BBC unter Beschuss – mal wieder

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Es gibt einige Kreise in Groß Britannien, die die staatliche Rundfunkorganisation BBC mal wieder schlachten wollen. BBC ist die Abkürzung für British Broadcasting Corporation und ist für uns in Deutschland deswegen von Bedeutung, da die BBC sozusagen das Modell der Alliierten für die Rundfunkorganisation in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg war.

https://www.rnd.de/medien/tantchen-bbc-in-der-krise-nach-enthuellungen-um-diana-interview-geht-es-der-anstalt-noch-schlechter-7CGDC2F375EC3HSQPXJDOPMKBU.html

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Die Idee dabei war, um den durch die NAZIs gleichgeschalteten deutschen Rundfunk, was hauptsächlich Radio war, so zu organisieren, dass dieser nicht wieder so schnell als Propagandainstrument für radikale politische Kräfte eingesetzt werden kann. Man organisierte den Rundfunk – was damals eigentlich nur Hörfunk war – öffentlich-rechtlich. Das heißt: Eben nicht staatlich, statt dessen dezentral. Der Rundfunk soll in eigener, aber öffentlich kontrollierter Trägerschaft funktionieren. Finanziert wird der Rundfunk nicht mit Steuern, sondern mit einem Beitrag, den früher die GEZ, die Gebühreneinzugszentrale, abbuchte, wenn man sein Radio- oder Fernsehgerät angemeldet hat, was aufgrund eines Gesetzes Pflicht war. Heute wurde die GEZ in „Beitragsservice“ umgetauscht. Klingt immerhin etwas netter. Dafür muss inzwischen jeder Haushalt und jede Firma zahlen.

Das öffentlich-rechtliche System in Deutschland ist ähnlich unter politischem Druck wie das im Vereinten Königreich. Zu teuer, zu bürokratisch, zu unausgewogen – die Vorwürfe gleichen sich sehr. Speziell die kritische Brexitberichterstattung hat der BBC in der Regierung Johnson keine Freunde gebracht.

2022 soll das Modell überprüft werden, 2027 muss es Verhandlungen mit der Regierung geben. Einige Spar- und Entlassungsrunden hat die BBC bereits hinter sich. Nun steht die Umstellung auf ein Abomodell statt auf Beiträge zur Diskussion.

https://www.wuv.de/medien/internationale_expansion_koennte_die_bbc_retten

Dennoch: Die BBC ist eine Institution, die nicht so schnell fallen wird.

Es gab schon viele Angriffe, meist aus politischem Interesse heraus, oft auch aus wirtschaftlichem.

In den 80er und 90ern des letzten Jahrhunderts waren einige Pop-Produzenten wie Stock, Aitken und Waterman mit der Präsenz ihrer Werke in BBC-Radioprogramm nicht so ganz zufrieden und produzierten ein längliches Propagandavideo im 80’s-Trash-Popsongformat: „Who needs Pink Floyd, Dire Straits, it’s not our music, it’s out of date…“

Aus Sparmaßnahmen und aufgrund von öffentlichem Druck musste die BBC einige Assets auslagern, das Sendenetz zum Beispiel, das nur noch gemietet wird. Auch einige Radiosender standen zum Verkauf. Die Sparks haben das in einem Song verarbeitet.

Ist schon etwas her, aber bei einer Tour damals mit einem Journalistenverein durch diverse BBC-Organisationen gewann ich den Eindruck, dass das, was die BBC macht, sie schon ziemlich gut macht. Private stört die Konkurrenz natürlich, allen voran BSkyB. Vor der BBC hatte man Respekt. Sie haben viele Angestellte, Zugriff auf große Ressourcen und sind in Sachen Rundfunk- und Produktionstechnologie ganz vorne und weltweit gut vernetzt.

Seinerzeit stieg BBC, besonders der Auslandsdienst, in eine neue Form der Nachrichtenverbreitung aus britischer Sicht ein. Man produzierte sendefertige Newsbeiträge, die jede Station, die sie haben wollte, unentgeltlich verwenden konnte.

Im Web ist die BBC weniger prominent, aber doch reichweitenstark. Der Analyseservice Alexa sieht die Domain BBC.co.uk auf Platz 70 bis 80 unter den zehn Millionsten Websites weltweit.

Und das, obwohl das Internet, speziell das Web für einen mitteilungsbedürftiges und als ehemalige Kolonialmacht geprägtes Land wie gerufen zu sein scheint. Möglicherweise könnte ein Abomodell bei einer weltweiten Expansion durchaus erfolgreich werden. Erfahrungen sind vorhanden.

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