man dafür einige Vorkehrungen treffen (z.B. ein Backup erstellen), wovor einige User zurückschrecken.

Dies ist heute aber viel einfacher als in früheren WordPress-Tagen möglich. Viele kleinere Updates lassen sich ohne Zutun automatisch einstellen, von Haus aus, ohne dass es einen extra Service bedürfte.

Was bei einem Managed WordPress Hosting Service oft auch geleistet wird, ist, die Themes und Plugins mit upzudaten, die von den WordPress-eigenen-Updateroutinen noch nicht erfasst werden. Dies ist aktuell noch eine Lücke, die WordPress selbst aber wohl bald schließen wird.

Weithin gefürchtet war der White Screen of Death: Nach einem Update lief die WordPress-Site plötzlich nicht mehr, weil ein Plugin inkompatibel ist. Inzwischen fängt WordPress einige Probleme ab. Nun kann sich der Administrator trotz eines Fehlers einloggen und via WordPress-Dashboard die Probleme lösen. Ältere Plugins, die nicht mehr mit der aktuellen PHP-Version funktionieren, lassen sich gar nicht mehr installieren.

Performance-Optimierung

Unter Umständen kann dies ein wichtiger Punkt sein. WordPress Hosting sollte für WordPress auch in Sachen Seitenladegeschwindigkeit optimiert sein, z.B. durch die Verwendung der Webserversoftware NGINX statt des weitverbreiteten Apache-Webservers. NGINX wird nachgessagt, im WordPress-Kontext schneller zu arbeiten. Oder es wird ein Cache standardmäßig angeboten.

In der Praxis gibt es aber viele andere Performance-beeinflussende Faktoren. Abgesehen vom Content (Theme, Plugins…) können das auch Speicherkonfigurationen sein oder die Art und Weise wie die Datenbank angesprochen wird. Mit einem Managed Service besteht zumindest die Chance, hier zu optimieren.

Backup

Regelmäßige Backups sind wichtig, allerdings gilt dies nicht nur für WordPress. Dazu gehört auch, dass es Rücksicherungsmöglichkeiten gibt. Natürlich sind Backups lästig und man neigt dazu, diese Aufgabe zu vernachlässigen. Insofern ist es gut, wenn ein Dienstleister oder Provider die Backups herstellt und vorhält. Die Frage ist dennoch, ob man sich darauf verlassen kann oder will. Es gibt Plugins, die automatisiert Backups herstellen. Ansonsten kann man auch einfach Snapshots herstellen, wenn es sich um eine virtuelle Maschine handelt oder der komplette Webspace plus Datenbanken werden vom Provider gesichert.

Cronjobs

Regelmäßige, automatisierte Aufgaben gehören zu den häufigsten Anforderungen, wenn man eine Website betreibt. Dies ist auch nicht WordPress-spezifisch.

Lock-in Effekt

Manche Features und Möglichkeiten müssen mit Einschränkungen “erkauft” werden. Damit der Provider den Dienst sinnvoll und wirtschaftlich erbringen kann, müssen Standards definiert werden, die eingehalten werden müssen, damit die Routinen funktionieren können. So sind Inkompatibilitäten mit exotischen Erweiterungen (Plugins) nicht ausgeschlossen.

Zudem kann es zum Problem werden, die komplette Installation auf einen anderen Server zu verschieben, wenn man den Anbieter wechseln möchte.

Fazit

WordPress ist freie Software, die von Tausenden freiwilligen Mitarbeitern erstellt worden ist. In jüngerer Zeit arbeitet der kommerzielle Arm, WordPress.com/Automattic an einer verstärkten Monetarisierung der Software. Glücklicherweise sehen wir aktuell noch keine funktionalen Nachteile, im Gegenteil. Die WordPress-Software (von wordpress.org) ist auf Open-Source-Technologien aufgebaut (PHP, SQL-Datenbank) und entwickelt sich rasch weiter, auch wenn einige Produkt- und Personalentscheidungen so gefallen sind, dass das Unternehmen Automattic davon profitiert.

Auf dediziertes WordPress-Hosting sollten eventuell diejenigen setzen, denen höchste Betriebssicherheit wichtig ist und das entsprechende Know How nicht im Haus ist. Das dürfte im Bereich E-Commerce wichtiger sein als im Falle eines privaten Blogs oder einer generischen Corporate Site eines kleinen Unternehmens oder eines Vereins. Bei Shops oder Sites, die viele Userinteraktionen fordern oder anbieten, spielt auch Performance einige wichtige Rolle.

Meiner Meinung nach lohnt es sich nicht, auf eine Managed-WordPress-Variante zu setzen, wenn man sich im Stadium der Professionalisierung befindet. Der Aufwand, sich einige technische Dinge anzueignen, ist überschaubar und rechtfertigt keine hohen Mehrkosten. Wenn WordPress zum gleichen Preis vorinstalliert ist, kann man gerne diese Variante verwenden, sollte sich aber mittelfristig mit dem WordPress-System vertraut machen. Man wird in Form von gewonnener Flexibilität und Entwicklungsfähigkeit belohnt.

Außerdem kann man damit rechnen, dass der Umgang mit WordPress noch leichter wird. Die Entwicklungspolitik lässt erkennen, dass WordPress in einen Bereich vordringen möchte, der aktuelll von Homepagebaukästen wie Wix, Jimdo oder Squarespace besetzt ist. Auch die Sicherheit rückte in letzter Zeit stärker in den Mittelpunkt der Weiterentwicklung.

Wer einen eigenen Server betreibt und Plesk als Admintool (Hosting-Panel) verwendet, kann auch eine Extension verwenden, das „WordPress-Toolkit“, das von Plesk entwickelt worden ist und Setup bzw. Backup und Updates per Klick im Backend möglich macht. Dies ist in den verschiedenen Varianten von Plesk inklusive.




Wozu gibt es den Menschen Medien Technologie – Podcast?

Ich bin der Meinung, dass sich der technologische Wandel sehr schnell vollzieht. Das ist als Erkenntnis inzwischen überall angekommen und kein Geheimnis mehr, aber viele stehen diesen Entwicklungen, der “Digitalisierung” wie man gerne so schön sagt, reserviert bis ablehnend gegenüber. Ich bin der Meinung, das Mediensystem, das wir haben, informiert nicht besonders gut über digital-technologische Themen.

Markus Käkenmeister mmt Podcast Menschen medien Technologie
mmt – Menschen Medien Technologie Podcast – jede Woche eine neue Episode auf itunes, Stitcher, Spotify und zu abonnieren als RSS-Feedhttps://menschenmedien.technology

Wenn man sich die Berichterstattung ansieht, wie etwa zu Anfang des Jahres mit dem Promi-Doxing, dann wird das deutlich. Was da an Blödsinn verbreitet wurde, war manchmal nicht zu fassen. Ähnlich uninformiert sind Beiträge im Zusammenhang mit Datenschutz oder Urheberangelegenheiten. Google, Facebook, Amazon werden aktuell zu mafiösen Betrügern stilisiert.



Manchmal scheitert es schon an der medialen Umsetzung eines Themas, zum Beispiel an der Bebilderung: Geht es um Hacking wird immer ein Role Model im Hoodie vor einem Screen mit vier Linuxkonsolen gezeigt, im Dunklen.

Es handelt sich oft auch um Informationsprodukte, die eigene Interessen haben, wenn sie darüber berichten. Ein Stichwort: Leistungsschutzrecht. Noch ein Stichwort: Urheberrecht. Da hat ein Großverlag, ein Konzern, dafür gesorgt, dass dies gesetzlich in Deutschland durchgedrückt wird. Nun gibt es eben ein Gesetz, das News-Suchmaschinen und News-Aggregatoren verbietet – de facto unmöglich macht. Wenn Google News weg ist, gibt es kein neues Tool dafür. Denn dieses würde gegen geltendes Recht verstoßen, so lange keine Lizenzen eingeräumt werden würden. Für eine kleine News-Suchmaschine würde kein Verlag eine Lizenz geben, kostenlos schon gar nicht. Ergebnis dieses politischen Handelns: Potential an Innovation zerstört.

Deswegen habe ich einst diesen Podcast ins Leben gerufen, um ein paar Anmerkungen zuzusteuern: Ein anderer, natürlich auch nicht objektiver Blick, auch weil es keine absolute Objektivität geben wird. Ich arbeitete einst in der klassischen Medienbranche, habe Zeitung und Radio gemacht, wechselte im Jahre 2000 in „Digitale“, wenn man so will und beschäftige mich seither als Content-, Produkt- und Online-Marketingmanger mit digitalen Produkten und Services, viel auch mit dem, was als Cloud benannt ist, Domainnamen, Hosting, Server. Ich denke, die Branche, kenne ich ein wenig, gut genug, um Dinge und Geschehnisse zu beurteilen, denke ich.

?? Zum Menschen Medien Technologie Podcast

Diesen Podcast hörst du jede Woche mit einer neuen Episode via iTunes, Stitcher, auf Spotify. Natürlich ist er auch per RSS zu abonnieren und damit völlig trackingfrei für den Podcatcher deiner Wahl. Jede Episode dauert so 20 bis 30 Minuten. Gelegentlich sind Interviewpartner dabei.




WordPress 5 mit Gutenberg ist da – erste Erfahrungen

Je nachdem wie man es sieht: WordPress ist als Content Management System sehr weit verbreitet. Es gibt Schätzungen, die von 60 Prozent ausgehen, hochgerechnet von w3techs.com auf Basis der eine Million sichtbarstem Websites (laut alexa.com). Konservativere Schätzungen gehen aktuell von etwas mehr als 30 Prozent aus. Tendenz steigend. Das heißt: WordPress ist für das Web wichtig.



Hinter WordPress steht eine Stiftung, die unter WordPress.org erreichbar ist und nicht mit WordPress.com zu verwechseln ist. WordPress.com ist ein gehostetes, kommerzielles Angebot eines Unternehmens names Automattic Inc., dessen CEO Matt Mullenweg ist. Matt Mullenweg ist zudem Mitbegründer von WordPress, der Open-Source-Variante und in diesem Kontext auch Chefentwickler. 

TinyMCE abgelöst

Ursprünglich war WordPress vorwiegend für Blogger interessant, die alleine oder mit überschaubar vielen Leuten eine von der Aktualität getriebene, meist thematisch sehr fokussierte Website betrieben haben. Dank der Architektur von WordPress konnten viele Entwickler Funktionen und Designs beitragen, die als „Plugins“ und „Themes“ die Grundinstallation von WordPress in jede nur denkbare Richtung erweitern. Daher gibt es mittlerweise zehntausende von Plugins und Themes. 

Kern einer Content-Management-Anwendung, zu der WordPress im Laufe der Zeit wurde, ist der Eingabeeditor. Für WordPress benutzte man bisher TinyMCE, ebenfalls unter einer Open-Source-Lizenz für jeden verfügbar.  Daher ist TinyMCE auch in vielen anderen Projekten integriert. 

Nach 20 Jahren wurde es, so befand man bei WordPress, Zeit für etwas Neues. Die Entwicklung eines neuen Eingabeeditors wurde vorangetrieben, vor allem auch von Matt Mullenweg selbst. Der Wechsel sollte wie ein Paradigmenwechsel sein. Daher auch der hochgegriffene Name für den neuen Eingabeeditor: Gutenberg. Ist der Wechsel so bedeutend wie die Erfindung des Buchdrucks um 1440 n.Chr. durch Johannes Gutenberg ?  

Diskussionen um Gutenberg

Dass dies nicht ohne (heftige) Diskussionen abging war klar. Nicht jeder sieht die Notwendigkeit, ein funktionierendes System zu verändern. WordPress ist extrem weit verbreitet, gilt aber eher als konservativ. Möglicherweise ist dies der Preis für die einfache Bedienbarkeit, die hohe Flexibilität und Anpassbarkeit sowie die schnelle und kostenlose Verfügbarkeit.

Gutenberg war „von oben“ gewollt und wurde Realität. Nun ist der neue Editor Bestandteil der Grundinstallation. Mit Rücksicht auf langjährige User steht der klassische Editor noch einige Jahre lang als Plugin zur Verfügung. Zum Thema WordPree haben wir auch eine Podcast-Episode aufgezeichnet, zu einer Zeit als sich Gutenberg deutlich abzeichnete (Veröffentlichung am 17.12.2017) 

Menschen Medien Technologie Podcast Episode #29 vom 17.12.2017, Interview mit WordPress-Experte Marc Nilius (ca. ab Minute 14:50)

 Die Einführungsphase war recht lange und sanft. Die Macher und Entwickler haben sehr auf Kompatibilität mit anderen Plugins und Themes geachtet. Es wurde viel mit der Usability gerungen. Bei vielen WordPress-Veranstaltungen war Gutenberg stets ein kontroverses Thema. 

Gutenberg ist zwar Teil des sogenannten WordPress-Cores, gehört also von der Definition her zu den Grundfunktionen, ist aber über ein Schnittstellenkonzept eingebunden. Diese Architektur ermöglicht es, andere Plattformen anzusprechen. So kommunizieren auch Mobile Apps oder andere Anwendungen mit der WordPress-Installation. 

Gutenberg-Editor in WordPress 5

Mittlerweile konnte man einige praktische Erfahrungen mit Gutenberg sammeln. In der Praxis, beim Erstellen neuer Beiträge im Blog, gewöhnt man sich schnell an die etwas veränderten Eigenschaften. Bisher bestand ein Beitrag aus einer Einheit. Mit dem klassischen Editor hat man einen Beitrag verfasst wie ein Word-Dokument: Ein Beitrag besteht aus Überschriften, Unterüberschriften, Texten, Bildern und Grafiken und einigen Einbettungen wie Videos, Verweise auf Social Media Posts, vielleicht einer Bildergalerie und ähnlichem. 

Wesentliche Neuerung: Die Blöcke

Bei Gutenberg sind diese Beiträge in Blöcke untergliedert. Jede Überschrift, jeder Absatz, jedes Bild bildet einen neuen Block. Man fügt keinen Absatz hinzu, sondern einen Block. Dies hat den Vorteil, dass man die Bestandteile einfacher umsortieren, das heißt: verschieben, kann. Es ist kein Copy/Paste mehr nötig, sondern nur noch ein Klick. Dies funktioniert visueller. Der Zugriff auf diverse Art von Inhalten ist nun einfacher. Blöcke können zudem wiederverwendet werden, indem man vorher abgespeicherte Blöcke erneut einfügen kann. 

Außerdem kann der User nun verschiedene Formate für Text verwenden. Bisher war man auf einen einheitlichen, vom Theme vorgebenen Stil festgelegt. Nun kann man die Textgröße ändern, die Textfarbe und die Hintergrundfarbe, und zwar pro Block. 

Intern werden die Blöcke durch extra Auszeichnungen in einem Beitragsdokument verwaltet. Das Format dieser Auszeichnungen erinnert an Kommentare in PHP-Skripten: „<!– hier steht das Schlüsselwort –>“. Danach folgen HTML-Tags wie zum Beispiel „<p>“, um das Format des Blocks festzulegen.

So sieht der Code von Gutenberg aus. Blöcke werden mit Tags (Auszeichnungen) markiert.
Beispiel für eine Codeansicht eines Blocks. „wp:paragraph“ leitet einen Absatz ein, „wp:heading“ eine Überschrift. 

So werden die Blöcke in einem Beitrag gekennzeichnet und abgegrenzt. Die einzelnen Blöcke werden also nicht, wie man es zunächst vermuten könnte, als einzelner Eintrag in die Datenbank geschrieben, sondern nach wie vor als ein Eintrag mit zusätzlichen (nicht sichtbaren) Auszeichnungen. Beim Anzeigen und Bearbeiten werden diese Kennzeichnungen interpretiert.

Kompatibilität

Diese einfache und doch elegante Art, Blöcke zu kennzeichnen, gewährleistet gute Kompatibilität. Auch externe Editoren wie Notepad++ lassen sich so problemlos verwenden.  Viele User werden längere Texte mit einem Textverarbeitungsprogramm erstellen und dann per Copy/Paste einfügen. Dann übernimmt Gutenberg die Umwandlung der Absätze in WordPress-5-Blöcke. 

Mit dem Betätigen der Enter-Taste in Gutenberg erstellt sich ein neuer Block. Daher ist das Arbeiten, insbesondere das Eingeben von Text recht nah am Verhalten des bisherigen klassischen Editors. 

Es stehen viele Blockformate zur Verfügung, die in mehrere Gruppen aufgeteilt sind: Allgemeine Blöcke, Inline-Elemente (z.B. Bilder im laufenden Text), Formatierungs- und Layoutelemente, Elemente vom Jetpack-Plugin, Widgets und Einbettungen oder Shortcuts. 

Für die Zukunft sollen noch weitere Bereiche als Blöcke behandelt werden. Die Widgets zählen dazu und auch Teile des Customizers, mit dem sich Themes anpassen lassen. Dies wird auf den von Matt Mullenweg für 2019 definierten Prioritäten und Projekten für WordPress deutlich. 

Fazit

Der Name Gutenberg klingt groß. So revolutionär anders ist die WordPress-Welt nach der Integration des neuen Editors in die weit verbreitete Content Management Web-Anwendung nicht. Doch WordPress wird sich weiter verändern. Die Orientierung an Contentblöcken in Beiträgen ist nur der Anfang. 




Wie viele Leute hören eine Podcast-Episode?

Oft habe ich den Eindruck, Podcast-Produzenten wissen einfach nicht, wie viele Leute ihre Episoden hören. Sehr grob werden da Hörerzahlen in den Raum geworfen. Manchmal bescheidet man sich mit 3.500 bis 10.000 Hörern pro Episode, gern fallen aber auch mal Werte um 150.000.

Diese Zahlen dürften auf Schätzungen und Hochrechnungen beruhen. Hat man Zugriff auf einen Webserver und hostet die Audiodateien da, hat man in der Regel  auch Zugang zu den Protokolldateien, den Logfiles. Diese kann man gezielt auswerten, um die Abfrageanzahl pro Datei zu ermitteln. Excel oder andere Analysetools leisten hier wertvolle Hilfe. Wir versuchen das mal mit Excel.

Anders als bei der klassischen Webanalyse gibt es kaum standardmäßge Analysetools, um die Nutzung von On-Demand-Audio-Content zu erfassen.
Auch im Rundfunkbereich, im klassischen Radio, ist die Ermittlung der Anzahl erreichter Hörer hinreichend problematisch. In diesem Sektor versucht man, mittels groß angelegter Umfragen die Hörerzahl zu ermitteln. Die Daten basieren weitgehend auf der Erinnerungsfähigkeit der befragten Personen. Die kleinste zeitliche Einheit ist eine viertel Stunde. Im Zuge einer Erhebung werden die Befragten gebeten, alle 15 Minuten ihre Mediennutzung zu protokollieren.

Wie misst man die Nutzung von Audiomedien?

Versuche der elektronischen, nicht reaktiven Erfassung, z.B. durch eine Armbanduhr, die die Umgebungsgeräusche einschließlich eventuell vorhandener Radioklänge scannt, sind gescheitert.

Ein sehr breit angelegtes populäres Radioprogramm wie WDR 1Live (NRW) kommt auf durchschnittlich etwas mehr als eine Million Hörer pro Stunde (6 bis 18 Uhr) nach dieser Erhebungsmethodik. Ein auf eine Stadt begrenzter Sender kommt typischerweise auf 30.000 bis 40.000 Hörer pro Stunde.

Allerdings muss man hier die leichte Zugänglichkeit und die Gewohnheitseffekte mit einbeziehen.

Radionutzung Quelle radioszene.de, Ag.ma 2017
Die reichweitenstärksten Radiosender in Deutschland 2017, Hörer pro Durchschnittsstunde in 1.000, Mo-Fr., Quelle: http://www.radioszene.de/101798/media-analyse-ma-2017-radio-i.html

Dabei fällt auf: Unter den 100 reichweitenstärksten Radiosendern in Deutschland gibt es nur Musikprogramme, auch wenn manche einige Talkelemente und längere Talkstrecke einbauen.

Das kann man auf zweierlei Arten interpretieren: Entweder lässt die deutsche Radiolandschaft eine wahnsinnige Lücke und die Hörer wollen Leute reden hören, was aber nicht erfüllt wird oder es gibt nicht wirklich so viele Podcasthörer, so dass diese sich pro Episode gleich in 10.000er Schritten messen lassen könnten.

Klar ist aber auch, dass man die großen Zahlen der per Demoskopie erhobenen Reichweiten auch ernstlich in Zweifel ziehen kann. Eignet sich das Verfahren noch, um die Realität abzubilden? Darüber wird in einschlägigen Foren heftig diskutiert.

Statistik: Wie oft nutzen Sie Podcasts, egal in welcher Form? | Statista
Wie oft und in welcher Frequenz Podcasts genutzt werden.

Mit dem gleichen Instrumentarium kann man auch versuchen, Podcasthörer zu erfassen. Das hat man auch tatsächlich getan und ermittelt damit Hörer- und Nutzerzahlen in der Größenordnung von 7,5 Millionen in Deutschland. 

Quelle: Statista

In dieser Grafik erscheint die Säule „nie“ überwältigend hoch. Allerdings heisst dies, 55 Prozent der Befragten hören Podcasts täglich, mehrmals pro Woche einmal im Monat oder seltener.

Ähnliche Daten zeigt die ARD/ZDF-Onlinestudie in Bezug auf Podcasts.

Die Podacst-Anbieterlandschaft ist sehr heterogen.

Podcast-Hörerzahlen für einen Podcast kann man technisch sehr gut messen

Im Prinzip gibt es zwei Ansätze, um die Anzahl der Hörer pro Podcast-Episode zu schätzen.

Man versucht über die Interaktion auf Web- oder App-Oberflächen eine Vorstellung davon zu gewinnen, ob ein Audioelement abgerufen wird. Man könnte also über Javascript oder ähnliche Frontendscriptsprachen zählen, wie oft der Play-Button gedrückt wird – und entsprechend der Pause- oder Stop-Button.

In ähnlicher Weise könnte man feststellen, wie oft ein Beitrag gesucht, gefunden und in der Suchergebnisliste geklickt wird. Oder man versucht die Anzahl an Bewertungen und Likes etc. als Maßstab heranzuziehen. All das dürfte hinreichend ungenau sein.

Ich bin sicher, viele Angaben, die einige Podcaster so in die Diskussion werfen, beruhen auf dieser oder einer ähnlichen Herangehensweise. Wahrscheinlich werden die Zahlen übertrieben, genau wie die Anzahl an Ad Impressions in der Online-Branche immer übertrieben worden ist bis sich herausstellte, dass man auch Bannereinblendungen mitzählt, die kein Mensch sieht. Diese systematischen Überschätzungen gehören wohl zum Handwerkszeug, tun aber eigentlich niemandem gut.

Aussagekräftiger scheint es mir zu sein, wenn man herauszufinden kann, wie oft eine Datei – eben eine Audiodatei im m4a- oder mp3-Format vom Server abgerufen und übermittelt wird.

Die meisten Podcastanwendungen rufen die angeforderten Audiodateien nach Bedarf ab. Das Szenario: Der Nutzer kommt über eine Suche oder einen externen Link auf die Verknüpfung in iTunes oder Stitcher. Er oder sie möchte die Datei abspielen, sich eine Episode anhören, so dass die Anwendung auf dem Endgerät den Server kontaktiert, auf dem die Audiodatei tatsächlich liegt.

Das kann ein anderer Dienst sein wie Soundcloud oder es kann ein eigener Linuxserver sein, auf dem ein Webserver läuft. Dies ist für eine genauere Analyse sicherlich die beste Voraussetzung, da man dann Zugriff auf die Protokollierungsdateien des Webservers hat, auf die sogenannten Logfiles.

Der sehr gebräuchliche Apache-Webserver protokolliert standardmäßig jeden einzelnen Zugriff auf Dateien in diesen Logfiles, sofern der Administrator dies nicht ausgeschaltet hat. Meist werden diese Rohdateien aus ökonomischen oder datenschutzrechtlichen Gründen nur eine bestimmte Zeit lang vorgehalten. Die Logfiles werden geschrieben, egal, ob es sich um ein Webhosting-Produkt handelt, auf dem die Daten liegen oder auf einem Cloud-Server. Manchmal ist das Logging ausgeschaltet, zum Beispiel auf dem S3-Service von Amazon AWS. Hier ist beschrieben, wie es aktiviert werden kann.

Logfiles sind im Grunde einfache Textdateien, die man sich mit einem Texteditor wie Notepad++ oder auch dem Editor von Windows ansehen kann. Je nach Nutzungsintensität können diese Dateien allerdings sehr groß sein.

Jede Aktivität des Servers wird hier festgehalten, also auch die Anforderung einer Audiodatei durch eine Webseite, eine App oder eine andere Anwendung auf einem Gerät wie Apple TV. Dies ist der Ansatzpunkt für eine Zählung: Wie oft wurde eine Audiodatei in einem Zeitraum mit http-Get angefordert – und mit welchem Ergebnis?

Leider kann man Anforderung und Nutzung (also das Anhören) nicht 1:1 gleichsetzen. Wenn man Podcasts abonniert, schaut die Anwendung in regelmäßigen Abständen nach, ob sich der Feed geändert hat, der den Podcast beschreibt.

Wenn er sich ändert, ist eine neue Episode erschienen und der Beitrag wird ohne weitere Userinteraktion heruntergeladen, damit der Nutzer sich die Audiodatei anhören kann und nicht über das Mobilfunknetz zugreifen muss, wenn er im Auto, in der Bahn, im Bus oder wo auch immer diese neue Episode anhören möchte.

Nach der Veröffentlichung einer Podcastepisode wird man also zahlreiche Downloads registrieren. Dies kann einen Hinweis auf die Anzahl der Abonnenten geben. Allerdings kann man nicht davon ausgehen, dass tatsächlich kurz nach dem Hochladen und Neugenerieren des Podcastsfeed alle Downloads abgefrühstückt werden. Es dauert ehe die Endgeräte diese Änderung registrieren (sie sind ausgeschaltet, die App ist nicht aktiv oder der Feed-Abruf ist nicht so hoch frequentiert). Nach meiner Erfahrung zieht sich der Download durch die Abonnenten immer etwas hin. Wenn die Geräte gerade nicht im WLan sind, ziehen sie sich die Datei normalerweise auch nicht. Dem User wird dann meist nur signalisiert, dass eine neue Episode erscheinen ist. Er oder sie kann dann entscheiden, ob das wertvolle LTE-Inklusivvolumen dafür eingesetzt werden soll oder nicht.

Wenn man eine Logdatei in einem Texteditor aufruft, wirkt die Darstellung sehr unstrukturiert. Allerdings täuscht das. Die Daten sind sehr strukturiert.
Jede Serverbetriebssystemvariante schreibt die Einträge leicht unterschiedlich, aber letztlich ist immer wieder die folgende Anordnung anzutreffen. So sieht eine Zeile, also ein einzelner Logfile-Eintrag aus:

54.193.xxx.yyy - - [03/Dec/2017:19:54:25 +0100] "GET /podcasts/feed.xml HTTP/1.1" 200 96860 "-" "Go-http-client/1.1"

Welche Informationen stecken da drin?

Von links nach rechts gelesen finden wir, getrennt jeweils mit Leerzeichen folgenden Angaben:

  • die IP-Adresse (oben im Beispiel anonymisiert)
  • danach folgen zwei in der Regel unbelegte Spalten, repräsentiert mit dem Zeichen „-“
  • Datum in eckigen Klammern im Format Tag, Monat, Jahr, Stunde, Minute, Sekunde und Zeitzone
  • Anforderung (request) in Anführungszeichen mit Angabe des Pfades und der Datei, angehängt wird das Protokoll, hier http/1.1
  • Ergebniscode, den der Server generiert. 200 bedeutet OK.
  • Datenmenge in Bytes
  • Falls mitgeteilt, der Referrer in Anführungszeichen, ansonsten steht hier wieder das Zeichen „-“
  • User-Agent (hieraus gewinnt man auch einige Informationen über den anfragenden Client)

In diesem Beispiel sieht man also, dass am 3.12.2017 um 20:54 Uhr MEZ jemand – wahrscheinlich ein Gerät automatisch – mit einer Anwendung, die vermutlich mit der Programmiersprache Go realisiert wurde auf die 97 KB große Datei „feed.xml“ zugegriffen hat und diese Datei erhalten hat.

Auf diese Weise findet man auch heraus, wie oft erfolgreich auf eine bestimmte Audiodatei (Format üblicherweise mp3 oder m4a) zugegriffen wurde.

Wir müssen also wissen, welchen Namen die Audiodatei hat. Dann kann man zum Beispiel mit Notepad++ kurz einmal danach suchen und die Anzahl der Vorkommen in der Logdatei zählen lassen.

Wesentlich bequemer ist es, die Analyse mit einem Programm wie Excel, R, SPSS (oder dem open-Source-Pendant PSPP) auszuführen. Auch Google Docs eignet sich und kostet nichts.

Bei den Logfiles handelt es sich um einfache Textdatei. Viel Filterung beim Importieren ist nicht notwendig. Bei Excel würde der Importvorgang so aussehen:

  1. Datei von Server herunterladen, per FTP oder SCP (Shell, SSH).
    Man findet diese Logfiles meist eine Ebene über dem Document Root in einem Verzeichnis namens „logs“ oder ähnlich.
  2. In Excel in einer leeren Tabelle auf Zelle A2 klicken, damit der Import hier beginnt. Die erste Zeile bleibt leer. Hier muss später die Überschrift hinein. Menüpunkt „Daten“ klicken.

    Mit MS Excel lassen sich Logfiles gut importieren.
    In Excel den Tab „Daten“ klicken und „Aus Text“ wählen.
  3. „Aus Text“ wählen
    Die gewünschte Datei im Dialogfenster wählen und importieren. Wenn die herutnergeladene Datei nicht sichtbar wird, den Dateifilter anpassen auf „*.*“ oder nach „*log*“ filtern.

    Excel Import Logfiles
    Logfiles haben oft keine Dateiendung. Daher sollte man den Filter anpassen.
  4. Im folgenden Dialog die Option „Getrennt“ wählen, nicht „feste Breite“ und weiter klicken.

    Excel Text Import für Logfiles mit Trennzeichen "Leerzeichen"
    Die Daten der Logfileeinträge sind mit Leerzeichen getrennt. Das Zeichenformat ist ASCII
  5. Im nächsten Schritt „Leerzeichen“ als Trennzeichen wählen. Wenn man will, kann man auch die öffnende eckige Klammer ( [ ) als Trennzeichen angeben. Das Datum wird dann von der Zeitzone abgegrenzt. Bitte darauf achten, dass der Textqualifizierer angegeben ist, damit die Zeichenkette für den Request nicht durchschnitten wird. Dann auf weiter klicken.

    Import Logfile Daten IP Adresse als Text
    Die Daten der Logfileeinträge sind mit Leerzeichen getrennt. Das Zeichenformat ist ASCII
  6. Die erste Spalte nicht als Standard, sondern als Text importieren. Sonst macht Excel aus der einen oder anderen IP Adresse ein Datum. Das ist störend beim Filtern und Pivotisieren.

    Textimport IP Adresse
    Die IP-Adresse sollte als Text importiert werden, damit die Zeichenkette nicht falsch interpretiert wird.
  7. Nun noch den Import fertigstellen. Das letzte Dialogfenster mit OK bestätigen.
  8. Nun sollte die Datei importiert sein. Spalte B und C kann man löschen.

Wer will, kann mit geeigneten Formeln die Datumsangabe umformen, um zeitliche Abgrenzungen besser vornehmen zu können. Excel erkennt dieses Format nicht.

Das richtige Datumsformat erzeugen

Man braucht eine Formel, die die Datumsinformationen in ein in Excel verwendbaren Format schreibt. Störend ist vor allem die englische Benennung der Monate mit einer deutschen Excelversion. Man müsste also die Monatsnamen mit den deutschen Entsprechungen ersetzen. Dann erkennt Excel das Datum und man kann beispielweise nach Zeiträumen filtern. Dies überspringen wir hier. Man könnte das dadurch lösen, dass man manuell den Datumsbereich ausschneidet und in eine extra Tabelle kopiert.

Die richtigen Informationen zur Podcast-Episoden-Datei finden

Beim Suchen nach den Einträgen im Logfile, die die Dateizugriffe auf Audioinhalte dokumentieren, sollte man nicht nur den Namen kennen, besser auch den Speicherort, also die Pfadangaben.

In dem von mir verwendeten Contentmanagementsystem werden die Dateien unter podcasts/media abgelegt und der Request sieht so aus

37.24.xxx.yyy 20/May/2017:19:24:53 GET /podcasts/media/2017-05-12_podcast2017_folge_0.mp3 HTTP/1.1 206 2339 - AppleCoreMedia/1.0.0.14E304 (iPhone; U; CPU OS 10_3_1 like Mac OS X; de_de)

Allerdings erkennt man, dass die große Audiodatei nicht auf einen Schlag heruntergeladen wird, sondern in Teilen. Der Server antwortet nicht mit dem Code 200, sondern mit 206. Das steht für „partial content“, also einen teilweisen Download.

Wenn die Audiodatei angehört wird, wird nur der jeweils nächste Teil geladen. Wir die Datei komplett geladen, ist der letzte Eintrag mit dem Statuscode 200 („OK“) versehen.

Der Download einer Datei besteht also in der Regel aus mehreren Einträgen im Logfile und sieht so aus, beispielsweise:

 37.24.xxx.yyy 20/May/2017:19:24:53 GET /podcasts/media/2017-05-12_podcast2017_folge_0.mp3 HTTP/1.1 206 2339 - AppleCoreMedia/1.0.0.14E304 (iPhone; U; CPU OS 10_3_1 like Mac OS X; de_de)
 37.24.xxx.yyy 20/May/2017:19:25:08 GET /podcasts/media/2017-05-12_podcast2017_folge_0.mp3 HTTP/1.1 206 13741009 - AppleCoreMedia/1.0.0.14E304 (iPhone; U; CPU OS 10_3_1 like Mac OS X; de_de)
 37.24.xxx.yyy 20/May/2017:19:25:49 GET /podcasts/media/2017-05-12_podcast2017_folge_0.mp3 HTTP/1.1 206 164526 - AppleCoreMedia/1.0.0.14E304 (iPhone; U; CPU OS 10_3_1 like Mac OS X; de_de)
 37.24.xxx.yyy 20/May/2017:19:24:53 GET /podcasts/media/2017-05-12_podcast2017_folge_0.mp3 HTTP/1.1 206 1851869 - AppleCoreMedia/1.0.0.14E304 (iPhone; U; CPU OS 10_3_1 like Mac OS X; de_de)
 37.24.xxx.yyy 20/May/2017:19:25:03 GET /podcasts/media/2017-05-12_podcast2017_folge_0.mp3 HTTP/1.1 206 5519437 - AppleCoreMedia/1.0.0.14E304 (iPhone; U; CPU OS 10_3_1 like Mac OS X; de_de)
 37.24.xxx.yyy 20/May/2017:19:25:06 GET /podcasts/media/2017-05-12_podcast2017_folge_0.mp3 HTTP/1.1 206 782985 - AppleCoreMedia/1.0.0.14E304 (iPhone; U; CPU OS 10_3_1 like Mac OS X; de_de)
 37.24.xxx.yyy 20/May/2017:19:25:49 GET /podcasts/media/2017-05-12_podcast2017_folge_0.mp3 HTTP/1.1 200 5850240 - AppleCoreMedia/1.0.0.14E304 (iPhone; U; CPU OS 10_3_1 like Mac OS X; de_de)

Diesen Block könnte man als einen Hörer interpretieren.

Wir wissen aus den Logfiles nicht mit Sicherheit, ob es sich um einen Abonnenten gehandelt hat und die Datei deswegen heruntergeladen wurde, oder ob der User sich das zeitgleich anhörte. Wir könnten uns nur ansehen, wie die Downloads der einzelnen Blöcke zeitlich auseinanderliegen.

Es handelt sich in diesem Beispiel um einen Abstand im Sekundenbereich. Also darf man interpretieren, die Datei wurde im Rahmen eines Abonnements geladen. Das zeigt auch er user-Agent Eintrag „AppleCoreMedia“. Es handelt sich um ein iPhone mit IOS 10.3.1.

Es werden sich in der Logdatei sehr viele solcher Einträge finden.

Wir müssen also diese Einträge auf einen Betrachtungszeitraum über die Datumsangabe begrenzen, passend mit dem Pfad- und Dateinamen filtern und dann Mehrfacheinträge anhand identischer IP-Adressen zu einem zusammenfassen.

Das geht mit der Pivot-Funktion in Excel sehr gut. Um sich das Leben leichter zu machen, kann man die vorgefilterte Tabelle kopieren und die Werte in einer neuen Tabelle einfügen, die dann Grundlage für die Pivot-Darstellung ist. Ich würde empfehlen, dabei alle mp3- oder m4a-Dateien zu filtern, nicht nur eine Datei. So kann man dann das Request-Feld als Filter benutzen und sich mehrere Dateien ansehen.

Um an die oben dargestellten Importschritte wieder anzuknüpfen: Wenn man eine Pivotdarstellung mit Excel ausführen möchte, muss man in die freigelassene erste Zeile A nun Überschriften für jede Spalte schreiben, zum Beispiel A: IP Adresse, D: Datum, E: Zeitzone, F: Request, G: Code, H: Bytes, I: Referrer, J: User-Client.

 

Setzt man nun den Curor in die Zelle A1, in der „IP Adresse“ steht, kann man die Pivotdarstellung erzeugen, und zwar mit „Einfügen“ > „Pivot Table“. Der entsprechende Bereich sollte automatisch korrekt markiert werden. Eine neue Tabelle als Ziel wird angelegt.

Wir wollen nach IP-Adresse pivotisieren. Also ziehen wir das Feld „IP Adresse“ in den Bereich „Zeilen“ der Feldliste. Das Feld „Request“ nutzen wir als Filter und ziehen es in den Bereich Filter.

Pivot Excel Logfiles IP Adresse
Wir pivotisieren nach „IP-Adresse“, d.h. mehrere Vorkommen werden zusammengefasst.

Das Feld „Bytes“ nutzen wir um die Summe der Datenmenge pro IP-Adresse zu ermitteln und ziehen es in den Bereich „Werte“. Außerdem ziehen wir „Codes“ in den Bereich „Werte“ und lassen uns aber nicht die Summe, sondern die jeweilige Anzahl der Codes anzeigen. Dies geht mit „Wertfeldeinstellungen“. Dazu klickt man auf den kleinen Pfeil nach unten, dort wo jetzt noch „Summe von Code“ steht.

Über den Filter können wir nun eine mp3 oder m4a-Datei auswählen.
Leider kann man im Pivotfilter keine Text-Filteroptionen wie „enthält“ oder „endet mit“ verwenden wie in den anderen Excelfiltern.

Das Ergebnis sieht dann exemplarisch so aus:

In diesem Beispiel finden wir zwei IP-Adressen mit einem 10,3 MB umfassenden Download mit drei Teilabfragen und 6,7 MB Download mit vier Teilabfragen.

Als Wert-Argument reicht es, wenn man die Anzahl der Status-Codes zählt. Wir wollen ja nur wissen, wie viele IP-Adressen eine Audiodatei angefordert haben. Die Anzahl entnehmen wir der Pivot-Liste. Dies ist dies Anzahl der Hörer bzw. der mindestens teilweisen Downloads und ein aus meiner Sicht recht harter Wert.

Man könnte hier noch tiefer hineinsehen, indem man feststellt, ob der letzte Eintrag auf eine Audiodatei von einer IP tatsächlich mit Status 200 beantwortet wurde. Wenn nicht, kann man davon ausgehen, dass die Datei nicht komplett geladen wurde.

Oder man addiert das Datenvolumen, das ja in der Logdatei ebenfalls dokumentiert ist und vergleicht dies mit der bekannten Größe der gesamten Datei. Daher habe ich im obigen Beispiel das Feld „Bytes“ in den Wertebereich der Pivottabelle genommen und die Summe ausgegeben.

Dies zu Fuß zu tun ist natürlich etwas aufwendig. Man könnte sich aber vorstellen, diese im Prinzip einfachen Aufgaben mit einem Stück Python in R zu automatisieren, um sich wöchentlich oder monatlich einen Report schicken zu lassen. Man könnte auch eine KI darauf trainieren, unvollständige oder vollständige Downloads zu erkennen.

Liegt die Datei auf Soundcloud, funktioniert das Verfahren so leider nicht. Dafür bietet Soundcloud ja eigene Abrufstatistiken, genau wie Stitcher. Das ist bequem, man kann aber diese Zahlen nicht mehr hinterfragen und auf Rohdaten hat man keinen Zugang.

Das gilt genauso für Podcast-Apps wie die von Apple in IOS oder Spotify, Auch hier gibt es grafisch aufbereitete Abruf- und Nutzungsstatistiken, die zusätzlich noch Einblicke in das Hörverhalten liefern wollen und Aussagen darüber zulassen, wann User die Episode im zeitlichen Verlauf abbrechen, wie groß die kummulierte Userschaft ist oder wie viele Abonennten oder Follower ein Podcast hat.

Fazit

Insgesamt glaube ich, dass man die Hörerzahlen vereinheitlicht messen muss, um aussagekräftige, glaubwürdige und verlässliche Hörerzahlen zu ermitteln, wenn man sich als Werbeträger etablieren möchte.

Dafür wäre ein einheitliches Modell analog der Druckauflagenermittlung im Printsegement notwendig. Eine Institution müsste diesen Ermittlungen ein Glaubwürdigkeitsiegel verleihen, so wie die IVW dies mit Magazinen und Zeitungen tut.

Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob man tatsächlich top-down vorgehen muss. Reicht es nicht aus, sich einfach auf die Konversion zu stützen, wenn es um Werbedurchsagen geht? Gemessen werden kann dies mit Rabattcodes oder mit extra angelegten URLs, die nur für diesen Trackingzweck verwendet werden. Die wichtigen Brandingeffekte werden dabei allerdings nicht berücksichtigt.

Sicher muss man, um sein eigenes Podcastingprodukt weiterzuentwickeln auch die Informationen haben, um sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Die Abschätzung des Interesses anhand von Zugriffs- und Nutzerzahlen gehört da natürlich dazu.




Episode 15 des „Menschen, Medien, Technologie“ Podcasts dreht sich um Linux

Die Zeitschrift „Linux“ hat sich für die Oktoberausgabe den Titel „25 Jahre Linux“ gegeben. Anlass für uns, mit Ron, der zwei Internetradiostreams produziert, über Linux in der Praxis zu sprechen.

Ein weiterer Schwerpunkte in Episode 15 des Menschen | Medien | Technologie Podcasts ist noch einmal der Staffelauftakt „Die Höhle der Löwen“ (Vox).


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Frohe Weihnachtszeit

Ich wünsche allen eine ruhige, besinnliche und frohe Weihnachtszeit

Frohe Weihnachten 2016




Die neue Top Level Domain .blog ist nun verfügbar

Seit einigen Tagen ist eine neue Top Level Domain verfügbar. Die üblichen Landrush- und Sunrise-Phasen sind vorbei. Nun gibt es die Blog-Domain für alle. Ist diese Domain auch nur Geschäftemacherei oder bietet sie tatsächlich Mehrwert? 

Betrieben wird die neue Domain von einem Unternehmen namens „Knock Knock Whois There„, hinter dem Automattic steht. Automattic ist die Firma, die man von den Produkten WordPress.com, Woo Commerce und Jetpack kennt. WordPress.com ist ein kommerzielle Verlängerung der WordPress-Welt, mit dem man Blogs auf Basis der WordPress-Software, die unter einer quelloffenen Lizenz verfügbar ist, betreiben kann, ohne einen eigenen Server nutzen zu müssen. Die neue Top Level Domain passt also hundertprozentig zu Automattic.

Die Software WordPress ist sehr weit verbreitet. Mehr als zwanzig Prozent aller Webpräsenzen weltweit (aktuell sogar 26 Prozent nach Angaben von Automattic) sollen mit WordPress realisiert sein. Dies sind nicht alles Blogs im engeren Sinne. WordPress lässt sich recht flexibel einsetzen. Mit den entsprechenden Erweiterungen, den Plugins, kann man das Grundsystem um viele Funktionen ergänzen. Es gibt Anwender, die machen aus WordPress eine Community oder einen Onlineshop. WordPress ist ziemlich anwenderfreundlich, einfach zu begreifen und einigermaßen genügsam im Hinblick auf die technischen Anforderungen.

Nicht nur für WordPress-User, auch wenn die Betreiberfirmen identisch sind

Die Domain „blog“ steht natürlich nicht nur WordPress-Usern zur Verfügung. Es gibt ja auch noch andere Blogsysteme, Ghost zum Beispiel mit einem ganz anderen technischen Ansatz. Ghost setzt auf Node.js auf und nicht wie viele andere Open Source Anwendungen wie WordPress auf PHP.

Domainnamen unter der TLD „blog“ dürfen die gewohnten 63 Zeichen lang sein, und aus den Zeichen a bis z, den Ziffern 0 bis 9 und dem Bindestrich bestehen, wobei der Bindestrich aber weder am Anfang noch am Ende der Zeichenziffernkette stehen darf. Zudem dürfen Bindestriche nicht an dritter und zugleich an vierter Stelle der Zeichenziffernkette stehen, wenn der Domainname nicht als internationalisierter Domainname (IDN) interpretiert werden soll. Mit den IDNs kann man auch andere Zeichen als die Zeichen von a bis z oder 0 bis 9 abbilden, zum Beispiel deutsche Umlaute: „käkenmeister.blog“ wird durch diesen Trick möglich, wird aber als „xn--kkenmeister-l8a.blog“ im Domain Namen System abgebildet.

Die TLD „blog“ soll laut Richtlinien IDN unterstützen, aktuell ist bei vielen Registraren dies aber nicht möglich. Suchanfrage nach freien Domainnamen mit Umlauten werden abgewiesen.

Wie bei vielen anderen neuen Top Level Domains gibt es eine lange Reihe an sogenannten „Premium-Domains“, die zu einem exorbitanten jährlichen Preis registriert werden können. Diese Premiumpreise werden von den Registries festgelegt. Bei der TLD „blog“ zählen viele gängige Vornamen dazu. „markus.blog“ bekäme man aktuell für 2.492,13 Euro und „manfred.blog“ für 623,13 Euro. Wenn man auf die Idee kommt, „cloud.blog“ registrieren zu wollen, müsste man 12.460,13 Euro pro Jahr dafür einplanen – nur für den Namen wohlgemerkt. In diesen Momenten freut man sich wieder über die genossenschaftliche Ausrichtung der Vergabestelle für deutsche Domainnamen unter der Länder-Top Level Domain „de“.

In manchen Bereichen sind neue Top Level Domains also tatsächlich ein gutes Geschäft. In Deutschland hingegen sieht das anders aus. Einige Städte- und Ländernamen wurden als neue Top Level Domains eingeführt, „nrw“, „koeln“ oder „berlin“ zum Beispiel. Einige haben nennenswerte Registrierzahlen, doch im richtigen Web-Leben kommen einem solche Domainnamen nur selten unter. Viele Institutionen und Organisationen werden wohl einfach ihren Namen schützen wollen ohne eine Website damit zu verbinden oder sie zur Kommunikation per E-Mail einzusetzen. Die Top Level Domain „versicherung“ hat schon den Inhaber gewechselt. Inzwischen hat die Nic.at über eine Schwesterfirma die Registrierungen dafür übernommen.

Domainname mit Mehrwert

Mit der Top Level Domain „blog“ ist nun sicher eine Domain verfügbar, die einen gewissen Mehrwert liefert. Wer einen solchen Domainnamen in der Suche oder über eine Verlinkung findet, kann erwarten, dass dahinter ein mehr oder weniger klassischer Blog zu finden ist – garantiert wird dies aber nicht. Leider kann man kaum absehen, welche Sprache der Blog benutzt. Bei „de“ kann man sicher sein, dass alles auf deutsch geschrieben ist.

Für Unternehmen ist diese Domain sicher eine gute Ergänzung, um den Corporate Blog zu veröffentlichen. Allerdings ist dies aus SEO-Gründen nicht immer sinnvoll, da die Algorithmen der Googlesuche „irgendeine-firma.de“ und „irgendeine-firma.blog“ als zwei völlig verschiedene Domains behandeln.




Keine Torte von Twitter bekommen: Böhmermann will nicht mehr twittern

In dieser Woche ist Twitter 10 Jahre alt geworden. Verglichen mit Facebook ist die Twitter-Nutzung in Deutschland ziemlich gering. Einer der prominentesten User ist/war Jan Böhmermann, der in seiner Show Neo Magazin Royal (ZDF, ZDF neo) einen twitter-typischen Hashtag der Woche proklamiert hat.

Zum Zeh-Jahre-Anlasse hat Twitter Deutschland wohl über eine Agentur per Post Torten versenden lassen, an Medien wie stern.de, an Parteien wie die CDU, Vereine wie den FC Bayern München, aber nicht an Böhmermann, der für sich in Anspruch nimmt, Twitter und Periscope in Deutschland mit populär gemacht zu haben. Zudem hat der Twitter Account 514.000 Follower.

Die Rache: Snapchat statt Twitter und ein Hass-Video via Facebook-Moments